Innerdienstliche Spannungen

Verwaltungsgericht Göttingen: Lehrerin muss Versetzung hinnehmen

Göttingen. Schulbehörden dürfen Lehrer versetzen, wenn aufgrund innerdienstlicher Spannungen eine störungsfreie Zusammenarbeit nicht mehr möglich ist. Das hat das Verwaltungsgericht Göttingen entschieden.

Das Gericht wies die Klage einer Englischlehrerin gegen die Landesschulbehörde zurück. Die Behörde hatte die Pädagogin an ein anderes Gymnasium versetzt, nachdem es an ihrer bisherigen Schule zu Konflikten gekommen war. Außerdem entzog man ihr die Ausbildung von Studienreferendaren für das Fach Englisch. Nach Ansicht des Gerichts sind sowohl die Versetzung als auch der Widerruf der Beauftragung mit Aufgaben der Referendarausbildung rechtmäßig (Aktenzeichen 1 A 299/15).

Die Klägerin hatte an ihrem Gymnasium durchgehend sehr gute fachliche Leistungen bescheinigt bekommen und war 2009 zur Oberstudienrätin ernannt worden. Im Verhältnis zu ihren Lehrerkollegen sei es jedoch mehrfach zu Auseinandersetzungen gekommen, die 2013 eskaliert seien, heißt es im Urteil. Damals habe sie sich per E-Mail beim Sekretariat ohne zeitliche Angaben krank gemeldet und darum gebeten, keine E-Mails oder Anrufe von der Schulleitung, dem Kollegium oder dem Studienseminar zu erhalten.

Nachdem die Lehrerin mehrere Tage lang nicht zum Unterricht erschienen war, forderte der Schulleiter sie auf, ein Attest vorzulegen. Zwei Tage später übersandte sie ihm und anderen Lehrkräften statt eines Attestes eine Strafanzeige. Darin bezichtigte sie die Schulleitung, den Personalrat und die Leitung des Studienseminars für das Lehramt an Gymnasien der Vernachlässigung ihrer Fürsorgepflicht, unangemessener Anweisungen, des Eindringens in die Privatsphäre sowie der üblen Nachrede und Verleumdung. Die Strafanzeige sandte sie an zahlreiche weitere Empfänger sowie Polizei und Staatsanwaltschaft.

Die Schulbehörde ordnete daraufhin eine amtsärztliche Untersuchung an und sprach ein Amtsführungsverbot aus, da Zweifel an ihrem Gesundheitszustand bestünden.

Die Begutachtung ergab, dass bei ihr eine psychische Erkrankung vorlag. Die Lehrerin unterzog sich daraufhin einer fachärztlichen Behandlung.

Erhebliche Unruhe

Als ihre volle Dienstfähigkeit wiederhergestellt war, wurde sie an ein anderes Gymnasium versetzt. Die Schulbehörde begründete dies unter anderem damit, dass die Lehrerin in der Zwischenzeit diverse Texte verfasst und an mehr als 100 Personen versandt hatte, in denen sie das Verhalten des Schulleiters und anderer Lehrer kritisierte. Diese Veröffentlichungen hätten erhebliche Unruhe und Verunsicherung im Kreis ihrer Kollegen, Schüler und Referendare verursacht.

Rubrikenlistenbild: bsc

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