Studenten leben in Behelfsunterkunft

Wohnungsnot in Göttingen: Semesterstart auf dem Feldbett

Raus aus der Notunterkunft, rein in die eigene Wohnung: Nach vier Wochen Leben im Gemeinschaftsschlafraum mit Duschcontainer hält Wirtschaftsinformatik-Student Nils Hulthoff endlich den Mietvertrag für seine eigene Wohnung in Göttingen in den Händen. Fotos: Paul

Göttingen. Sie übernachten in Wohnwagen und Zelten, ziehen von Couch zu Couch, kommen zeitweise in Jugendherbergen oder Studentennotunterkünften unter. In Göttingen herrscht auch vier Wochen nach Semesterbeginn noch Wohnungsnot für Studierende.

Zumindest bei den Auswahlkriterien geräumig, uninah und bezahlbar. Nils Hulthoff hat seit vier Wochen in der ehemaligen Voigt-Schule sein Notquartier bezogen.

„Für fünf Euro pro Nacht ein Dach über dem Kopf und eine Dusche zu haben, ist super“, sagt der 19-jährige Erstsemester-Student. „Hier gibt es zwar keine Kochmöglichkeit, aber in der Jugendherberge bekäme ich auch nur Frühstück – und das für etwa 25 Euro pro Nacht.“

Natürlich habe er sich den Einstieg ins Uni-Leben anders vorgestellt, aber so gehe es übergangsweise auch. „Ich habe viele nette Leute in der Notunterkunft kennen gelernt, und unser Schicksal verbindet“, schildert der angehende Wirtschaftsinformatiker.

Dank einer Initiative des Studentenwerks in Zusammenarbeit mit der Stadt Göttingen steht Studierenden, die eine Wohnung zum Semesterstart suchen, seit dem 1. Oktober die Notunterkunft in der ehemaligen Göttinger Schule zur Verfügung (wir berichteten).

Ähnlich wie bei Lan-Partys oder Festivals wird auf Feldbetten geschlafen und in Duschcontainern für die Körperhygiene gesorgt. Allerdings werden die Notunterkünfte täglich gereinigt und ein Sicherheitsdienst sorgt dafür, dass nichts abhanden kommt, keine Drogen eingeschmuggelt oder Alkoholexzesse gefeiert werden.

„Tagsüber sind wir in der Uni , nachts können wir wie in einer eigenen Wohnung kommen und gehen, wie es uns passt“, erzählt Nils Hulthoff. Einziger Wehmutstropfen: das ehemalige Schulgebäude verfügt über keinen Internetzugang.

Casting-Marathon in WGs

Die Wohnungssuche müsse daher über Handy oder die Unirechner laufen. „Ich habe schon so ziemlich alles durch“, erzählt der 19-Jährige, der zum Studium vom Bodensee nach Göttingen kam. „In den WGs gibt es regelrechte Casting-Marathons mit mehreren Dutzend Bewerbern pro Zimmer. Und am Ende passt man doch nicht ins Konzept.“ Auf die hunderte von E-Mail-Anfragen für Besichtigungen bekomme man oft nicht einmal eine Antwort.

Doch nach vier Wochen Leben in der Studentennotunterkunft hat Hulthoff eine Wohnung gefunden – zum 24. November könne er einziehen. „Auch wenn die Wohnung eigentlich etwas zu teuer ist, sind es immerhin nur zehn bis 15 Minuten mit dem Fahrrad bis zur Uni.“

. Das Leben im „Massenlager“ sei der Orientierungsläufer aus Leidenschaft zwar gewohnt, aber „ in den eigenen vier Wänden ist es doch am schönsten“.

Von Jasmin Paul

Archivvideo: Studenten leben im Zeltlager

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