Aktionsgruppe hat sich gebildet

Laubach fordert mehr Schutz gegen Lärm von der A7

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Die Aktionsgruppe: Laubach nimmt den Kampf gegen von der Autobahn A 7 ausgehenden Lärmteppich auf, die Aktionsgruppe mit Ortsbürgermeister Christian Menz (ganz links) professionalisiert sich und hat die Aufgaben auf mehrere Schultern verteilt.

Der Kampf in Laubach um den Schutz vor dem dauerhaften Lärmteppich der A7 bekommt eine professionelle Struktur.

„30 Jahre nach dem Planfeststellungsverfahren haben wir Anspruch auf Nachbesserung“, sagte Ortsbürgermeister Christian. 

14 Einwohnern wollen sich aktiv für mehr Ruhe im Ort einsetzen. Die Aktionsgruppe rechnet sich gute Chancen aus, auch wenn es auf den Klageweg hinauslaufen sollte. Dabei stützt sie sich nach den Worten des Ortsbürgermeisters auf mehrere Punkte: Der Verkehr ist seit dem mehr als drei Jahrzehnten zurückliegenden Verfahren wesentlich massiver angestiegen, als damals prognostiziert worden war. Offenbar wurde bei der damaligen Verkehrsprognose nur der Zeitraum zwischen den Jahren 1988 und 2000 betrachtet. „Dieser Zeitraum ist viel zu kurz“, sagt der Ortsbürgermeister. 

Fachanwalt wurde zurate gezogen

Er stützt sich dabei auf die Einschätzung eines inzwischen zurate gezogenen Frankfurter Fachanwalts für Verwaltungsrecht, dessen Spezialgebiet Auseinandersetzungen dieser Art sind. Wie sich jetzt zudem herausgestellt hat, liegen bestimmte Unterlagen aus den Planungszeiten vor über drei Jahrzehnten bei den Behörden nicht mehr vor. In der Hann. Mündender Stadtverwaltung beispielsweise gebe es nur noch wenige Aktenordner: Im Wesentlichen enthielten sie – spitz gesagt – alte Bewirtungsrechnungen. 

Weitere Punkte, die zu einer Steigerung des Lärms geführt haben, sind zudem der inzwischen erfolgte Austausch des Flüsterasphalts gegen einen aufgerauten Belag sowie neue Fahrbahnmarkierungen, die beim Überfahren Pfeifgeräusche erzeugen, um die Verkehrssicherheit zu erhöhen. Außerdem ist die Schallschutzwand an der Autobahn zu kurz und ein inzwischen stark gelichteter Waldabschnitt zwischen Autobahn und Ortslage lässt mehr Lärm durch. 

Der Lärmpegel steigt in Laubach, dazu trägt auch ein bundesdeutscher Spitzenwert bei: Die Autofahrer hielten sich nicht an die Geschwindigkeitsbegrenzungen. Wenn aber die Fahrzeuge schneller fahren, sind sie auch lauter. Wenn man die Zahl von 152.000 geblitzten Fahrzeugen im Jahr 2016 zugrunde legt, heißt dies, dass alle 3,5 Minuten ein Fahrzeug das Tempolimit überschreitet.

Um einen besseren aktiven Lärmschutz von Laubach gegenüber der Autobahn A7 zu erreichen, hat die Aktionsgruppe jetzt die Arbeit gegen den von der Autobahn A7 ausgehenden Lärmteppich auf mehrere Schultern verteilt. Ortsbürgermeister Christian Menz: „Es reicht nicht, dass die Leute unser Vorgehen gegen Lärm gut finden. Wir müssen fachlich mitreden können.“ Notfalls will es die Aktionsgruppe auf eine Klage – gegebenenfalls auch auf eine neuerdings zulässige Sammelklage – ankommen lassen.

Arbeit wurde organisiert

Um die erforderliche Professionalisierung zu erreichen, wurde die Arbeit organisiert. Menz wird sich um die politische Schiene und die Öffentlichkeitsarbeit kümmern. Außerdem hat er bereits in der Cloud eine elektronische Aktensammlung eingerichtet, in der alle Arbeitsergebnisse erfasst werden können.

Mit Fragen rund um einen möglichen Musterprozess wird sich Torsten Roß auseinandersetzen. Er hat bereits einen Verwaltungsjuristen beauftragt. Alles, was mit Emissionen und den damit zusammenhängenden Gesetzen zu tun hat, liegt in den Händen von Benjamin Sckopp. Internetrecherchen betreut Reiner Lotze, und Lärm-Belastungsmessungen wollen Anna Strack, Christian Börker und Markus Bete vornehmen. Dies ist ein wichtiger Punkt, weil nach den Worten von Menz die Lärmbelastung in den Genehmigungsverfahren berechnet und nicht gemessen wird. Die berechneten Werte können sich von den tatsächlichen beträchtlich unterscheiden.

Laubach kämpft gegen den Lärm. 

Um Aktionen zu veranstalten und um möglicherweise den Klageweg beschreiten zu können, sollen Gelder eingeworben werden. Diese Aufgabe übernimmt Micha Handke. Zunächst plant die Aktionsgruppe, gegen die von der Autobahn ausgehenden Belastungen vorzugehen. Dabei soll auch der Kontakt zu Organisationen wie dem BUND gesucht werden. Allerdings wartet noch eine zweite „Baustelle“ auf Laubach. Denn die an der Werra entlangführenden Eisenbahnlinie soll in den kommenden Jahren soweit ausgebaut werden, dass es möglich sein soll, dass Güterzüge alle acht Minuten in Ost-West-Richtung beziehungsweise umgekehrt fahren können, um die Strecke von Berlin über Hannover ins Ruhrgebiet zu entlasten.

Problem ist, so Torsten Roß, dass die beiden Lärmquellen nicht addiert werden dürfen: Jede muss nach dem Gesetz für sich betrachtet werden. Gegen den Bahnlärm kämpft auf juristischem Weg bereits seit fast einem Jahrzehnt der Betreiber des Flux Biohotels im Ort, Jörg Treichel, verlautete in dem Treffen.

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