Interview: Studentenwerk-Chef Jörg Magull

Studentenwerk-Chef Jörg Magull im Interview: Viele wollen alleine wohnen

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Benennt die Wohnungsmarktprobleme: Prof. Jörg Magull, Geschäftsführer des Göttinger Studentenwerks.

Göttingen. Die Studenten zieht es nicht mehr so häufig in – oft günstigere – Wohngemeinschaften. Stattdessen suchen sie verstärkt Einzel-Appartements. Das verstärkt den Druck auf den Wohnungsmarkt in Göttingen, wie der Geschäftsführer des Studentenwerks, Prof. Jörg Magull, im HNA-Interview sagt.

Was ist die Ursache für die Wohnungsnot der Studenten?

Prof. Jörg Magull: „Unter anderem sind es die doppelten Abiturjahrgänge aus Nordrhein-Westfalen, die für einen Anstieg der Studierendenzahlen sorgen. Mittlerweile ist die Zahl der Eingeschriebenen an der Georg-August-Universität auf mehr als 27.000 gestiegen. In den 80er Jahren hatten wir hier sogar 33.000 Studenten bei der gleichen Anzahl an Wohnheimplätzen. Damals haben auch alle irgendwo eine Wohnung gefunden.“

Hat sich im Vergleich zu damals etwas geändert?

Magull: „Damals hatten Studenten die Möglichkeit im Sommer- oder Wintersemester ihr Studium zu beginnen. Durch die neue Regelung würde sich der Zulauf auf den Herbst konzentrieren und sich so zu einem Massenansturm entwickeln.“

Gibt es noch andere Faktoren, die zum Wohnraummangel in Göttingen beitragen?

Magull: „Es entstehen immer mehr Single-Haushalte in Göttingen. Auch ziehen die Menschen aus Vororten hierher und belegen so immer mehr Wohnraum in der Stadt. Und: Die Studenten suchen hauptsächlich nach Unterkünften in der Nähe der Universität. Es gibt auch schöne Wohnungen in der Göttinger Umgebung, in denen man gut wohnen kann.“

Warum finden diese Wohnungen bei Studenten keinen Anklang?

Magull: „Die Entfernung zur Uni ist vielen Studenten zu groß. Alles was 30 Minuten vom Campus weg ist, das wollen die Studierenden nicht mehr. Hinzu kommt noch, dass sich die Wohnkultur der Studenten verändert hat. Viele suchen heute nach einem Einzimmerappartement. Der Trend zu Wohngemeinschaften hat stark nachgelassen. Auch dadurch ist die Wohnungsmarktsituation in Göttingen so angespannt.“

Mit welchen Problemen sind Sie bei der Wohnraumvermittlung konfrontiert?

Magull: „Ein Problem sind die sogenannten Hubschrauber-Eltern, die sich überfürsorglich um ihre Kinder kümmern und auch bei der Wohnungssuche mitreden. Teilweise rufen bei uns die Eltern an und äußern die Wünsche, die sie für ihre Kinder haben. Die stellen da detaillierte Fragen zur Küchenausstattung oder zur Größe der Dusche. Und dann werden auch schon mal Zimmer, die wir anbieten, abgelehnt, weil die Eltern sagen, das diese für ihre Kinder nicht geeignet wären.“

Was würden Sie solchen Eltern raten?

Magull: „Dass sie doch bitte ihre die Zöglinge mal ziehen lassen sollen. Es ist bislang schon jeder ins Studentenleben reingekommen.“

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