Wallstein Verlag: Drei Autoren als Geschenk zum 30-Jährigen

Jubiläumsgala: Der Wallstein-Verlag bat drei Autoren zur Lesung in der Alten Mensa. Die Geschäftsführer Thedel von Wallmoden (rechts) und Thorsten Ahrend nahmen auch Glückwünsche entgegen. Foto: Kopietz

Göttingen. „30 Jahre Wallstein-Verlag“ war eine Gala überschrieben, bei der am Dienstagabend drei von Wallstein verlegte, erfolgreiche und bemerkenswerte Autoren aus aktuellen Büchern lasen: Ralph Dutli, Teresa Präauer und Kai Weyand.

Im Adam-von-Trott-Saal in der umgebauten Alten Mensa am Wilhelmsplatz waren alle Sitzplätze besetzt – gut 250 geladene Gäste und zahlende Literaturherbst-Besucher bekamen viel geboten.

Zunächst las der mehrfach für seine Romane und Essays ausgezeichnete Schweizer Ralph Dutli aus seinem Buch „Fatrasien. Absurde Poesie des Mittelalters“.

Danach folgte die österreichische Autorin und Künstlerin Teresa Präauer, die bereits für renommierte Preise nominiert wurde und deren Roman „Oh Schimmi“ aus der Masse der Neuerscheinungen herausragt. Nicht nur, weil die Autorin die Geschichte eines Äffchens erzählt, dass sich auch der Gegenwartsdenke und -Sprache bedient. Präauer liest die oft kurzen, nüchternen Sätze ohne viele Adjektive, stakkatohaft, fast wie bei einem Poetry Slam. Die Zuhörer schmunzeln und bleiben an ihren Gedanken hängen.

Bei „Oh Schimmi“ verschwimmen die Grenzen zwischen Affen und Menschen. Schimmi, der Affe, möchte sich ein paar Schokobananen kaufen. Die sind gut für die Affenhaut. Aber Schimmi ist froh, Uh,Uh schreien zu können, statt wie Menschen, Sätze sprechen zu müssen.

Längere Sätze spricht Kai Weyand, der von den drei Autoren am längsten im Verlag ist. Alles begann mit einem Erzählungsband. Der erste Roman folgte drei Jahre nach dem Debüt Weyands bei Wallstein. Zum Glück, denn es war wohl die richtige Reihenfolge.

2015 ist „Applaus für Bronikowski“ erschienen. Der Plot ist irgendwie banal, dabei skurril und oft höchst komisch: Nies ist ein Beobachter des Alltags. Er sieht und macht sich Gedanken, besondere Gedanken. Da ist der Hund mit Namen November. November hat drei Beine. Das Wort November drei Silben. „Er hat Glück gehabt, dass ich ihn nicht Fritz oder Karl genannt habe.“

Der Humor Weyands ist ein spezieller und funktioniert mit der Art, diese beiläufigen Alltagszenarien zu beschreiben. Bei der Lesung passt alles – ein wunderbarer Vortrag.

Locker ging es dann noch in die kurze Gratulationsphase des Abends. Weyand hatte zuvor schon gratuliert: „Ich gratuliere mir selbst, dass ich die Chance habe, bei diesem Verlag sein zu dürfen.“

Kurz und bündig überreichte für den Literaturherbst Klaus Wettig eine Collage alter Fotografien des Verlagsgebäudes an Thedel von Wallmoden und Thorsten Ahrend.

Dann ging es ans Büffett, zu den Getränken. Dazu gab es Musik. Die Gruppe von Straßenmusikern hatte Thedel von Wallmoden am Vormittag in der Göttinger Fußgängerzone gehört und spontan verpflichtet. (tko)

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