1. Startseite
  2. Lokales
  3. Göttingen

Zwei Jahre Corona: So hat die Göttinger HNA-Redaktion die Pandemie erlebt

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Lea-Sophie Mollus, Thomas Kopietz, Melanie Zimmermann, Bernd Schlegel

Kommentare

 Kein Sport, kein Training möglich: Das galt zeitweise auch beim Göttinger Hochschulsport während der Pandemie.
Kein Sport, kein Training möglich: Das galt zeitweise auch beim Göttinger Hochschulsport während der Pandemie. © Thomas Kopietz

Genau vor zwei Jahren begann in der Region der erste Lockdown in der Coronakrise. In dieser Zeit hat die Göttinger HNA-Redaktion viel erlebt.

Göttingen - Wer bis dahin dachte, die Pandemie würde einen nicht berühren, dem wurde schlagartig bewusst, dass dieses Virus auch das Leben vor Ort massiv verändert. Plötzlich waren die meisten Läden geschlossen, die Theater dicht, die Cafés nicht geöffnet, die Vereine nicht mehr aktiv. Das öffentliche Leben stand auf einmal weitestgehend still. Von heute auf morgen war Homeoffice und Homeschooling angesagt, war Abstand das Gebot der Stunde und nicht Nähe. Seitdem ist viel Zeit vergangen, es gab viele Versuche, die Pandemie in den Griff zu bekommen oder zumindest mit ihr umzugehen. Hier schildern die Mitglieder der Göttinger HNA-Redaktion, wie sie die zwei Jahre mit Lockdowns und Öffnungen erlebt haben.

Redaktionsleiter Thomas Kopietz: Der Verlust der eigenen Lebenszeit

Corona. Dieses Wort kannte ich vor Jahresfrist 2020 nur von dem gleichnamigen Raclette-Gerät. Bis heute habe ich das Wort nun so oft wie seitdem kein anderes ausgesprochen. Und alles, was damit zusammenhängt, hat mich geprägt – vermutlich nachhaltig. Zunächst – so dachte ich an Silvester 2019/2020 – würde sich dieses seltsame Corona-Virus wohl nicht von China aus auf den Weg zu uns nach Europa machen. Es war aber schon da. Und der Schock saß schnell ganz tief, nach den Bilden sterbender und toter Menschen in Bergamo. So wuchs die Angst, auch, weil Verwandte dort in der Nähe leben. Es zunächst keinen Schutz vor dem Virus gab.

Dann Lockdown 1: Die Freiheit ist weg, beschränkt sich auf zu Hause arbeiten, zu Hause bleiben – raus nur zum Einkauf, wo Klopapier knapp ist („Die spinnen, die Deutschen!“). Kein Shoppen, stattdessen bestellen. Die Ware an der Haustür in Empfang nehmen, auf Abstand zum Boten.

Redaktionsleiter Thomas Kopietz: Verlust der eigenen Lebenszeit
Redaktionsleiter Thomas Kopietz: Verlust der eigenen Lebenszeit © Privat/nh

Abstand. Noch so ein bis dahin von mir total unterschätztes Wort. Ich lebte in und die Nähe zu anderen Menschen. Die Freiheit ist weg. Das kannte ich höchstens von einer absurden Grenze in Deutschland, die ich schon als Kind nie verstand. Nun: Abstand, keine Umarmungen zur Begrüßung, nicht einmal ein Handschlag.

Dann Lockerungen. „Locker bleiben“, ein Lieblingsspruch seit meiner Jugend, kommt mir nur noch verkrampft über die Lippen. Wieder Einkaufen gehen, ebenso in Veranstaltungen – nur mit MASKE! – wie die Asiaten, die ich auf Weltreisen (vor Corona) traf und mich über sie amüsierte.

Reisen, Urlaub. Das Darübersprechen, die Vorfreude. Alles weg 2020. Nur nicht zu viel erwarten, zu große Erwartungen schüren – denn die Enttäuschung kommt bestimmt, verursacht von notwendigen neuen Corona-Regeln. Es gilt, zu lernen, Enttäuschungen wegzustecken.

Corona verfolgt mich vom Aufstehen bis zum Einschlafen. Ja, ich hatte auch Angst, davor, selbst zu erkranken, noch mehr aber davor, dass es Familienmitglieder trifft, die alten, die gesundheitlich sensiblen. „Bleib vorsichtig!“ rede ich mir mantraartig ein. Manchmal vergesse ich die mittlerweile vom bunten Stoffding zur wirksamen FFP-2 gewordene Maske aufzuziehen, dann erschrecke ich.

