Seniorenheim in Spiekershausen

Für alle eine Ausnahmesituation - Alltag im Altenheim in Krisenzeiten

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In vielen Altenheimen gilt derzeit Besuchsverbot zum Schutz der Bewohner, wie hier in der Seniorenwohnanlage Dransfeld.

Das Coronavirus greift immer weiter um sich. Im Landkreis Göttingen sind auch die ersten Altenheime betroffen. Eine absolute Ausnahmesituation für alle Beteiligten.

Spiekershausen – Das Coronavirus greift trotz der verschärften Kontakteinschränkungen auch im Landkreis Göttingen-Osterode immer weiter um sich. In Göttingen, Herzberg und Holzerode sind jetzt auch die ersten Seniorenwohnheime betroffen. Über die aktuelle Situation, getroffene Vorsichtsmaßnahmen und die Belastung für Bewohner und Pflegekräfte sprachen wir mit Marco Mander von der Geschäftsführung des Seniorenheims Landhaus Fuldablick in Spiekershausen.

Gab es in Ihrem Haus schon Verdachtsfälle und wurden Mitarbeiter oder Bewohner bereits auf eine Corona-Infektion getestet?

Nein, bei uns gab es noch keine Verdachtsfälle. Und wir tun alles dafür, dass das auch so bleibt!

Welche Vorsichtsmaßnahmen haben Sie getroffen?

Seit dem 13. März haben wir eine absolute Besuchersperre. Selbst Hausärzte lassen wir nur dann zu unseren Bewohnern, wenn es absolut nötig ist. Darüber hinaus haben wir unsere Hygiene- und Desinfektionsmaßnahmen verstärkt. Neben der Händedesinfektion haben wir unter anderem an den Eingangstüren Fußmatten mit Desinfektionsmittel ausgelegt. Weil es keinen Mundschutz mehr zu kaufen gibt, lassen wir uns jetzt für unsere Pflegekräfte welche nähen, die dann in unserer eigenen Wäscherei gereinigt werden.

Wie ist die allgemeine Situation in Ihrem Seniorenheim?

Das ist natürlich eine absolute Ausnahmesituation für alle Beteiligten. Allerdings muss man sagen, dass die meisten Angehörigen sich sehr vorbildlich an die Kontaktsperre halten und das hier alles ziemlich harmonisch abläuft.

Wie hoch ist die psychische Belastung aktuell für die Pflegekräfte?

Enorm hoch! Man hat immer das Gefühl, die Umstände in puncto Hygiene weiter optimieren zu müssen. Aber da sind einem die Hände gebunden, weil es die meisten Hygieneartikel gar nicht mehr zu kaufen gibt oder man mehrere Wochen darauf warten muss. Man würde gerne noch mehr machen, kann es aber nicht. Und das ist meiner Meinung nach geradezu skandalös!

Verstehen alle Bewohner, was gerade passiert und wie kommen sie mit den Einschränkungen zurecht?

Die meisten unserer aktuell 52 Bewohner leiden unter fortgeschrittener Demenz und leben somit in ihrer eigenen Welt. Sie verstehen tatsächlich nicht, was draußen passiert und fahren ganz gut damit, wenn ihr häuslicher Alltag hier im Seniorenheim möglichst normal stattfindet. Insofern bedeutet die aktuelle Situation für die wenigsten von ihnen Stress.

Diejenigen Bewohner, die noch einigermaßen fit sind, haben natürlich teilweise große Schwierigkeiten mit der Kontaktsperre. Ihnen bieten wir zumindest die Möglichkeit, ihre Angehörigen durch ein Fenster zu sehen und mit ihnen zu sprechen. Und sie können natürlich auch jederzeit mit ihnen telefonieren.

Was wird gemacht, um den Alltag für alle trotz Kontakt- und Besuchsverbot erträglich zu gestalten?

Wir müssen immer dafür sorgen, dass unsere Bewohner Abwechslung und Beschäftigung haben. Insofern hat sich durch Corona in unserem Haus am eigentlichen Tagesablauf nichts geändert.

VON PER SCHRÖTER

Weitere Neuigkeiten rund um das Thema Coronavirus in der Region Göttingen finden Sie im News-Ticker. 

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