UMG will trotz Organskandal-Verfahren gute Nachrichten verbreiten

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Heyo Kroemer

Göttingen. Das Wort Skandal nimmt Prof. Dr. Heyo Kroemer, Vorstandssprecher der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) in der Rede zum Jahresempfangs und –rückblicks am Dienstagabend nicht in den Mund.

Kroemer spricht nicht von den Folgen für die Patienten und Spender, sondern beschäftigt sich mit den Wirkungen für das öffentliche Ansehen der UMG.

Er nennt die „Geschehnisse rund um die Lebertransplantationen“ einen „besonders dunklen Punkt“ im Jahr 2012, über den viel gesagt und noch mehr geschrieben worden sei. Und dieses Medienecho erwartet Kroemer nun auch, wenn es um die rechtliche Aufarbeitung nach Anklageerhebung gegen den in U-Haft sitzenden Transplantationschirurgen geht.

 „Wir müssen damit rechnen, dass über eine sehr lange Zeit negative Berichte über die UMG in den bundesdeutschen Zeitungen häufig zu finden sein werden“, sagt Kroemer, der das beschädigte Image durch besondere Leistungen reparieren will. Er kündigte an, dass diese in der Öffentlichkeit entsprechend dargestellt werden.

Gabriele Heinen-Klajic

Anlass dafür gibt es seiner Darstellung nach genug: Herausragend sind für Kroemer vor allem die „extremene Zusammenarbeit zwischen Grundlagenforschung außeruniversitärer Einrichtungen wie Max-Planck-Institute und UMG“ mit dem Zielder schnellen klinischen Umsetzung. Zum Teil einzigartige Vorzeigebereiche seien auch das Herzzentrum und der Bereich Neurowissenschaften.

Deutlicher in der Beurteilung des UMG-Organsskandals wird Wissenschaftsministerin Dr. Gabriele Heinen-Klajic (Grüne): „Diese Meldungen und natürlich umso mehr die dahinter stehenden Machenschaften sind eine Katastrophe.“ Für den Umgang und die Bewältigung mit der Krise zollte die Ministerin den drei UMG-Vorstandsspitzen ein Lob: Der Vorstand habe sich der Herkulesaufgabe mit aller Kraft angenommen und ein exzellentes Krisenmanagement betrieben.

„Sie haben es durch gezielte Maßnahmen geschafft, dass die UMG ihre Glaubwürdigkeit wiedererlangt hat.“ Dennoch sei das Thema nicht ausgestanden. Ministerin Heinen-Klajic denkt auch an die Betroffenen und Spendenwilligen: „Bundesweit muss noch einiges geschehen, um das Vertrauen in die Organspende wiederherzustellen.“

Heyo Kroemer legt Wert auf eine positive Darstellung „seiner“ UMG im Ganzen: Nach dem Lob für die Forschung fügt er an, dass die Krankenversorgung den größten Teil der Arbeitsplätze erzeugt. Protestierende fordern derweil mehr Mitarbeiter.

Benötigt werden sie, denn die Belegung der Klinik ist hoch: Zurzeit sind 83 Prozent der Betten belegt – eine Quote die für das ganze Jahr gilt. Gleichwohl fordert der Vorstand eine bessere Leistungsvergütung für die Uni-Medizin und als „dritte Finanzierungssäule, den Systemzuschlag durch den Bund“.

VonThomas Kopietz

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