Thema im Grenzlandmuseum

Westpakete für die DDR: Kaffee war der große Hit

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Im Grenzlandmuseum: Die Historikerin Konstanze Soch stellte ihre Doktorarbeit zum West-Paket vor, hier mit Museumschefin Mira Keune (links).

Duderstadt/Teistungen. Wenn das West-Paket mit all seinen Köstlichkeiten eintraf, war das in den DDR-Familien jedes Mal ein Fest. Ausgepackt und verteilt wurde im Wohnzimmer und im Kreis der Lieben.

Über drei Generationen passierten bis 1989/90 Millionen Pakete und Päckchen die innerdeutsche Grenze. Kaffee, Schokolade, Seife und später Strumpfhosen gehörten neben Konserven mit Ananas und Aprikosen zum Inhalt. Die Historikerin Konstanze Soch von Universität Magdeburg)hat sich mit der Bedeutung des West-Paketes im Kalten Krieg wissenschaftlich befasst.

Bei einer Veranstaltung zum Tag der deutschen Einheit im Grenzlandmuseum Teistungen räumte sie mit Vorurteilen auf.

Denn nicht nur die Bundesdeutschen versorgten ihre Verwandten und Freunde drüben mit Waren, sondern es gab auch Ost-Pakete. Die DDR-Bürger revanchierten sich mit Christstollen, Baumkuchen und Nussknackern sowie Nordhäuser Doppelkorn – Spezialitäten, die oft schwer zu beschaffen waren. Meißner Porzellan war tabu – es stand als Devisenbringer für den Privatmann auf dem Index.

Der schwunghafte Paket- und Päckchentausch erreichte Mitte der 60er Jahre seinen Höhepunkt und ebbte dann ab. Soch stieß auf Zeitungsmeldungen aus dem Neuen Deutschland, wonach 1963 täglich bis zu 200.000 Sendungen von DDR-Bürgern über das dafür zuständige Postamt Braunschweig im Westen weiterverteilt wurden.

Der private Handel wurde streng kontrolliert. Im Osten prüfte die Stasi, im Westen der BND mit Hilfe der Bundespost zur Spionageabwehr. Das Postgeheimnis, so Soch, sei millionenfach auf beiden Seiten verletzt worden.

Höchstmengen

Die Intensität des Warenverkehrs war von der allgemeinen wirtschaftlichen Lage abhängig: Die DDR setzte Höchstmengen für Lebensmittel in West-Pakten fest. Eine massive Lockerung gab es 1977, als der Kaffee auf dem Weltmarkt rasant teurer wurde. Im Osten führte dies zu Protesten, der ungenießbare Ersatzkaffee wurde als „Erichs Krönung“ auf die Schipppe genommen. Die Bohnen aus dem Westen entspannten die Situation.

Mit dem Zusammenbruch der DDR 1990 endete die Kontaktpflege über die Postpakete – im Osten war über Nacht alles erhältlich. 

Gefragte Führungen durchs Grenzmuseum

Einen Besucheransturm aus der Region zwischen Göttingen, Kassel und Erfurt erlebte das Grenzandmuseum Teistungen am Tag der deutschen Einheit. Bereits bis zum Mittag wurden 500 Besucher gezählt. Ein Anzeichen dafür, dass die Thematik der deutschen Teilung weiter stark interessiert.

Dichtes Gedränge: bei den Führungen informierten sich die Besucher in großer Zahl über die einstige Grenzübergangsstelle für den Kleinen Grenzverkehr.

Dichtes Gedränge herrsche bei den stündlichen Führungen durch die Ausstellung. Der einstige Grenzübergang Gerblingerode/Teistungen war, wie Mitarbeiter erläuterten, ein Großbetrieb. Allein für die Paßkontrolle waren pro Schicht 70 Angehörige des Ministerums für Staatssicherheit im Einsatz. Hinzu kamen Angehörige des DDR-Zolls. Der Grenzübergang entstand nach dem Grundlagenvertrag 1973. Bis 1989 reisten über Duderstadt-Worbis fast sechs Millionen Menschen ein.

Neue Sonderschau

Eine Blick konnten Besucher auch in die neue Sonderausstellung werfen, die noch bis Mitte November zu sehen sein wird. „Voll der Osten“ ist das Thema des Fotografen Harald Hauswald, der den DDR-Alltag in eindrucksvollen Schwarz-Weiß-Fotos dokumentiert hat. Die Schau endet mit Bildern der Friedlichen Revolution Ende 1989.

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