Asklepios bezieht erstmals Stellung

Asklepios bezieht erstmals Stellung: Genug Personal und keinen Stellenabbau

Nicht mehr nur ein laues Lüftchen: Die Vorwürfe, die sich gegen die psychiatrischen Kliniken des Asklepios-Konzerns in Göttingen und Tiefenbrunn richten, sind hart.   Foto:  Wüstefeld

Göttingen. Die stationäre psychiatrische Versorgung der Patienten verschlechtert sich, das Personal wird abgebaut: harte Vorwürfe, die in den vergangenen Wochen gegen die psychiatrischen Kliniken in Göttingen und Tiefenbrunn des Klinikkonzerns Asklepios erhoben worden sind.

Vorwürfe, die nicht der Realität entsprechen, sagen Manfred Huppertz, Geschäftsführer der beiden Kliniken, und Unternehmenssprecher Rudi Schmidt in einem Exklusiv-Gespräch mit unserer Zeitung: „Wir können die Vorwürfe entkräften.“

An Verordnung gebunden

So seien die beiden Kliniken mit insgesamt 34 Stationen und vier forensischen Stationen in Göttingen wie alle psychiatrischen Einrichtungen in Deutschland bei der Zahl der Fachkräfte an die Psychiatrie-Personalverordnung, kurz Psych-PV, gebunden: In der Bundesrechtsverordnung ist klar vorgeschrieben, wie viel Personal, nach Berufsgruppen unterteilt, je Patient und Art und Schwere der Erkrankung vorhanden sein muss. „Wir halten die Psychiatrie-Verordnung ein“, sagt Huppertz.

„Unsere Rechnungen werden kontrolliert und vom Wirtschaftsprüfer testiert.“

Manfred Huppertz

Der Vorwurf, dass dem nicht so ist, sei widerlegbar falsch. Jährlich kontrolliere ein externer Wirtschaftsprüfer, ob sich die beiden Kliniken an die Psych-PV halten: „Unsere Rechnungen werden kontrolliert und vom Wirtschaftsprüfer testiert.“ Diese Testate seien der höchste Beweis für die Kostenträger wie die Krankenkassen, dass in den Kliniken alles in Ordnung ist. Das sieht auch Dirk Bertermann, Verwaltungsdirektor des Maßregelvollzugzentrums Moringen, so: „Wenn der Wirtschaftsprüfer sagt, dass alles richtig ist, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass das auch stimmt.“

Rudi Schmidt

Wie der Betriebsrat der Klinik zu anderen Ergebnissen komme, wisse Unternehmenssprecher Schmidt nicht. Der Betriebsrat hatte im vergangenen Jahr laut eines Zeitungsartikels einer Göttinger Tageszeitung errechnet, dass der Pflegedienst im April 2012 in Göttingen nur zu gut 70 Prozent und der Sozialdienst nur zu gut 85 Prozent besetzt war. Schmidt: „Die Zahlen sind falsch.“ Es sei ein Kardinalfehler gewesen, dem damals nicht nachgegangen zu sein.

„Wir haben in unsere Berechnung nur Fachkräfte und keine Hilfskräfte miteinbezogen“, erklärt ein Mitglied des Betriebsrates. Die Pflegedienstleitung der Klinik hingegen habe dessen Aussage zufolge genau das gemacht, aber: „Die Psych-PV gilt nur für Fachkräfte.“

Kein Stellenabbau

Von Verdi befürchtet, aber nicht wahr, sei ein Stellenabbau. Zwar wurden innerhalb des vergangenen Jahres Leute entlassen, das hatte aber mit einem Rechenfehler des Konzerns zu tun, räumen Schmidt und Huppertz ein: 2012 sind mehr Leute angestellt worden, als wirtschaftlich sinnvoll gewesen wären. Einen Abbau von 1100 auf 750 tariflich bezahlte Stellen, wie von Verdi befürchtet, gebe es aber nicht.

Gleiche Quote

Schmidt zufolge habe die Gewerkschaft Begrifflichkeiten vertauscht. Momentan gebe es gut 1100 Beschäftigte, die etwa 730 Vollzeitkräfte ergeben: Zwei Beschäftigte, die halbtags arbeiten, würden eine Vollzeitkraft ergeben. Im Vergleich zu Landesträgerzeiten sei die Beschäftigtenzahl vielmehr gestiegen, die Quote der Hilfskräfte im klinischen Dienst liege nach wie vor bei zehn Prozent.

Weiter im Tarif

Darüber hinaus sei Asklepios noch immer im Tarif: Die Möglichkeit, Ende 2012 aus diesem auszusteigen, sei nicht wahrgenommen worden. Stattdessen habe man entschieden, mindestens bis zum Ablauf des Jahres 2014 im Tarif zu bleiben.

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