Geld für HAWK-Forschungsprojekt

Wissenschaftler forschen zum Thema Dörfer als Wirtschaftsstandorte

Forschungsgeld: Yvonne Begemann, EU-Koordinatorin im niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur (Zweite von links) und Matthias Wunderling-Weilbier (hinten links) überreichten Projektleiter Prof. Ulrich Harteisen (vorne Zweiter von rechts), seinem Forscherteam und den Vertretern der drei teilnehmenden Gemeinden den Förderbescheid von 439.000 Euro. Foto: Schröter

Göttingen. Das Land fördert die Erforschung der Dörfer in Bezug auf deren Wirtschaftsentwicklung. Dort sollen wieder mehr Unternehmen angesiedelt werden können.

Göttingen. Wie kann das Dorf als Wirtschaftsstandort wieder in den Blick gerückt werden? Dieser Frage geht ein Wissenschaftlerteam der Fakultät Ressourcenmanagement der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) in Göttingen nach.

Am Freitag gab es Geld für das Forschungsprojekt: 439.000 Euro fließen vom Land. „Nicht das Dorf hat sich verändert, sondern die Gesellschaft“, sagt Projektleiter Prof. Ulrich Harteisen. Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts seien Dörfer demnach für ihre Bewohner nicht nur Lebensraum, sondern häufig auch Arbeitsort gewesen. „Diese räumliche Einheit von Wohnen und Arbeiten besteht schon lange nicht mehr“, so Harteisen.

Viele der Arbeitsplätze in der Land- und Forstwirtschaft, dem Handwerk und auch im dorftypischen Dienstleistungsbereich seien durch grundlegende wirtschaftliche und gesellschaftliche Veränderungsprozesse verloren gegangen. „Mit dem Megatrend Digitalisierung wird sich das Arbeitsleben vermutlich erneut grundlegend ändern“, sagt Harteisen. „Dadurch könnte eventuell der Arbeitsprozess zunehmend von Raum und Zeit entkoppelt werden.“

Ein entscheidender Faktor werde sein, die Digitalisierung optimal zu nutzen und damit beispielsweise unveränderliche Standortnachteile zu kompensieren. „Eine Rückverlegung von Wirtschaft und Arbeit in ländliche Räume scheint vor diesem Hintergrund möglich“, so Harteisen.

Genau das soll mit dem auf drei Jahre angelegten und im Rahmen des Südniedersachsenprogramms vom Land und der EU geförderten Forschungsvorhaben „Perspektiven für den Wirtschaftsstandort Dorf“ (WiStaDo) nun belegt werden.

Dazu ist die HAWK eine Kooperation mit den südniedersächsischen Gemeinden Bovenden (Landkreis Göttingen), Katlenburg-Lindau (Landkreis Northeim) und Bevern (Landkreis Holzminden) eingegangen. In 20 Dörfern sollen zunächst die noch vorhandenen Wirtschaftsstrukturen vollständig erfasst werden. Anschließend werden die Rahmenbedingungen analysiert, wobei der Fokus auf Entwicklungshemmnisse und Entwicklungsvorteile gerichtet werden soll.

„Am Ende sollen dann aus den gewonnenen Erkenntnissen konkrete Strategien und Handlungsempfehlungen für die Entwicklung des Wirtschaftsstandortes Dorf in Bezug auf die betrachteten Gemeinde abgeleitet werden“, hoffen Harteisen und seine Mitstreiter, dass diese Strategien auch auf anderen Regionen und Gemeinden übertragbar sein werden. (per)

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