Werther: Große Amplituden von Gefühlen auf der Bühne

Veritable Depression: Goethes „Leiden des jungen Werthers“ im Jungen Theater. Auf dem Bild von links: Lotte (Linda Elsner), Werther (Gerrit Neuhaus), Albert (Peter Christoph Scholz). Foto: Lawrenz

Göttingen. Große „Amplituden“ von Gefühlen: Das verspricht der künstlerische Leiter am Jungen Theater Göttingen, Tobias Sosinska, wenn dort am Donnerstag, 29. Oktober, Goethes „Die Leiden des jungen Werthers“ in der Regie von André Bücker auf die Bühne kommt.

Bückers Abschiedsinszenierung als Generalintendant beim Anhaltinischen Theater in Dessau war Goethes Götz von Berlichingen. Nun bringt er im Jungen Theater in Göttingen Goethes Roman „Leiden des jungen Werthers“ auf die Bühne. Goethe habe die beiden Werke direkt nacheinander geschrieben. Dass er sie jetzt in derselben Abfolge inszeniert, empfindet Bücker als „wunderbaren Zufall“.

Er beschreibt Goethe als großen Menschenkenner, der sehr tief in die menschliche Seele blickte. Doch Bücker versteht Werther nicht nur als den „empfindsam Leidenden“. Mit einer „veritablen Depression“ sei er tatsächlich krank gewesen. Immer mehr habe sich seine Seele verfinstert. Er verliebt sich in die gebundene Lotte. Aus Bückers Sicht entschließt er sich zum Suizid, um einen Moment der Innigkeit für die Ewigkeit zu festzuhalten. So sieht Bücker Werther als „Emotionsradikalen“. Dessen Sehnsucht nach höchster Vollkommenheit mit dem Bewusstsein „Ich kann´s nicht erreichen“ will der Theatermacher auf die Bühne bringen und hat auch Bühne und Kostüme dafür gestaltet.

In Göttingen ist Bücker kein Unbekannter. Gern erinnert er sich an die Inszenierungen „Cowboy, Cowboy“ und das Roadmovie „Priscilla – Königin der Wüste“ 2002 und 2003 am Jungen Theater.

Auch „Werther“ ist mit Gerrit Neuhaus für viele Göttinger kein neues Gesicht. Von 2009 bis 2012 gehörte er zum Ensemble des Deutschen Theaters. Seine erste große Rolle auf der großen Bühne dort war laut Sosinska Goethes Tasso. Parallelen zwischen den Figuren sieht er in deren Gefühls-„Amplituden“. Tatsächlich wühlten ihn die Schwingungen auf, wenn er zu Hause den Text durchgehe, bestätigt Neuhaus. Er sieht Werther im Konflikt mit dem Schubladendenken, das üblich sei in der Gesellschaft und das auch Lottes Verlobter Albert zeige. Lotte wird gespielt von Linda Elsner, Peter Christoph Scholz gibt den Albert.

Als sehr berührend empfindet Bücker die erprobte Bühnenfassung von Astrid Kohlmeier. Leicht modifiziert kommt sie am Donnerstag, 29. Oktober, um 20 Uhr im Jungen Theater auf die Bühne. Für Schulen bietet das Junge Theater Vormittagsvorstellungen nach Absprache an. Außerdem können Vor- und Nachbereitung sowie Workshops für die Schüler verabredet werden. Karten unter Telefon 0551/495015. (zul)

www.junges-theater.de

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