Weltweit einzigartiges wissenschaftliches Filmarchiv - 50 Arbeitsplätze bedroht

Zukunft des IWF unklar

Seit Jahren von Schließung bedroht: Das Institut Wissen und Medien in Göttingen hütet einzigartige Filmdokumente. Foto:  nh

Göttingen. Das Göttinger Institut Wissen und Medien gGmbH (IWF) beherbergt eine der weltweit größten Sammlungen an wissenschaftlichen Filmen.

Zu den besonderen Schätzen der Einrichtung gehören zahlreiche Filme der weltberühmten Verhaltensforscher Konrad Lorenz und Irenäus Eibl-Eibesfeldt sowie Aufnahmen mit den Nobelpreisträgern Otto Hahn und Werner Heisenberg. Die Zukunft dieser Kostbarkeiten ist allerdings ungewiss.

Ende 2007 ist die Bund-Länder-Förderung ausgelaufen, seitdem befindet sich das Institut in der Abwicklung. Diese soll bis Ende 2010 abgeschlossen sein. Zehn Monate vor Ablauf der Frist hat das Wissenschaftsministerium in Hannover jedoch noch keine Entscheidung getroffen, was mit den Filmen und den 50 Arbeitsplätzen geschehen soll.

Filme von Konrad Lorenz

Die Göttinger SPD-Landtagsabgeordnete Gabriele Andretta hat deshalb jetzt eine Anfrage im Landtag gestellt. „Die Zeit drängt, wir brauchen endlich eine Lösung“, sagt die wissenschaftspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion. Die Landesregierung habe zugesagt, die Bestände des Instituts zugänglich zu halten und die Medienkompetenz am Standort Göttingen zu erhalten. Jetzt müsse sie erklären, wie sie diese Zusage einlösen wolle.

Das Wissenschaftsministerium favorisiert bislang eine Angliederung an die Technische Informationsbibliothek Hannover (TIB). Diese hat ein Konzept erarbeitet, das unter anderem ein Medienzentrum am Standort Göttingen vorsieht. Inzwischen ist dieses Konzept auch geprüft worden. Die Ergebnisse lägen allerdings noch nicht vor, sagte Ministeriumssprecher Kurt Neubert.

Andretta will von der Landesregierung wissen, ob sie einen „Plan B“ hat, falls sich die Angliederung an die TIB nicht umsetzen lässt. Mögliche Alternativen seien eine Anbindung an die Universitätsbibliothek in Göttingen oder das Landesarchiv. Nach ihrer Ansicht muss auch deshalb schnell eine Entscheidung fallen, weil Ende April der Aufsichtsrat der IWF tagt. Sollte sich bis dahin keine Lösung gefunden haben, drohe das endgültige Aus für die 50 Arbeitsplätze.

Das 1956 gegründete IWF ist seit Jahren in seiner Existenz bedroht. Schon Mitte der 1990-er Jahre empfahl der Wissenschaftsrat, das Institut aus der Förderung durch Bund und Länder zu streichen. Das IWF legte daraufhin ein Umstrukturierungskonzept vor und bekam eine neue Chance. Obwohl Gutachter die Neuausrichtung als Mediendienstleister befürworteten, empfahl Ende 2005 der Senat der Leibniz Gemeinschaft, die Einrichtung nicht weiter zu fördern.

Von Heidi Niemann

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