See als Ort für Erholung und Sport

HNA-Kommentar: "Verbot der Boote am Kiessee wäre ein schlechter Witz"

Thomas Kopietz, Redaktionsleiter der HNA Göttingen

In Göttingen wird die Änderung der Nutzungssatzung für den Kiessee diskutiert. Naturschützer wollen das Fahren von Drachen-Paddel-Booten verhindern. Dazu ein Kommentar von Thomas Kopietz.

Das ist ja nicht zu glauben! Ein per Muskelkraft angetriebenes Wasserfahrzeug – ein Drachenboot – soll nicht auf dem Göttinger Kiessee fahren dürfen, es würde die dort lebenden Tiere zu stark stören, monieren Kritiker und Naturschützer der besonderen Art.

Schauen wir zurück: Der Kiessee wurde auch als ein Naherholungsgebiet und Gewässer für die Sportnutzung konzipiert und aus zwei ehemaligen Kiesabbaugruben gebaut.

Seit Jahrzehnten wird das Gewässer am südlichen Stadtrand von Wassersportlern und weniger ambitionierten Tretboot-Freizeit-Erholungssuchenden genutzt. Tiere haben sich im und am Kiessee daran scheinbar wenig gestört, die Populationen sind gewachsen, an Artenreichtum mangelt es nicht. Ein Beispiel: Sogar Wasserschildkröten haben den See als Lebensort auserkoren. Auch an die Jubelrufe der Kanupolo-Spieler haben sich Vögel, Fische und Insekten längst gewöhnt.

Die Wassersportler und Kanuten nun als Umweltbanausen darzustellen, das ist eine Respektlosigkeit. Denn gerade sie sind dem Umweltschutz gegenüber generell aufgeschlossene Menschen. Die Wassersportler nehmen in besonderem Maße Rücksicht auf Flora und Fauna – auch am Göttinger Kiessee.

Nicht zu vergessen: Auf und am Wasser des Göttinger Naherholungsgebietes wird wichtige Bildungsarbeit geleistet, von Vereinen, Schulen und dem Stadtsportbund. Der See übernimmt eine wichtige Funktion als Lernort für die Vermittlung sozialer und sportlicher Kompetenzen. Hier erfahren Schüler auch, dass ein See und ein Boot einfache wie wirksame Mittel sein können, um dem Stress und der Hektik des Alltags entkommen zu können – und das alles in unmittelbarer Nähe zur Stadt. Göttingen ist mit Wasserflächen nicht reich gesegnet. Es gibt einige Teiche und Seen in der Umgebung, die Leine, Garte und den Leinekanal, der in der Stadt aber ein Schattendasein fristet, stadtplanerisch als Erholungslinie nur ungenügend eingebunden ist. Der Kiessee als Ort für Erholung und Sport ist daher umso wichtiger.

Kurzum: Die Änderung der Nutzungssatzung mit einer Konsequenz Verbot des Drachenbootes wäre ein Witz, ein schlechter Witz. Dazu, einen solchen zu erzählen, sollte sich die Stadt nicht herablassen. Also: Lasst den Kiessee für die Nutzer so wie er ist!

Kontakt zum Autor: tko@hna.de

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.