Feiern gibt es auch nicht mehr. Zum Glück aber die Abi-Feier 2021 meiner Tochter, draußen. Immerhin. Wie mussten die Jungen leiden! „Ich fühle, dass ich eine wertvolle Zeit meines Lebens verliere“, sagt sie einmal. Familientreffen finden am Bildschirm per Zoom oder Teams statt – zwei wichtige Begriffe, die Nähe schaffen in Zeiten des Abstandes.

Abschalten von Corona. Das fällt schwer. Leicht nur am Abend, wenn es in jeder TV-Talk-Runde um „das“ Thema geht. Beruflich ist es für mich immer da: Zahlen melden, Hintergründe und neue Entwicklungen liefern, mit Spitzenforschern sprechen, sich in eine unbekannte Materie hineinarbeiten, erklären. Ich entwickle Respekt: vor Medizinern, Politikern, Forschern, Lehrern, besonders Pflegern, und Menschen, die alles geben, damit es weitergeht, das Leben. Dann kommt mit der Impfung die Hoffnung auf das Ende der Pandemie. Aber das kleine, fiese Virus treibt den Menschen vor sich her, bringt dessen von ihm scheinbar kontrollierte Welt aus den Fugen. Das Wissen darum macht demütig. Corona hat meinen Blick auf das wirklich Wichtige geschärft wie Familie, Freunde, Gesundheit, Treffen von Menschen, Sport. Das bleibt. Ein Leben lang. Wie das Wort Corona.

Bildergalerie: Impressionen vom Lockdown in Göttingen

Redakteur Bernd Schlegel: Ideen fürs Office

Zwei Jahre Corona – bei HNA-Redakteur Bernd Schlegel (54) waren Ideen gefragt, damit das Homeoffice zum Erfolg werden konnte.

Noch vor der ersten Infektionswelle im März war Glück dabei: Während der Rest-Urlaubstage im Februar 2020, also kurz vor dem ersten Lockdown, war ein Laser-Drucker der guten Mittelklasse zum Schnäppchen-Preis bei einem Discountmarkt im Angebot. Der Kauf erwies sich als goldrichtig: Damit können alle wichtigen Dokumente und auch Zeitungsseiten ausgedruckt werden. Schon wenige Wochen später war das beliebte Modell bei allen gängigen Lieferanten ausverkauft.

Videokonferenz im Homeoffice: HNA-Redakteur Bernd Schlegel nutzte auch den heimischen Esstisch, um an virtuellen Besprechungen teilzunehmen.
Videokonferenz im Homeoffice: HNA-Redakteur Bernd Schlegel nutzte auch den heimischen Esstisch, um an virtuellen Besprechungen teilzunehmen. © Privat/nh

Als Glücksgriff erwies sich auch die technische Ausstattung der Wohnung: In allen Räumen gibt es Steckdosen – für schnelles Internet per Netzwerkkabel. Außerdem liegt das Homeoffice nur 20 Meter von einem Internet-Zugangspunkt der Telekom mit Glasfaserverbindung entfernt.

Deshalb steht bis heute die Internet-Verbindung zur HNA-Zentralredaktion in Kassel mit einer erstaunlichen Stabilität – von der andere Kollegen zum Teil nur träumen können. Die Internetgeschwindigkeit daheim ist zudem übrigens deutlich schneller als in den Redaktionsräumen am Maschmühlenweg.

Inzwischen wurde die Ausstattung für das Homeoffice noch einmal deutlich verfeinert: Nach einer langen Suche und einem Lieferengpass kam ein neuer Bürostuhl ins Haus, der eine konzentrierte Arbeit bei bequemer Sitzhaltung über mehrere Stunden ermöglicht.

Außerdem hat der Schreibtisch große Computerbildschirme bekommen, die an das Firmenlaptop angekoppelt werden können. Eine zusätzliche externe Tastatur und eine Computermaus komplettierten die Anschaffungen.

Das Homeoffice bot aber auch durchaus Änderungen für das Familienleben. Da meine Frau, die normalerweise außerhalb arbeitet, ebenfalls daheim tätig war, gab es gemeinsame Mittagessen nicht nur am Wochenende, sondern zeitweise sogar täglich. Es gab also mehr gemeinsame Zeit.

Glücklicherweise ist bis heute niemand aus der Familie und der Verwandtschaft an Corona erkrankt. Dafür bin ich dankbar. (Bernd Schlegel)

Redakteurin Melanie Zimmermann: Einsame Elternzeit

Mutter werden in Zeiten einer Pandemie – das hatte sich HNA-Redakteurin Melanie Zimmermann so auch niemals träumen lassen. Ihre Tochter war 20 Tage alt, als die Bundesregierung am 22. März 2020 den ersten Lockdown verhängt.

Damit wurden vor allem die ersten zwölf Monate als Mama und die Elternzeit zu einer sehr einsamen und mitunter auch herausfordernden Angelegenheit.

