Spendenaktion für Bewohner von La Paz Centro

Der bittere Beigeschmack des Zuckers: Viele Nierenkranke in Göttingens Partnerstadt

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Jung, aber schon todkrank: Der ehemalige Zuckerrohrarbeiter José Nahmun Lopez Canales leidet an Niereninsuffizienz und muss regelmäßig zur Dialyse.

Göttingen/La Paz Centro. Junge Männer, die eigentlich in der Blüte ihres Lebens stehen sollten, erkranken in La Paz Centro (Nicaragua) plötzlich an Niereninsuffizienz und sterben.

Dieser Zustand ist keine Seltenheit in den Gebieten Lateinamerikas, wo die großen Zuckerrohrplantagen zu finden sind. In La Paz Centro, der nicaraguanischen Partnerstadt Göttingens, ist die Situation besonders dramatisch.

Anna Leineweber vom Nicaragua-Verein Göttingen und Gerd Nier, Mitglied der Ratsfraktion der Göttinger Linken, versuchen den Nierenkranken in La Paz Centro mit einer Spendenaktion zu helfen. Laut Leineweber – die bis Mitte Januar in Nicaragua vor Ort ist – müssen viele der Erkrankten bis zu drei Mal wöchentlich zur Dialyse in benachbarte Krankenhäuser gefahren werden. Die Transportkosten müssten von den betroffenen Familien getragen werden, wozu meist das Geld fehle.

Woher die hohe Anzahl an Niereninsuffizienzen in lateinamerikanischen Ländern stammt, ist nicht ganz sicher. „Letztendlich gibt es wohl mehrere Faktoren“, erklärte Nier auf HNA-Anfrage. Unstrittig ist, dass es etwas mit der Feldarbeit, zumeist auf Zuckerrohrplantagen, zu tun haben muss. Der Einsatz von hochgiftigen Pestiziden, die Arbeitsbedingungen, verunreinigtes Trinkwasser – das alles wird von Forschern als Grund für die hohe Anzahl an Nierenerkrankungen in bestimmten Gebieten vermutet.

Allein in La Paz Centro, der Stadt mit der Göttingen eine Klimapartnerschaft geschlossen hat, seien 2016 über 100 Menschen an Niereninsuffizienz gestorben, schildert Leineweber die Lage in der mittelamerikanischen Kleinstadt. „Fast täglich gibt es hier mittlerweile Beerdigungen.“

Gefährlicher Arbeitsplatz: eine Zuckerrohrplantage in der Nähe von La Paz Centro in Nicaragua.

Für die Stadt mit rund 10.000 Einwohner wird das Nieren-Problem so allmählich zu einer Existenzfrage. Nach Auskunft der staatlichen und lokalen Gesundheitsbehörden in Nicaragua nehme La Paz Centro den zweiten Platz bei der Anzahl von Kranken und Toten mit Niereninsuffizienz ein, so Nier. Auf den Staat – geschweige denn die Unternehmen – verlassen können sich die Erkrankten aber nicht. Ungenügend und schlecht koordiniert seien die Hilfen laut Leineweber und Nier.

Die sinnvollste und effektivste Lösung ist für beide die Anschaffung eines sogenannten Micro-Busses, der die Patienten kontinuierlich zur Dialyse bringen kann. Die Anschaffungskosten von etwa 35 000 Euro will der Nicaragua-Verein Göttingen um die Vorsitzende Leineweber nun, über Spenden zu finanzieren. Ein Konto (IBAN: DE88 2605 0001 0056 0285 09) hat der Verein eingerichtet.

Die Ratsfraktion der Göttinger Linken versucht – mittels eines Ratsantrages – Soforthilfe über die Stadt zu organisieren. Nier fordert aber vor allem, „den exzessiven Einsatz hochgiftiger Pestizide durch überwiegend ausländische Konzerne zu verbieten.“

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