Ziel: In Würde sterben

Göttingen. Das Evangelisches Krankenhaus Göttingen-Weende ist bundesweit Vorreiter auf dem Weg zu einer palliativ-orientierten Versorgung von Patienten in einem Akutkrankenhaus.

Jedes Jahr verstirbt in Deutschland die Hälfte der Menschen in einem Krankenhaus. Dennoch ist die Begleitung von sterbenden Patienten nicht immer optimal. Das Thema Tod und Sterben wird oft verdrängt, Angehörige sind meist hilflos und überfordert. Zwar gibt es Hospize oder spezielle Palliativstationen, aber nur wenige Patienten haben die Möglichkeit, dort versorgt zu werden.

Um die Situation von schwerstkranken und sterbenden Menschen zu verbessern, hat sich das Evangelische Krankenhaus Göttingen-Weende entschlossen, als eines der ersten Akut-Krankenhäuser bundesweit Palliativpflege als neuen pflegerischen Schwerpunkt zu etablieren.

Das Pilotprojekt besteht aus innerbetrieblichen Fortbildungen für Pflegekräfte zum Thema Palliativpflege. Ziel ist es, das fachliche Wissen, das pflegerische Können sowie die notwendige innere Haltung aus der Palliativmedizin zu vermitteln. Dabei kommt auch die Alternativmedizin nicht zur kurz. "Ziel muss es sein, dass das Sterben in Krankenhäusern nicht mehr als Tabuthema angesehen wird", sagt Pflegedirektor Olaf Hußmann. Neben der Hochleistungsmedizin, die im Weender Krankenhaus geleistet wird und viele Menschen heilt, dürfe man dort auch sterben, und zwar würdevoll und ohne Schmerzen.

Die neuen Kurse umfassen rund 50 Stunden und behandeln unter anderem die Themen Schmerztherapie, Tumorerkrankungen, Palliativpflege, Sterbebegleitung, Gesprächsführung und eigene Reflexion. Der Unterricht wird von Mitarbeitern aus dem ärztlichem Bereich, dem Hospiz und der Klinikseelsorge gestaltet. In Kürze soll der Kurs auch für andere Berufsgruppen wie Physiotherapeuten oder den Sozialdienst angeboten werden.

Weil das Projekt Palliativpflege im Krankenhaus noch sehr selten, wenn nicht sogar einzigartig in Deutschland ist, wurde die neue Fortbildungsreihe wissenschaftlich begleitet. Die Leitung der Untersuchung hatte Pflegeprofessorin Dr. Gudrun Piechotta-Henze. Mehrere Studentinnen der Alice-Salomon-Hochschule in Berlin haben ihre Bachelor-Arbeit über das Thema geschrieben. Ergebnis: Die Palliativpflege-Fortbildungen können ein wesentlicher Beitrag zur Verbesserung der Professionalität von Pflegefachkräften im Umgang mit schwerstkranken und sterbenden Menschen sein. (p)

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