Ehrenamtlicher Besuchsdienst

Weender Engel: „Ich habe das Gefühl, Gutes für Menschen getan zu haben“

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Zwei „Weender Engel“ im Gespräch: Claudia Nalepa (links) und Martina Lichthardt auf einer Station im EKW. 

Göttingen. Die Weender Engel sind der ehrenamtliche Besuchsdienst im Evangelischen Krankenhaus Göttingen-Weende für Patienten mit einem erhöhten Betreuungsbedarf.

Wir sprachen mit dem Weender Engel Martina Lichthardt und Claudia Nalepa, die für die Organisation der Engel verantwortlich ist.

Die ersten Engel sind 2012 im Weender Krankenhaus gelandet. Was war der Anlass?

Claudia Nalepa:Anlass für die Gründung der „Weender Engel“ war es, Patienten zu besuchen, die eine besonders schwierige Phase durchleben oder die durch die weite Entfernung der Angehörigen selten Besuch bekommen.

Wie viele Weender Engel gibt es und welche Aufgaben haben sie?

Nalepa:Im Moment sind wir 26 Engel. Hauptaufgabe ist es, den Patienten zuzuhören, ihre Ängste und Sorgen wahrzunehmen oder ihnen etwas Abwechslung zu bieten. Kurzum: Die ehrenamtlichen Mitarbeiter haben ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte besonders der älteren Patienten, für die der Krankenhausalltag oft eine große Herausforderung darstellt.

Frau Lichthardt, wie alt sind die Patienten und was sind deren Wünsche?

Martina Lichthardt: Die Patienten sind in der Regel älter als 75 Jahre. Bei meinem Besuch frage ich zunächst das Stationspersonal, welcher Patient derzeit Redebedarf hat. Zu den Patienten baut man dann ganz schnell ein Näheverhältnis auf. Darüber wundern sich selbst die Patienten: Ich bin eine fremde Person für sie, und doch erzählen sie mir vieles aus ihrem Leben. Die Patienten finden es gut, dass sie sich einer neutralen Person öffnen und Probleme von der Seele reden können.

Werden die Ehrenamtlichen vor ihrem Einsatz geschult?

Nalepa: Jeder Engel muss vor Beginn der Tätigkeit eine Schulung machen, die wir einmal im Jahr anbieten, meist im Herbst. Das sind 30 Unterrichtseinheiten unter anderem zu den Themen Demenz, Depression und Aggression sowie der Umgang mit diesen Erkrankungen.

Hatten Sie ein besonderes Erlebnis?

Lichthardt: Ein Patient hat nach einem meiner Besuche plötzlich angefangen zu weinen. Zunächst waren wir alle ratlos, aber seine Begründung war herzergreifend: „Es war so schön mit der Frau im Park.“ Ein anderes Erlebnis war eine Parkinson-Erkrankte, die während des Gespräches mit mir immer weniger gezittert und letztlich ganz aufgehört hat.

Wieso engagieren Sie sich als Engel?

Lichthardt: Uns Ehrenamtlichen gibt es die Möglichkeit, sich sozial zu engagieren. Ich gehe immer wieder mit einem freudigen Strahlen nach Hause. Ich habe einfach das Gefühl, etwas Gutes für einen Menschen getan zu haben.

Wie alt dürfen die Engel sein?

Nalepa: Das Alter der Engel ist bunt gemischt. Die ältesten sind Anfang 70. Möglich ist ein Einsatz ab 18 Jahre.

Werden weiterhin Engel für den Besuchsdienst gesucht? Wann startet eine neue Schulung und an wen können sich Interessierte wenden?

Nalepa: Wir suchen fortlaufend neue Engel. Die nächste Schulung ist im Herbst. Interessierte können sich aber jederzeit an mich wenden und schon einmal zum Schnuppern kommen. (ysr)

Kontakt: Claudia Nalepa, Tel. 0551 5034-1557

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