Sonderausstellung

Die Wende im Eichsfeld: Das Volk forderte offene Grenzen

+
Dokument aus der Wendezeit: Es wurde von Fotograf Sören Bau mgarten in seiner Ausstellung vorgestellt. Auf dem Flugblatt wird berichtet, dass das Material der Zeitung „Das Volk“ auf mysteriöse Weise verschwunden war.

Duderstadt/Teistungen – Friedensgebete, Diskussionsveranstaltungen und Demonstrationen: Auch in den Städten des Obereichsfeldes war der Wendeherbst 1989 turbulent.

Sören Baumgarten aus Dingelstädt hat die Ereignisse im Bild festgehalten, für Thüringer Zeitungen und für sich selbst. Mit Unterstützung des Grenzlandmuseums Teistungen stellte der 62-Jährige 120 Fotos zusammen, die bis Mitte Novemer im Museum zu sehen sind.

„Baumgarten hat die Stimmung der damaligen Zeit eingefangen“, sagte Museumsleiterin Mira Keune. Sie erinnerte bei der Eröffnung der Sonderausstellung daran, dass der Zuspruch der Demos stetig wuchs. So waren es auf dem Friedensplatz in Heiligenstadt zunächst 4000, später 10 000 und auf dem Höhepunkt der Wende sogar 40 000 Menschen, die für offene Grenzen, Reisefreiheit und freie Wahlen eintraten. Baumgarten, der in Dingelstädt geboren wurde und später in Leinefelde lebte, konzentrierte sich auf diese beiden Städte bei der Dokumentation der Ereignisse. Im Januar 1990 gingen auch die Schüler auf die Straße, und in den großen Betrieben in Worbis gab es Warnstreiks. Die Arbeiter fordeten beispielsweise: „Nieder mit der SED.“

Video: Zeitzeuge berichtet über die Wende im Eichsfeld

Anfangs waren die Demonstrationen den Lokalredaktionen der regionalen Zeitungen nur eine Randnotiz wert, spätestens nach dem Fall der Grenze konnte man an den Massenveranstaltungen nicht vorbei. Der Funke der Revolution war von Berlin und Leipzig auf das Hinterland übergesprungen.

Baumgarten ist ein Multi-Talent, er arbeitete als Lehrer, Ausbilder, freier Journalist und Buchautor. Eigentlich ist er von Beruf Anwendungstechniker. Zur Ausstellung, die bis zum 15. November zu sehen sein wird, gehören auch etliche Dokumente und Zeitungsausschnitte, so aus dem Thüringer Tagblatt, dass die Wende nicht überlebt hat.

Horst Dornieden, Vorsitzender des Vereins Grenzlandmuseum Eichsfeld, erinnerte an die Sehnsucht nach Freiheit – sie sei letztlich erreicht worden. Deshalb habe man allen Grund zum Feiern. Das Museum, das dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet ist, bereitet sich bereits auf 30 Jahre Wiedervereinigung vor.

Am Tag der deutschen Einheit gab es am Donnerstag einen Ansturm von Besuchern, erwartet wurden 800 bis tausend Menschen aus der ganzen Region. Schon am Mittag waren die Parkplätze gut besetzt. Weitere Informationen zu dem Museum gibt es hier.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.