Viel Applaus in Göttingen für Büchner-Collage mit Kasseler Schauspielschülern

Premiere von „Friede den Hütten! Krieg des Palästen!“ im Jungen Theater: (von links) Robin Middeke, Isabelle Heathcote, Daniela Drachholz, Katharina Brehl, Sebastian Freitag, Lucia Stamac, Sophia Dobers und Yorick Tortochaux. Foto: Heise

Göttingen. „Büchner kompakt“ wird den Zuschauern im Jungen Theater (JT) in Göttingen präsentiert. Unter den Worten des Radikalen – „Friede den Hütten! Krieg den Palästen!“ – haben Studierende der Schauspielschule Kassel einen Büchner-Abend zusammengestellt.

Mit dem Projekt unter Leitung des JT-Intendanten Nico Dietrich ernteten sie bei der Premiere langen und verdienten Applaus.

„An 700 000 Menschen schwitzen, stöhnen und hungern dafür“, dass sie dem Staat jährlich mehr als 6 Millionen Gulden als Steuern bezahlen müssen. Die Bauern und Bürger machen das Leben der Vornehmen erst möglich. – Das beklagte Georg Büchner im hessischen Landboten von 1834. Im Chor warnt das Ensemble mit Büchners Worten eindringlich vor den Besitz dieser Botschaft. Denn „wer die Wahrheit sagt, wird gehenkt“.

Schlüsselszenen

Schlüsselszenen aus den Stücken „Leonce und Lena“, „Woyzeck“ und „Dantons Tod“ bringen die acht Nachwuchsschauspieler vor diesem Hintergrund auf die Bühne. Schier unfassbar wirkt der Auftritt des gelangweilten Leonce nach Büchners radikaler Kritik im Landboten. Angesichts der bitteren Not in der Gesellschaft wird die Haltung von Leonce zum Luxusproblem.

Noch unbegreiflicher muss sein Problem vor dem Schicksal des Soldaten Franz Woyzeck erscheinen. Denn dieser lebt am untersten Ende der sozialen Hierarchie; Halt hat er nur bei seiner Geliebten Marie und ihrem gemeinsamen Kind. Doch Marie wird vom Tambourmajor verführt. Er fühlt sich gedemütigt und bringt sie um.

Eindrucksvoll bringen Katharina Brehl, Sophia Dobers, Daniela Drachholz, Isabelle Heathcote, Kristin Heil, Sebastian Freitag, Robin Middeke und Yorick Tortochaux die Szenencollage auf die Bühne. Mal agieren die Studierenden im fünften Semester der Schauspielschule Kassel wie ein griechischer Chor, mal treten sie im Wechsel in den Vordergrund und verwirklichen Szenen aus den Dramen. Mal wird der eine, mal der andere Georg Büchner und sagt den Wechsel ins nächste Stück an. Gemeinsam agieren sie in unglaublicher Dichte. In nur einer Stunde bringen sie das kurze Schaffen des jungen Radikalen auf die Bühne – Büchner starb im Alter von 23 Jahren.

Begeisterter Applaus und Trampeln zum Schluss bewiesen, dass das Zusammenspiel von Jungem Theater und Schauspielschule Kassel sich gelohnt hat. Vielleicht kann es ja fortgesetzt werden.

Die nächsten Vorstellungen sind am 22., 23., 24., und 25. Februar jeweils um 20 Uhr angesetzt. Am Donnerstag, 25. Februar, wird das Stück auch um 11 Uhr gespielt. Karten unter Tel. 0551/495015.

www.junges-theater.de

Von Ute Lawrenz

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