Verkehrswende

Viele Dieselloks und -triebwagen fahren auf Elektrostrecken

+
Die RB 80 auf dem Weg nach Nordhausen: Von Göttingen bis Northeim gibt es Strom. Hinter dem Bahnhof Northeim, hier am Bahnübergang Mühlentor, fehlt die Elektrifizierung bis Nordhausen.

Niedersachsen hinkt bei der Elektrifizierung von Bahnstrecken weit hinterher. Nur etwa 60 Prozent des hiesigen bundeseigenen Schienennetzes von 3414 Kilometern verfügen über Stromleitungen. Und sogar auf Strecken mit Stromanschluss fahren im Personenverkehr immer noch zahlreiche Diesellokomotiven oder -triebwagen.

Allein die Bahntochter DB Regio leistet auf elektrifizierten Abschnitten monatlich 47 500 Zugkilometer mit Dieselfahrzeugen ab. Das ergibt sich aus einer Antwort des Bundesverkehrsministeriums auf eine Anfrage des Grünen-Bundestagsabgeordneten Sven-Christian Kinder aus Hannover.

Nachhaltiger Antrieb

„Dass jedes Jahr tausende Dieselzüge auf Strecken in Niedersachsen unterwegs sind, die elektrifiziert sind, ist klimapolitisch vollkommen absurd“, kritisiert der Grünen-Parlamentarier im Gespräch mit unserer Zeitung. Daher müsse man alle Ausschreibungen verpflichtend auf nachhaltige Antriebsarten ausrichten, fordert Kindler. „Nicht das billigste, sondern das klimaschonendste Angebot muss den Zuschlag erhalten.“

Umsteigen vermeiden

Laut Bahn sind die angegebenen Abschnitte tatsächlich elektrifiziert, die Laufwege der Linien würden dann aber weiter über stromlose Trassen zum Ziel führen. Und da wolle man die Kunden nicht zum Umsteigen und Zugwechsel zwingen.

Betroffen sind vor allem die vier DB-Regio-Verbindungen, die den Süden Niedersachsens, aber auch den Westen Thüringens an den Bahn-Knoten Göttingen anbinden. So ist die Regionalbahnlinie 80 von Göttingen nach Northeim elektrifiziert, ab da geht aber es ohne Oberleitungen nach Nordhausen in Thüringen weiter. „Ziel der zweistündigen Durchbindung der Dieseltraktion bis Göttingen ist aus Kundensicht das Vermeiden des Umsteigezwangs in Northeim“, erklärt die Landesnahverkehrsgesellschaft (LNVG), die die Strecken per Ausschreibung an die Verkehrsunternehmen vergibt.

Einbecker Strecke

Gleiches gilt für die RB 82 von Göttingen nach Bad Harzburg, wo es nur bis Kreiensen Strom gibt und für die RB 86 von Göttingen nach Einbeck. Bis Salzderhelden ist diese elektrifiziert, auf dem nur wenige Kilometer langen und erst Ende 2018 reaktivierten Anschluss von dort nach Einbeck fehlt der Strom.

Das gleiche Problem auch beim RE 1 von Göttingen über Erfurt nach Sachsen: Oberleitungen existieren nur bis Leinefelde in Nordthüringen. Bis Gotha ist die Strecke nicht elektrifiziert. Das gilt auch für einen Großteil des weiteren Fahrwegs ab Weimar in Richtung Sachsen.

Die Privatbahn Erixx fährt mit Dieselzügen ebenfalls teilweise auf Elektrostrecken, so zwischen Hannover nach Hildesheim auf dem Weg nach Goslar und Bad Harzburg.

Fehlende Stromanschlüssse dürften kein Argument für klimaschädliche Loks sein, finden die Grünen. Zwar sei es nicht wirtschaftlich, das gesamte Schienennetz zu elektrifizieren, sagt Kindler. „Aber auch Wasserstoff-Züge und andere alternative, klimaneutrale Antriebskonzepte sind Teil einer nachhaltigen Verkehrswende auf der Schiene. Schmutzige Dieselloks sind es nicht.“

Keine Dieselloks mehr

Die LNVG sieht das längst genauso. Man werde keine neuen Diesel-Fahrzeuge mehr anschaffen, kündigt das Unternehmen an. Ab Anfang 2022 würden auf den Strecken zwischen Bremervörde, Bremerhaven und Cuxhaven alle 15 Dieseltriebwagen durch emissionsfreie Wasserstoff-Fahrzeuge ersetzt.

Bei anderen Strecken, die nicht langfristig elektrifiziert würden, suche man nach sauberen Alternativen. Auch Akku-Züge seien im Gespräch. „Batterietechnik wäre vor allem für Netze interessant, in denen nur kurze Oberleitungslücken überbrückt werden müssen.“ Möglich wäre also ein Einsatz zwischen Einbeck und Salzderhelden.

VON PETER MLODOCH

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.