Vier Tage Bahnstreik

Zum Bahnstreik: Fernbus-Anbieter ziehen die Preise in der Region an

+
Ruhe vor dem Ansturm: Die Fernbusse fahren am Zoologischen Institut in Göttingen ab.

Göttingen/Kassel. Der ab Donnerstag bis Sonntag dauernde Streik der Lokführer ist der längste Ausstand in der Geschichte der Deutschen Bahn. Seine gravierenden Folgen sind seit Mittwoch auch abseits der Bahnhöfe in Kassel und Göttingen spürbar.

Es gibt in Kassel einen wahren Ansturm auf Fernbusse und Mietwagen. Frustrierten Bahnkunden ohne eigenes Auto dürfte die Suche nach Alternativen zur Bahn damit zunehmend schwerer fallen. Wer sich erst kurzfristig darum kümmert, hat schlechte Karten.

Lesen Sie auch:

Bahnstreik: Das müssen Fahrgäste wissen

„In den nächsten vier Tagen können wir in Kassel keinen Mietwagen mehr anbieten“, sagt Tobias Neumann von der Reservierungszentrale bei Europcar. Die Kasseler Station an der Leipziger Straße sei da keine Ausnahme. Bundesweit sei man durch den Streik bis Sonntag nahezu ausgebucht. Auch bei der Sixt-Autovermietung mit ihrem Standort am Bahnhof Wilhelmshöhe gibt es deutlich mehr Anfragen als Autos zur Verfügung stehen.

Etwas besser sieht es bei den über das Internet vermittelten Mitfahrgelegenheiten aus. Am Mittwoch gab es zum Beispiel nach Frankfurt noch freie Plätze, die im Schnitt zehn bis zwölf Euro kosteten.

Auch die Fernbusanbieter werden von Anfragen überrannt. Im Normalbetrieb wird Kassel täglich von etwa 40 Fernbussen angesteuert, die auf 24 Linien verkehren. Beim Anbieter Flixbus, der ab Kaufungen-Papierfabrik über 20 Städte anfährt, seien die Buchungen am Mittwoch um das Vierfache gestiegen, sagte ein Firmensprecher. Daher würden Zusatzfahrten angeboten.

Weitere Informationen:

Notfahrplan der Bahn

Infos zu einzelnen Bahnhöfen

Bei Meinfernbus ist es ähnlich. Verbindungen ab Kassel seien stark nachgefragt, teilt das Unternehmen mit. Schon nach dem jüngsten Bahnstreik im Oktober habe Meinfernbus ein Umsatzplus von 200 Prozent verzeichnet. Auch dessen Flotte, die den IC-Bahnhof Wilhelmshöhe in Kassel ansteuert, setze zusätzliche Fahrzeuge ein. Diese würden zu den regulären Zeiten als zweiter Bus starten. Aus rechtlichen Gründen dürften keine weiteren Takte angeboten werden.

Auch in Göttingen ist die Situation ähnlich: Die Autovermieter am Bahnhof Göttingen spüren im Vorfeld des Streiks der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) ein deutliches Nachfrage-Plus. Die Fernbusanbieter haben ihre Preise für die Fahrten ab Göttingen wegen des Ansturms zum Teil drastisch erhöht.

Notfahrplan der Bahn

Die Bahn weist unterdessen auf den Anzeigetafeln darauf hin, dass sich die Kunden im Vorfeld einer geplanten Reise genau informieren sollten. Das Unternehmen will mit einem Notfahrplan etwa ein Drittel aller Verbindungen anbieten. Weitere Informationen gibt es unter der kostenfreien Rufnummer 08000/99 66 33.

Noch am vergangenen Wochenende waren Fahrten mit dem Fernbus nach Berlin ab 13 Euro zu haben. Damit ist es in den nächsten Tagen erst einmal vorbei. Die Fernbusanbieter haben mit höheren Preisen auf den Ansturm durch den Streik reagiert: In der Regel sind zurzeit etwa 39 Euro für die einfache Fahrt mit dem Bus an die Spree zu bezahlen. Das ist etwa der gleiche Preis wie für eine Bahnfahrt mit dem ICE in der zweiten Klassen mit der BahnCard 50 (halber Fahrpreis) nach Berlin. Manche Verbindungen mit dem Fernbus sind auch schon ausgebucht.

Nach dem Ende des Streiks am Montag in den frühen Morgenstunden sinken die Preise wieder deutlich. Dann sind Fahrten nach Berlin schon wieder für unter 20 Euro zu haben.

Eine verstärkte Nachfrage spürt der Autovermieter Hertz, der eine Station am Göttinger Bahnhof betreibt. Insbesondere Firmenkunden verlängern die Anmietung des Wagens oder geben das Auto an anderen Stationen zurück, um Termine trotz des Streiks wahrnehmen zu können, berichten Janie Klöppner und Sascha Kock. Einige Anfragen musste die Station auch bereits ablehnen, weil zum gewünschten Termin kein Auto mehr zur Verfügung steht. Es gibt auch Hilfsbereitschaft untereinander: So bildeten sich beim Streik am dritten Oktoberwochenende spontan Fahrgemeinschaften, damit alle Gestrandeten ans Ziel kamen.

Fahrgäste sollten während des Streiks prüfen ob, sie ihr Ziel auch mit Privatbahnen erreichen können. Der Cantus, die Nord-West-Bahn sowie der Metronom, die alle in Südniedersachsen unterwegs sind, werden nicht bestreikt. Der Metronom hält von Donnerstag bis Sonntag zusätzlich ganztägig an den Stationen Hannover-Bismarckstraße, Hannover Messe Laatzen sowie Rethen und Barnten, damit möglichst viele Reisende ihr Ziel erreichen können. (bsc/bal/tos)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.