Sozialaktion in Hann. Münden

Aktion 72 Stunden: Jugendliche lernten, mit Hartz-4 auszukommen

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Kinder- und Jugendliche machten mit bei der 72-Stunden Aktion der katholischen Kirche und lernten unter anderem, umweltschonend und preisgünstig einzukaufen. 

Mit einem geringen Einkommen auch noch umweltfreundlich leben und Plastik vermeiden? Wie schwer das tatsächlich ist, haben Kinder und Jugendliche bei der Sozialaktion "72 Stunden" in Hann. Münden erlebt. 

Der Verpflegungssatz im Hartz-4-Regelbedarf beträgt 4,85 Euro für Erwachsene und Jugendliche ab 15 Jahren, für Kinder sind es drei Euro pro Tag. Wie es ist, mit diesem Geld auskommen zu müssen, lernten jetzt Kinder und Jugendliche in Hann. Münden. Sie alle waren Teilnehmer der 72-Stunden-Aktion, einer bundesweiten Sozialaktion der Deutschen Katholischen Jugend. Deren Ziel ist es, durch verschieden Projekte „Die Welt ein Stückchen besser zu machen“, wie es in der Aktions-Beschreibung heißt. 

Kinder ab 9 Jahren 

Am Donnerstag erfuhren die Kinder und Jugendlichen ab neun Jahren nach einem Gottesdienst, welche Aufgaben und Projekte sie in den kommenden 72 Stunden erwarteten. Sie durften selbst aussuchen, woran sie teilnehmen wollten. Morgens gab es immer eine kurze Andacht und ein Begrüßungslied, am Abend wurde gemeinsam der Tag reflektiert.

Am Freitag ging es für eine Gruppe in den katholischen Kindergarten, und die Jugendlichen leisteten dort einige Verschönerungsarbeiten. Das Piratenschiff auf dem Spielplatz und die Gartenmöbel wurden geschrubbt, Unkraut gezupft und der Hof gefegt. Zwei weitere Gruppen besuchten Seniorenheime, gingen mit den Bewohnern spazieren, lasen den Senioren vor und machten gemeinsam Motorikspiele.

Kaum möglich, auf Plastikmüll zu verzichten

Auch die Themen Umwelt und Müllvermeidung gehörten zur Aktion. Denn am Samstagmorgen gingen alle Jugendlichen zusammen einkaufen. Zur Verfügung stand ihnen dabei pro Kopf eine Summe, die dem aktuellen Verpflegungssatz im Hartz-4-Regelbedarf entspricht. Die Jugendlichen sollten für das Geld für ein gemeinsames Frühstück, Mittagessen und Kaffeetrinken einkaufen und dabei auf Umweltfreundlichkeit und Qualität achten. Dass dies gar nicht so einfach ist, merkten die Jungen und Mädchen schnell. „Obwohl wir uns bemüht haben, konnten wir nicht wirklich auf Plastikmüll verzichten“, stellte Julia fest. Manche Lebensmittel auf der Liste gab es nur in Plastikverpackungen.

Einschränkung kennen die meisten nicht 

„Wir mussten außerdem viele No-Name-Produkte kaufen, um regionale und qualitativ hochwertige Lebensmittel auf dem Wochenmarkt einzukaufen, dafür reichte das Geld kaum“, stellte Linda fest. Außerdem mussten die Jugendlichen bei jedem Teil, das sie in den Einkaufswagen legten, genau mitrechnen. „Um uns hinterher noch etwas Schönes zu kaufen, das nicht auf der Einkaufsliste stand, war kein Geld da“, so Bianca. Sich in diesem Maße einschränken zu müssen war für viele Jugendliche neu.

Auf dem Weg in die Stadt und zurück zur Kirche sammelten die Jugendlichen außerdem Müll ein, den sie auf der Straße und im Park fanden, um etwas für den Umweltschutz zu tun. Während eine Gruppe am Samstag einkaufte, fragte eine Gruppe außerdem Passanten nach ihren Lieblingsorten in der Stadt. Als besonders beliebt stellten sich die Weserliedanlage und der Weserstein heraus. Mittags wurde gemeinsam gekocht, es gab Pizzaschnecken, Spaghetti und Obstsalat.

Den Sonntag nutzten die Jugendlichen, um die Besucher nach dem Gottesdienst mit Waffeln und Kaffee zu bewirten, und baten alle, die ihre Stimme noch nicht abgegeben hatten, auf dem Heimweg im Wahllokal vorbei zu gehen.

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