Millionen für den Müll

Abfallbehandlungsanlage in Deiderode wird modernisiert

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Die drei Fermenter in Deiderode sollen bis 2021 abgerissen werden und Platz für neuen Trockenvergärungsanlagen machen. 

Landkreis Göttingen - Der Abfallzweckverband Südniedersachsen plant, seine Mechanisch-Biologische Abfallbehandlungsanlage (MBA) in Deiderode mit einem Kostenaufwand von 15,4 Millionen Euro zu modernisieren. In dem Friedländer Ortsteil wird der Müll aus dem Landkreis Göttingen, einschließlich des Altkreises Münden, dem Landkreis Northeim und der Stadt Göttingen vor der endgültigen Deponierung aufbereitet, und aus dem dabei entstehenden Gas Strom und Wärme gewonnen.

Im Fokus der Planer steht der biologische Teil der Aufbereitungsanlage. In ihm soll die sogenannte Nassvergärung auf ein Trockenvergärungsverfahren umgestellt werden. Die Arbeiten sollen bis Mitte 2021 abgeschlossen sein, erklärte der Geschäftsführer des Abfallzweckverbandes, Markus Rybarczyk, vor dem Umweltausschuss des Landkreises Göttingen. Der Geschäftsführer sagte, notwendig werde die Maßnahme, weil der biologische Teil der Anlage mit seinen drei weithin sichtbaren, mietshaushaushohen Fermentern demnächst das Ende seiner Nutzungsdauer erreicht haben werde. Nach Darstellung des Geschäftsführers werde mit dieser Weiterentwicklung ein stabiles, einfaches Verfahren mit geringeren Betriebskosten gegenüber der aufwendigen Nassvergärung eingeführt. Außerdem werde die Abwassermenge, die in der Sickerwasser-Kläranlage vorbehandelt wird, deutlich reduziert. Rybarczyk erwartet dadurch langfristig eine Stabilisierung der Gesamtbehandlungskosten. Ziel ist, die Kosten und damit die Müllgebühren für die Bürger in Südniedersachsen stabil zu halten. Darüber hinaus würden die Entsorgungskosten für die energetische Verwertung reduziert, und anstehende Ersatzinvestitionen für bestimmte Anlagenteile seien nicht mehr erforderlich. Wenn es zum Bau kommt, soll die rund 29 000 Tonnen anfallende, sogenannte Feinfrakion des Abfalls vorübergehend fremd entsorgt werden

 Auch wenn die Umstellung des Gärverfahrens bei der Mechanisch-Biologischen Abfallbehandlungsanlage (MBA) von nass auf trocken nicht erfolgen würde, müsste investiert werden, macht der Geschäftsführer des Abfallzweckverbandes Südniedersachsen, Markus Rybarczyk, deutlich.

Denn die Duldung der Nutzung eines Reservebehälters für die Aufbereitung sowie des so genannten Prozesswasserspeichers endet am 31. März des Jahres. Dafür müssten rund 400 000 Euro investiert werden. Außerdem wären rund 3,5 Millionen Euro für die Erneuerung der Anlagen fällig, die inzwischen abgenutzt sind.

Angestrebt wird durch die mit 15,4 Millionen veranschlagte Modernisierung eine Sicherung der Abfallaufbereitung in Deiderode bis zum Jahr 2043. Derzeit ist noch eine Kündigung der Zusammenarbeit der beteiligten Landkreise und der Stadt Göttingen zum Ende des Jahres 2030 möglich.

Für die Trockenvergärung sollen die mietshaushohen Fermenter abgerissen werden. Sie sollen durch sieben 33 Meter lange Tunnel für die Trockenvergärung und acht 28 Meter lange Tunnel für die Rotte ersetzt werden. Außerdem entstehen Nebenanlagen. Die Modernisierung bezeichnet der Abfallzweckverband auch als Beitrag für den Klimaschutz.

Das Herzstück des alten, nach wie vor genutzten biologischen Aufbereitungsteils mit seinen drei Fermentern mit einem Fassungsvermögen von jeweils 4800 Kubikmetern war Anfang 2006 bundesweit in die Schlagzeilen geraten, als zwei von ihnen platzten. Durch die dadurch verursachte Flutwelle von Gärresten und Wasser wurde ein Schaden von mehr als zehn Millionen Euro verursacht. Der dritte Fermenter wurde dabei um rund zehn Meter verschoben. Er zerbarst offenbar nur nicht, weil er zu diesem Zeitpunkt leer war. Nur weil das Unglück am Samstagmorgen geschah und niemand auf dem Gelände war, kam es zu keinem Personenschaden. Heute erinnert noch eine kleine Gedenkstätte mit Metallteilen der Fermenter an dieses Unglück. Die verbogenen Stahlplatten lassen heute noch erahnen, welche Urgewalten damals frei gesetzt worden sind.

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