Wildbrücke und Tempo-30-Schilder landeten im Schwarzbuch

Dieses 2,6-Millionen-Euro-Projekt landete erneut im Schwarzbuch: Zwischen Waake und Roringen im Landkreis Göttingen wurde eine Brücke für Tiere – eine Wildbrücke – über die Bundesstraße 27 gebaut. Das Foto entstand während der Bauarbeiten. Foto: Kopietz

Göttingen. Südniedersachsen ist im neuen Schwarzbuch des Bundes der Steuerzahler, das die Verschwendung öffentlichen Geldes anprangert, gleich zweimal vertreten.

Göttingen „schaffte“ es mit der nicht genehmigten Tempo-30-Zone und die Region mit der Tierbrücke über die B 27 zwischen Roringen und Waake.

Die Grünbrücke für Tiere und speziell eine Familie von in dem Bereich lebenden neun Wildkatzen wurde mit großem Aufwand und langer Bauzeit für 2,6 Millionen Euro errichtet. Zu viel Geld für das 50 Meter lange Bauwerk, hatte der Steuerzahlerbund bereits 2012 moniert. Jetzt hätten Zahlen über die Nutzung der Brücke diese Kritik bestätigt. Der Bundesrechnungshof hatte solide Nutzungszahlen von der Landesbehörde eingefordert, erste Ergebnisse liegen vor, und die Untersuchung soll bis 2016 laufen. Das Monitoring übrigens kostet noch einmal 80.000 Euro.

192 Wildtiere haben die Brücke bisher zur Überquerung der viel befahrenen Bundesstraße 27 genutzt, darunter war aber nur eine Wildkatze, für die die Brücke ja eigentlich auf Behördenwunsch gebaut worden war.

Erstaunlich auch: Auch andere Tiere, zum Beispiel Käfer und Falter, gingen in die Spurbett- und Fotofallen – so auch Fledermäuse, die eigentlich eher selten zu Fuß über Brücken laufen.

Erfasst und überführt wurden immerhin 285 Fußgänger und 283 Mountainbiker, die die Tierbrücke benutzt hatten. Während weiter geprüft und gezählt wird, ist für den Bund der Steuerzahler klar: „In Waake wurde zu viel des Guten getan.“

Bis heute nicht genehmigt: Auf der Reinhäuser Landstraße gilt weiter kein nächtliches Tempo-Limit. Archivfoto: Kopietz

Für Schlagzeile und Unmut hatte auch ein Projekt in Göttingen gesorgt, das dort aus dem Konzept mit dem schrägen Namen „Lärmaktionsplan“ hervorgegangen war: Die Stadt wollte Autofahrer auf den Ein- und Ausfallstraßen nachts ausbremsen, Tempo-30 verordnen. 18 Schilder waren an Pfählen montiert worden, die in den Boden eingelassen wurden. Die Reinhäuser Landstraße (Bundesstraße 27) sollte nachts von 22 bis 6 Uhr verkehrsberuhigt werden.

Die Stadt bekam das Ja von der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr und verhängte Tempo-30 auf der „Reinhäuser“. Dann legte das niedersächsische Ministerium für Wirtschaft und Verkehr sein Veto ein. Grund: Die Regelwerke im „Lärmaktionsplan“ seien veraltet gewesen, was die Stadt bestreitet. Die Aktion des Ministeriums sei „nicht nachvollziehbar“.

Jetzt wurde noch einmal der Verkehr auf der „Reinhäuser“ gezählt. Für den Bund der Steuerzahler aber ist klar: Das Hick-Hack verschlang unnötig Steuergeld: 3735 Euro kosteten die Schilder, die dann wieder überklebt werden mussten.

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