„Wir hatten Glück im Unglück“

UMG-Vorstand Freytag über Ursachen und mögliche Folgen des Pumpenschadens

Sebastian Freytag
+
UMG-Vorstand: Dr. Sebastian Freytag.

Göttingen. Mehr als 120 Einsatzkräfte haben die Universitätsmedizin Göttingen (UMG) in der Nacht zu Freitag vor einem Chaos bewahrt. Sie verhinderten das Volllaufen der Technik im Untergeschoss und damit einen Totalausfall, der sogar eine Teil-Evakuierung nötig gemacht hätte.

„Unser Dank gilt allen Helfern, die hier hervorragende Arbeit geleistet und Schlimmeres verhindert haben“, sagte Vorstandsmitglied Dr. Sebastian Freytag. Im Gespräch mit unserer Zeitung sprach er am Freitagmorgen von einer „sehr kritischen Situation“, mit der der sofort einberufene UMG-Krisenstab ab 18 Uhr am Donnerstagabend umgehen musste. Man habe aber das sprichwörtliche Glück im Unglück gehabt.

Zum Unglück: Der Ausfall von vier Pumpen, die das Oberflächen- und das Schmutzwasser des Geländes und der Gebäude in Richtung Norden bergauf pumpen, sei ein „höchst unwahrscheinlicher Fall, den wir in keinem Krisenszenario hatten“. Er sei eingetreten, weil die Stahlplattenabschottung einer ausgefallenen Pumpe nicht funktionierte und dann die Sicherungen nach dem Wassereinbruch alle Pumpen vom Stromnetz genommen hatten. Zudem lief auch Wasser in das Überlaufbecken an der Westseite vor dem Bettenhaus I.

„Wir können von Glück sagen, dass die Hochleistungspumpen aus Hannover und Braunschweig verfügbar waren.“ Die Geräte waren bis vor wenigen Tagen noch im Elbe-Hochwassergebiet im Einsatz.

Im schlimmsten Fall hätte laut Freytag die gesamte Technik im Bereich Bettenhaus I überflutet werden können. Die Folge wäre ein Stromausfall für das komplette Klinikum gewesen – ein Horror-Szenario.

Für die Möglichkeit des Ausfalls der Intensivstation in Bettenhaus I, wurde vorsorglich bereits eine Not-Intensivstation eingerichtet. Auch eine Evakuierung des Gebäudes und der Stationen hatte der Krisenstab vorbereiten lassen. Und mit anderen Krankenhäusern hatte man bereits über mögliche Verlegungen von Patienten gesprochen. Dazu kam es aber glücklicherweise nicht. „Unsere Patienten waren nicht gefährdet“, bilanzierte Freytag nach einer schlaflosen Nacht.

Zum Entwässerungssystems der UMG stellt Freytag die Frage, warum beim Bau des Klinikums ein umständlicher Weg mittels Pumpwerk in Richtung Norden und über die Lutter in Weende gewählt und nicht die logische Lösung in Richtung Stadt, also bergab, angestrebt wurde? „Das hatte vermutlich Kostengründe.“

„Unsere Infrastruktur ist 40 Jahre alt, wird ständig aufwändig gewartet, aber das Risiko, das etwas Größeres ausfällt, steigt von Jahr zu Jahr“, sagte Freytag im HNA-Gespräch. Deshalb sei ein UMG-Neubau, der für etwa 800 Millionen Euro geplant ist, auch notwendig. „Eine Sanierung des Bestandes macht keinen Sinn.“

Von Thomas Kopietz

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.