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Trockenheit im Raum Hann. Münden: Tierhalter in Sorge um das Futter

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Von: Christian Mühlhausen

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Christian und Mirja Ilse bewirtschaften in Jühnde einen Bauernhof mit 150 Milchkühen. Derzeit beschäftigt sie nichts so sehr wie die Frage, wie sie ihre Tiere die nächsten Monate durchgefüttert bekommen.
Christian und Mirja Ilse bewirtschaften in Jühnde einen Bauernhof mit 150 Milchkühen. Derzeit beschäftigt sie nichts so sehr wie die Frage, wie sie ihre Tiere die nächsten Monate durchgefüttert bekommen. © Christian Mühlhausen

Die Trockenheit in der Region Hann. Münden setzt den Landwirten zu. Sie machen sich Sorge um Heu, Stroh und Silage. Seit Wochen regnet es nicht ausreichend. Die Folgen des Klimawandels zeigen sich auch im Landkreis Göttingen.

Jühnde – Seit Wochen schon fehlt in der Region ausgiebiger Regen und der ist auf die nächsten Tage auch nicht in Sicht. Was Gartenbesitzer allenfalls ärgert, weil der Rasen braun wird und Pflanzen täglich gegossen werden müssen, ist für Pferde-, Schaf- und Rinderhalter ein großes Problem, das die wirtschaftliche Lage der Höfe beeinflusst.

Altkreis Münden: Landwirte brauchen dringend Futter für ihre Tiere

„Wir benötigen dringend Futter und bekommen keines“, sagt Christian Ilse. Der Landwirt bewirtschaftet mit seiner Familie einen Bauernhof mit 150 Milchkühen in Jühnde. Ihn beschäftigt derzeit kein Thema mehr, als wie er seine Tiere die nächsten Monate durchgefüttert bekommt. „Der erste Schnitt auf dem Grünland war noch in Ordnung, der zweite schon sehr dürftig, an einen dritten oder gar vierten ist in diesem Jahr nicht zu denken“, sagt der Landwirt mit Blick auf die Grasernte.

Trockenheit in der Region Hann. Münden:  Jungrinder von Familie Ilse auf einer verdorrten Weide.
Jungrinder von Familie Ilse auf einer verdorrten Weide. © Chrsitian Mühlhausen

Aufgrund einer guten Grasernte im vergangenen Jahr habe er noch einiges an Vorräten, die für die Milchkühe reichen werden – für seine Jungrinder, die in der Regel mit den weniger energiereichem dritten Grasschnitt gefüttert würden, aber reiche der Vorrat vielleicht noch bis Dezember. Um den Mangel auszugleichen, habe er von Berufskollegen bereits Heu zugekauft sowie Zuckerrüben-Pressschnitzel bestellt. „Weitere Pressschnitzel bekomme ich aber nicht, weil das alle wollen – ich stehe jetzt auf einer Warteliste“, sagt er. Das sei das Verrückte an der Situation: Endlich habe man als Milchviehhalter mal wieder einen auskömmlichen Milchpreis, der einen ermögliche, Futter zuzukaufen – aber der Markt sei wie leer gefegt.

Die Rettung: Viel Regen

Ein intensiver Regen könne jetzt beim Grünland nur noch wenig retten: „Die Grasnarbe ist auf vielen Wiesen braun und heruntergetrocknet. Das wird bis ins nächste Frühjahr dauern, bis sich das vollständig regeneriert hat“, sagt Ilse. Auch beim Silomais als zweite wichtige Futterkomponente sehe es traurig aus. Auf guten Böden stehe er noch recht gut, auf schlechteren Standorten, wie es sie um Jühnde viele gebe, werde aber auch da nicht viel an zusätzlichem Futter kommen.

Auch die Weiden leiden unter der seit Wochen anhaltenden Trockenheit. Das Bild zeigt Pferde im Altkreis Münden.
Auch die Weiden leiden unter der seit Wochen anhaltenden Trockenheit. Das Bild zeigt Pferde im Altkreis Münden. © Christian Mühlhausen

Dass nun auch die landwirtschaftlichen Brachflächen zur Futternutzung freigegeben sind, sei ein Tropfen auf dem heißen Stein: „Das dortige Gras ist jetzt alt und verholzt, das schmeckt den Tieren nicht. Die kauen etwas drauf herum, aber die Hälfte wird nicht gefressen und bleibt liegen.“ Ein Verkauf von Tieren sei nur das allerletzte Mittel und wirtschaftlicher Wahnsinn in Zeiten eines guten Milchpreises. Zumal er mindestens ein Drittel seines Milchviehbestandes oder der weiblichen Jungrinder, sein Zukunftskapital, verkaufen müsste, um nennenswerte Entlastung in die Futtersituation zu bekommen: „Ich hoffe, dass ich mir in den nächsten Wochen noch hier und da Vorräte organisieren kann, sodass ich damit bis ins nächste Frühjahr komme.“

Prognose: Landwirte bekommen Probleme wegen zu wenig Futter

Achim Hübner, Kreisgeschäftsführer beim Bauernverband Landvolk, bezeichnet die Situation im Grünland als „insgesamt sehr bescheiden“, nicht nur in Jühnde. Für den Landkreis bestätigt er, dass der erste Schnitt bei der Grasernte knapp durchschnittlich war, der zweite Schnitt auf den schlechteren Standorten um etwa die Hälfte geringer und der dritte Schnitt fast überall komplett ausfallen wird. „Wer einen zu geringen Futtervorrat aus dem vergangenen Jahr hat, wird Probleme bekommen und muss zukaufen.“ Auch der Mais trockne den Landwirt vor deren Augen kaputt: „Wir brauchen dringend und reichlich Regen.“ (Christian Mühlhausen)

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