Umweltschützer üben Kritik

Vorbei ist es mit dem Gipsfrieden im Südharz

Gipsabbau im Südharz: Die Ausweitung ist heftig umstritten. Umweltschützer und Grüne sind dagegen.
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Gipsabbau im Südharz: Die Ausweitung ist heftig umstritten. Umweltschützer und Grüne sind dagegen.

Eine mögliche Ausweitung des Gipsabbaus im Südharz sorgt weiterhin für Streit. Der Umweltverband Bund will belegen, dass ein Ausstieg aus der Naturgipsverwendung bis 2045 möglich ist.

Bad Sachsa – Umweltschützer und Grüne in Niedersachsen haben derweil ihr Nein zu einem weiteren Gipsabbau im Südharz bekräftigt. Dort drohe die Gipsindustrie eine Jahrmillionen lang gewachsene Landschaft unwiederbringlich zu zerstören, warnte der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) am Mittwoch. Der Grünen-Landtagsabgeordnete Christian Meyer sagte: „Wir wollen die Gipskarstlandschaft erhalten und zusammen mit Sachsen-Anhalt und Thüringen als ein gemeinsames Biosphärenreservat dauerhaft schützen. Weitere Gipsabbauflächen lehnen wir entschieden ab.“

Angesichts des dramatischen Artensterbens müssten endlich die Weichen in Richtung Ausstieg aus dem Naturgipsabbau sowie Investitionen in Forschung und Entwicklung für Alternativen gestellt werden, verlangte die Geschäftsführerin des BUND-Landesverbandes Niedersachsen, Susanne Gerstner. Nur so könnten im Südharz langfristige Zukunftsperspektiven für Bewohner und deren Arbeitsplätze geschaffen werden. Um zu vermeiden, dass die letzten Naturgipsvorräte im Südharz zu Gipskartonplatten würden, müsse jetzt auf zukunftsweisende Alternativen umgestellt werden.

Ein vom BUND in Auftrag gegebenes Gutachten zeige auf, das weiterer Gipsabbau unnötig sei, hieß es weiter. Ein Ausstieg aus der Verwendung von Naturgips bis sei bis spätestens 2045. Alternative Baustoffe wie Lehm, Holz und andere nachwachsende Rohstoffe müssten stärker gefördert werden, um den Gipsverbrauch generell zu reduzieren.

Der BUND fordert zudem dringend verbesserte Regelungen für das Recycling von Chemiegipsen und Gipsprodukten. Mindestens 50 Prozent der Gipsprodukte seien wiederverwendbar. In Deutschland würden jedoch bisher weniger als zwei Prozent der Gipsprodukte recycelt, der überwiegende Teil lande als mineralischer Abfall auf der Deponie.

Im Dezember 2020 hatte die Landesregierung im Entwurf zum Landesraumordnungsprogramm eine Änderung der Gipsabbauflächen beschlossen. Im Landkreis Göttingen sind darin 40 Hektar als Vorranggebiete für den Gipsabbau vorgesehen. Das jetzt bestehende Verbot für Gipsabbau außerhalb der Vorranggebiete soll zudem gestrichen werden.

Grünen-Politiker Meyer sagte, anscheinend habe die Landesregierung die Forderungen der Rohstoffindustrie „1-zu-1 erfüllt“. 40 weitere Hektar Gipskarst sollten zerstört werden. Schon jetzt seien auf niedersächsischer Seite des Harzes fast 50 Prozent der weltbedeutenden Gipskarstlandschaft abgebaut, betonte Meyer. Sollte der Gipsabbau wie von der Landesregierung geplant weitergehen, betrachten Umweltverbände und die Grünen den 2002 geschlossene sogenannten Gipsfrieden mit strikt begrenztem Abbau als aufgekündigt. (Thomas Kopietz, mit epd)

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