HNA-Redakteurin Melanie Zimmermann.
HNA-Redakteurin Melanie Zimmermann. © Privat/mzi

Während die berühmte Babyblase die ersten Wochen dafür sorgte, dass der ganze Pandemie-Trubel mehr oder weniger an einem abprallte – ausverkauftes Toilettenpapier und Mehl sorgten höchstens für verständnisloses Kopfschütteln –, wirkten sich nach und nach vor allem die strikten Kontaktbeschränkungen auf das Leben im Alltag aus. In ihrer romantischen Vorstellung saß die HNA-Redakteurin mit ihren Freundinnen und ihrer kleinen Tochter in Cafés, besuchte Krabbelgruppen und hatte regelmäßig jemanden von der Familie zu Besuch, der sich mit großer Freude gern auch mal ein, zwei Stunden alleine um den Nachwuchs kümmern wollte.

Stattdessen: keine Baby- und Rückbildungskurse und auch keine Treffen mit Freunden und Familie. Video-Anrufe ersetzten ab sofort regelmäßige Treffen, Spaziergänge mutierten zu den täglichen Highlights des Tages. Persönliche Treffen wurden schmerzlich vermisst.

Doch nicht alles war schlecht während dieser Pandemie: eine Tauffeier im engsten Familien- und Freundeskreis, der erste Familienurlaub zu dritt und der Übergang vom Baby zum Krippen-Kind – all das waren tolle, spannende Momente und Meilensteine, die auch während der Pandemie genossen werden konnten. Nur eben etwas anders.

Dass es mal eine Zeit gab, in der Erwachsene ohne Masken in Läden und Geschäften einkaufen gingen, das muss ihre Tochter erst noch lernen. Für sie gehören Masken zur Normalität. Aber mit jedem Jahr, das sie älter wird, wird die Kleine verstehen, in was für einer besonderen Zeit sie geboren wurde. Und irgendwann kann man über Masken-Fotos vielleicht sogar wieder lachen... (Melanie Zimmermann)

Volontärin Lea-Sophie Mollus: Job und Jogginghose

Die Sonne strahlt, die Temperaturen steigen. Schnell die Freunde zusammentrommeln und nichts wie raus: Grillen, chillen, Kasten killen. Nicht aber im Frühjahr 2020. Rausgehen? Kein Problem. Allerdings nur allein oder maximal zu zweit. Dann trifft man sich halt zum Spazierengehen. Dass das aber zum Highlight im Leben einer Anfang 20-Jährigen wird, hätte wohl keiner gedacht.

Dass Shopping weit oben auf der Liste der Hobbys steht, ist nicht überraschend. Dass es sich dabei aber um Lebensmittel handelt, dagegen schon. Um mal unter Menschen zu kommen, ist der Gang durch den Supermarkt nämlich die einzige Möglichkeit. Ansonsten spielt sich das Leben zuhause ab. Immerhin ist der Partner da, dann ist es nicht allzu öde. Zu früh gefreut, wenn einem nach sechs Jahren Beziehung plötzlich einfällt, lieber getrennte Wege gehen zu wollen. Eine Nebenwirkung des Lockdowns? Vielleicht.

HNA-Volontärin Lea-Sophie Mollusn
HNA-Volontärin Lea-Sophie Mollus © privat/nh

So ist der Kopf wenigstens frei für den anstehenden Abschluss des Studiums. Gespräche mit Dozenten finden digital statt. Verkraftbar, da die fertige Arbeit statt als Buch gebunden nun lediglich als PDF geschickt werden muss. Auch Treffen mit Freundinnen werden kurzerhand auf Skype verlegt. Dafür braucht man nicht einmal ein schickes Outfit. Obwohl der Kleiderschrank so einiges hergeben würde, seit die Online-Bestellungen im Stundentakt eintrudeln. Was soll man auch sonst mit der vielen Zeit zuhause anfangen, als im Netz nach der zehnten Jogginghose zu jagen? Die ist spätestens in diesem Jahr zum absoluten Allrounder geworden und wird nur bei Notfällen ausgezogen – zum Beispiel zum Vorstellungsgespräch. Auch das noch, neben Corona, Trennung und Studium. Immerhin kann man sich das lästige Händeschütteln sparen. Auch der Start in den neuen Job verläuft auf Abstand. Als plötzlich eine fremde Gestalt im Büro auftaucht, kommt erst einmal Verwirrung auf: Es ist einer der Kollegen, die im Homeoffice saßen.

Das turbulente Jahr geht zu Ende. Da sollte man es doch mit einem fetten Knall verabschieden. Pustekuchen. Statt einer Silvesterparty gibt’s Kartenspiele mit den Eltern. Aber auch das hat sein Positives, besinnt man sich so doch auf die wichtigen Dinge. (Lea-Sophie Mollus)

Auch interessant

Kommentare