Transplantations-Prozess

Verteidigung will das Ende der Untersuchungshaft für O.

Beratung: Verteidiger Steffen Stern im Gespräch mit dem angeklagten Mediziner Dr. O., der seit Januar 2013 in Untersuchungshaft sitzt.
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Beratung: Verteidiger Steffen Stern im Gespräch mit dem angeklagten Mediziner Dr. O., der seit Januar 2013 in Untersuchungshaft sitzt.

Göttingen. Meinungsverschiedenheiten gibt es zwischen Staatsanwälten und Verteidigern im Prozess gegen den ehemaligen Uni-Klinik-Transplantationschirurgen Dr. O. – sowohl was die Fortdauer der Untersuchungshaft, als auch was die Rückschlüsse aus dem bisherigen Prozessverlauf angeht.

Vor der Schwurgerichtskammer hat Verteidiger Steffen Stern am Mittwoch erneut einen Vorstoß gestartet, um den Beschuldigten aus der Untersuchungshaft in der Justizvollzugsanstalt Rosdorf zu holen. Einen solchen Antrag hatte Stern bereits zu Prozessbeginn Mitte August formuliert, der aber vom Oberverwaltungsgericht abschlägig beschieden worden war. Die Staatsanwaltschaft aber lehnt eine Haftverschonung weiter ab – es bestünde Fluchtgefahr.

O. leide zunehmend an der Situation der Haft und der Verteidigung vor Gericht, sagte Stern, der seinen Vorstoß auch als fürsorgliche Maßnahme bezeichnete. „Der Zustand ist unerträglich“, schilderte der Anwalt, der in einer Haftverschonung auch eine positive Wirkung für den Prozess sieht: „Sie könnte dem Verfahren viel Druck nehmen.“ Eine Fluchtgefahr bestünde zudem nicht, auch, weil eine hohe Kaution gefordert sei, die bereitgestellt werden könnte.

Oberstaatsanwältin Hildegard Wolff zeigt sich von Sterns Argumenten unberührt und standhaft: „An eine Haftverschonung ist nicht zu denken.“ Ein Grund sei die Fluchtgefahr: „Der Angeklagte wird sich nicht bis zum St. Nimmerleinstag dem Verfahren stellen“, mutmaßt Wolff, die ein vorgesehenes Prozess-Ende im Mai 2014 für nicht realistisch hält.

Die Staatsanwältin hat zudem während des bisherigen Prozessverlaufs Anhaltspunkte für die Anklage wegen versuchten Totschlags in elf Fällen erkannt – die Verteidigung wiederspricht dieser Äußerung: Bisher habe kein einziger Zeuge den Angeklagten Dr. O. belastet, sagte Stern. „Ich kenne die Akten, die hier zum Teil noch nicht behandelt worden sind“, entgegnete die Staatsanwältin.

Der Vorsitzende Richter Rolf Günther will über den Vorstoß der Verteidigung nicht öffentlich beraten und betont: „Die Kammer hat ein entscheidendes Votum.“ O. sitzt seit Januar 2013 in Untersuchungshaft in der JVA Rosdorf.

Die Verteidigung beantragte zudem, einen sachverständigen Zeugen der Uni-Medizin München offiziell auszuladen. Weil die bisherigen Sachverständigen der Staatsanwaltschaft bisher nicht gereicht hätten, werde wieder ein weiterer Sachverständiger aus dem Hut gezaubert.

Die Verhandlung verfolgte auch ein Sachverständiger aus dem Universitätsspital Zürich: Prof. Dr. Philipp Dutkowski. Ein weiterer Sachverständiger war nicht erschienen. Das hat Folgen: Der 8. Verhandlungstag wird deshalb noch einmal stattfinden – am Mittwoch, 9. Oktober, gibt es ein „Wiederholungsspiel“ am selben Ort, mit den selben Zeugen, die dann die selben Aussagen machen werden.

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