Mildred-Scheel-Akademie stärkt Palliativmedizin in Göttingen weiter

Kompetenter Festredner: Dr. Bernd Alt-Epping Foto: nh

Göttingen. Das Sterben ist oft schmerz-, ja qualvoll. Glück haben Betroffene und die Angehörigen, wenn erfahrene Palliativmediziner Rat wissen und Linderung geben. An der Universitätsmedizin (UMG) gibt es Experten, hier hat sich das Fach seit 20 Jahren etabliert.

Im Klinikum wird fachübergreifend gearbeitet. So sitzen die Palliativmediziner in den Tumorkonferenzen der Onkologie. Und die Palliativmedizin gehört zur Ausbildung der Medizinstudenten. Sie werden mit dem Thema Sterben konfrontiert.

Dass es aber auch heute noch – Jahre seitdem die Palliativmedizin Ausbildungsbereich an der UMG ist – Probleme in der Lehre gibt, verdeutlichte Dr. Bernd Alt-Epping in seinem Festvortrag zur Einweihung der Scheel-Akademie: „Wir haben versucht, das Thema Palliativmedizin in einen Ankreuz-Test wie üblich bei Mediziner-Prüfungen einzuarbeiten.“

Ein unmögliches Unterfangen. Denn es geht laut Alt-Epping eben in der Palliativmedizhin nicht nur um das Vermitteln von Daten und Fakten, die schließlich in Multiple-Choice-Tests abgefragt werden. Für den Göttinger Palliativmediziner Alt-Epping geht es auch und ganz stark um Haltung, um weiche Faktoren wie Zuneigung, den richtigen Umgang in bestimmten Momenten.

„Deshalb experimentieren wir“, sagt der Arzt. Ein Ergebnis: Bei Prüfungen dürfen die angehenden Mediziner nun acht Minuten mit einer klaren Aufgabe in ein Patientengespräch gehen.

Die Palliativmedizin ist anders, das wurde den weit mehr als 100 Gästen zur Einweihung der Mildred-Scheel-Akademie am Mittwoch nicht nur angesichts dieser Ausführungen klar.

Uni-Präsidentin Prof. Ulrike Beisiegel betonte, dass hier verschiedene wissenschaftliche Fachrichtungen aufeinandertreffen, um gesellschaftlich das relevante Thema Umgang mit Sterbenden zu behandeln. „Das ist eine Aufgabe der Universität des 21. Jahrhunderts.“ Beisiegel ist dankbar dafür, dass eben dieses Thema in die Göttinger Uni hereingetragen wird.

Für eine Triebfeder der Palliativmedizin in Göttingen, den Direktor der Klinik, Prof. Friedemann Nauck, war es deshalb „ein ganz großer Wunsch, die Akademie in Göttingen zu verwirklichen.“ Nauck betonte auch, wie wichtig die Rolle des Fördervereins dabei gewesen ist.

Deren Vorsitzende, Veronika Frels, ist froh, dass mit dem Weiterbildungszentrum das Fundament der Göttinger Palliativmedizin noch stärkter geworden ist. Sie war es, die dem Geschäftsführer der Krebshilfe, Gerd Nettekoven, auf der Landkarte einmal eine Lücke im deutschen Palliativ-Akademie-Netz gezeigt hatte. Ergebnis: Der weiße Fleck in Norddeutschland ist mit der Eröffnung in Göttingen verschwunden. (tko)

Von Thomas Kopietz

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.