Thomas Oppermann (SPD) gewinnt Wahlkreis und schätzt das hoch ein

Auftritt im Wahlkampf in Göttingen: Thomas Oppermann (rechts), SPD-Parteichef Sigmar Gabriel und die Landtagsabgeordnete Dr. Gabriele Andretta.
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Auftritt im Wahlkampf in Göttingen: Thomas Oppermann (rechts), SPD-Parteichef Sigmar Gabriel und die Landtagsabgeordnete Dr. Gabriele Andretta.

Göttingen. In Thomas Oppermanns Brust schlugen am Sonntagabend zwei Herzen – das des Genossen, der ein schwaches Bundestagswahlergebnis seiner SPD miterleben musste und das des Wahlkreiskandidaten, der einen Sieg eingefahren hat.

Die Ergebnisse sah der Göttinger denn auch mit einem lachenden und weinenden Auge.

„Wir haben uns als Partei ein anderes Ergebnis erwartet, das ist sicher enttäuschend“, sagte Oppermann bereits um 20.30 Uhr am Sonntag im Gespräch mit der HNA. Der BG-74-Fan gratulierte Bundeskanzlerin Angela Merkel sportlich: „Sie hat ein grandioses Ergebnis erreicht, eines, das sie vielleicht nie wieder erreichen wird. Der Ball liegt jetzt bei ihr.“ Das heißt für Oppermann, dass Merkel nun gefordert ist, eine Regierungsmehrheit zu suchen und zu finden. Würde seine SPD den Ball annehmen, auffangen? „Diese Frage stellt sich noch nicht, wie gesagt, Frau Merkel ist am Zug. Wir werden erst einmal mit den Grünen sprechen, auch wenn es in dieser Konstellation nicht reicht.“

Und die Sozialdemokraten wollen untereinander sprechen. Am Montag nach der Wahl im Vorstand und zum Ende der Woche am Freitag in einer großen Runde. „Wir müssen analysieren, warum was nicht funktioniert hat“, sagt der erfahrene Wahlkämpfer Oppermann, der gleichzeitig nach vorne schaut und in einen Appell vielleicht auch die Frage nach dem Personal für die Zukunft kleidet: „Wir müssen sehen, dass wir uns bis zur Bundestagswahl 2017 so aufstellen, dass wir gute Chancen haben.“

Thomas Oppermann aber kann sich auch freuen an diesem Abend des 22. September: Er hat seinen Wahlkreis gewonnen, nicht einmal sehr knapp. „Ich bin glücklich darüber und sehe das mit Demut und Dankbarkeit. Dankbar bin ich den vielen Menschen, die mich gewählt haben.“

Was Oppermann am eigentlich traurigen Wahlabend noch froh macht, ist, dass der einen schwer zu gewinnenden Wahlkreis geholt hat: „Das ist nicht einfach, weil ja das erzkonservative Eichsfeld dazugehört.“

Gegen den Trend

Persönlich schätzt Oppermann dieses Ergebnis hoch ein: „Es ist der wertvollste Wahlsieg für mich seit 1990!“ Auch, weil er gegen den Trend der Wahl erzielt worden ist.

Das Erststimmen-Ergebnis zeigt laut Oppermann noch etwas anderes: Er, der in den vergangenen Jahren in der Bundespolitik in Berlin und in der SPD an Gewicht gewonnen hat, wird von den Wählern als bodenständig gesehen. „Ja, das ist so“, sagt Thomas Oppermann. Er kommentiert es nicht, aber es ist heraus zu hören: Diese Einschätzung der Wähler, zu Hause, in Göttingen, macht ihn froh, an einem eigentlich enttäuschenden Abend für die Sozialdemokraten, der ihm persönlich aber sogar einen Platz im Kabinett als Minister bescheren könnte.

Von Thomas Kopietz

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