Beobachtungen aus der Landeshauptstadt

Die Woche in Hannover: Landtagsbaustelle, Fuchs Trittin und vergessene Gewerkschaften

Peter Mlodoch

Hannover. Unser Korrespondent in der Landeshauptstadt, Peter Mlodoch, schildert seine Beobachtungen aus einer Woche Hannover.

Es klang dramatisch. Die in der Plenumswoche vorgesehene Besichtigung der Landtagsbaustelle durch die Abgeordneten müsse leider ausfallen, erklärte Landtagspräsident Bernd Busemann (CDU) im Hohen Haus. Pannen? Schäden? Gerät der ehrgeizige Zeitplan mit Fertigstellung noch vor der Landtagswahl im Januar etwa in Gefahr? „Umfangreiche Materialanlieferungen“ und die „Sicherung notwendiger Abläufe“ seien der Grund, beruhigte Busemann die aufgeschreckten Zuhörer. Man müsse sich keinesfalls Sorgen machen, im Gegenteil: „Es erhöht sich die Wahrscheinlichkeit dramatisch, dass Sie alle noch in diesem Jahr in den neuen Plenarsaal kommen.“

Gewerkschaften vergessen

Hat sie? Hat sie nicht? Die Begrüßungsansprache von SPD-Fraktionschefin Johanne Modder auf dem Sommerfest der Landtagstruppe sorgte für reichlich Wirbel. Sie habe darin doch glatt die Gewerkschaften vergessen, maulten die Vertreter von Verdi, GEW und Niedersächsischem Beamtenbund (NBB) im Garten des Wilhelm-Busch-Museums in Hannover. „Quatsch“, konterte Modder irritiert.

„Das kommt davon, wenn Ihr alle nicht zuhört.“ Natürlich habe sie die Arbeitnehmerorganisationen eigens erwähnt. Landtagsvizepräsident Klaus-Peter Bachmann und andere Abgeordnete sprangen ihrer Vorsitzenden sofort bei und bestätigten deren Angaben. Verdi, GEW und NBB beharrten allerdings auf ihrer Version. Wie gut, dass die Zeugen nicht wirklich ernste Vorfällen zu bekunden hatten.

Trittin hat Vorrechte

Auf den Parteitagen der Grünen genießen Promis angeblich keine Vorrechte. Bei Debatten müssen Minister und wichtige Abgeordnete ihre Namen genauso wie die „normalen“ Mitglieder in die nach Frauen und Männern getrennten Lostrommeln einwerfen und hoffen, dass sie dann auch als Redner gezogen werden.

Komischerweise schafft es Ex-Bundesumweltminister Jürgen Trittin in seinem niedersächsischen Heimatverband immer wieder auf die Liste, insbesondere dann, wenn seine Einpeitscher-Qualitäten gefragt sind.

So geschehen auch vor einer Woche in Wolfenbüttel. Also doch Kungelei? Nicht unbedingt. Trittin hilft seinem Glück zumindest etwas nach. Der alte Fuchs, verriet ein Mitglied des Tagungspräsidiums, schreibe seinen Namen auf ein großes Din-A-4-Papier und falte dieses zwei Mal. „Das Ding ist größer und dicker als die Zettel der Konkurrenz, da greift man beim Ziehen automatisch zu.“

Unterschiedliche FDP-Vize

Die beiden Vizefraktionschefs der FDP pflegen im politischen Disput gern mal das aus TV-Krimi-Verhören bekannte Prinzip „Guter Bulle, böser Bulle“. Ex-Wirtschaftsminister Jörg Bode gibt sich dann provokativ und angriffslustig; der ehemalige Umweltressortchef und frühere Richter Stefan Birkner macht auf bedächtig und verständnisvoll. Dabei nehmen sie sich aber durchaus auch gegenseitig auf die Schippe. Als Birkner mit einem dicken Stapel Akten auftauchte, lästerte Bankkaufmann Bode etwas von überbordender Bürokratie.

„Ich habe mich eben gut vorbereitet“, erwiderte der Jurist mit einem vorwurfsvollen Unterton. Das reizte Bode noch mehr: „Na, dann wollen wir doch mal sehen, wer von uns besser rüber kommt. (ymp)

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