Volle Dröhnung Skakespeare im Jungen Theater in Göttingen

In Aktion: Philip Leenders, Jan Reinartz und Michael Rautenberg präsentieren alles was man schon immer über Shakespeare wissen wollte. Foto: Clemens Eulig / nh
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In Aktion: Philip Leenders, Jan Reinartz und Michael Rautenberg präsentieren alles was man schon immer über Shakespeare wissen wollte.

Göttingen. 37 abendfüllende Stücke und 154 Sonetten hat William Shakespeare zu Papier gebracht und 1834 Rollen dafür vorgesehen - drei Schauspieler treten im Göttinger Jungen Theater (JT) jetzt an, das alles in knapp 80 Minuten zu packen und auf die Bühne zu bringen.

Alles was man schon immer über Shakespeare wissen wollte und sich nie getraut hat zu fragen, wird jetzt im JT aufgeführt: Also Shakespeares sämtliche Werke (leicht gekürzt). So heißt das neue Stück, das am 22. April ab 20 Uhr Premiere feiert.

In voller Länge ergäbe das eine Aufführungsdauer von fünf Tagen und fünf Nächten, weiß der künstlerische Leiter des JT, Udo Eidinger. Um der Überforderung vorzubeugen, habe man sich entschlossen, das Ganze ein wenig zu verkürzen - erklärt Regisseur und Shakespeare-Fan Dirk Böther. Leichte Unstimmigkeiten oder Veränderungen sind natürlich nicht ausgeschlossen, wird schmunzelnd hinzugefügt. Gesungen werde natürlich auch - und zwar in ordentlicher Monty-Python-Manier.

Es werde viel eigene Interpretation einfließen und sich nicht sklavisch an die Vorlage gehalten, schildert Böther: „Ziel ist es frei ins Spiel einzusteigen und glaubhaft im Sinne des Stückes

Dirk Böther

zu spielen - mit improvisativen Elementen und der Wirksamkeit der eigentlichen Shakespeare-Texte.“

Denn auch die alte deutsche Übersetzung habe - trotz oder gerade wegen einer gewissen Patina - einen romantischen Touch: „Damit lässt sich besonders gut spielen“, so der Regisseur. Es gelte eine Barriere zu überwinden - weg von dem „Deutsch-Leistungskurs-Shakespeare“ und hin zu der Leichtigkeit im Umgang mit den Werken.

Und somit wird nicht eine einzige Komödie oder Tragödie und nicht ein Königsdrama ausgelassen. Von „Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage“ ist es nur ein kurzer Weg zu „Hast du zur Nacht gebetet, Desdemona?“, bevor man bemerkt: „Es war

Das Junge Theater im Regiowiki

die Nachtigall und nicht die Lerche“.

Die drei Schauspieler - Philip Leenders, Michael Rautenberg und Jan Reinartz - treten in beinahe sämtlichen Männer- und Frauenrollen Shakepeares auf. In Sekundenschnelle verwandeln sie sich von Romeo, Julia und Pater Lorenzo in Macbeth und Macduff oder in Caesar und Cleopatra. Das Ganze ist geistvolles Entertainment mit einem Schuss Welttheater für alle Shakespeare-Fans und solche, die es werden wollen.

Um dem Ganzen am Premierenabend einen historischen Ausklang zu geben, wird der Musiker Andreas Düker im Anschluss auf einer historischen Laute spielen, erzählt Böther vorfreudig. Denn so könne gebührend in Shakespeares Geburtstag hineingefeiert werden.

Karten: Tel. 0551/495015,
E-Mail: kasse@junges-theater.de 

www.junges-theater.de

Hintergrund

Ursprung auf Straßen von San Francisco

1981 brachte Daniel Singer in Kalifornien erstmalig eine selbstverfasste halbstündige Vier-Personen-Version von Hamlet auf die Straßen von San Francisco: Die „Reduced Shakespeare Company“ war geboren.

1987 zeigten Daniel Singer, Adam Long und Jess Borgeson beim renommierten Edinburgh Fringe Festival erstmals „The Complete Works of William Shakespeare (Abridged)“. Der Erfolg war so außerordentlich, dass Gastspiele in Los Angeles, New York, Montreal und Tokio folgten. Dann trat das Stück seinen Siegeszug auf zahlreichen Bühnen Europas an. (mel)

Von Melanie Triesch

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