Damals in Münden

Die Kreuzsteine auf dem Teichberg: Sorge um das Seelenheil

Im Schatten zweier Linden stehen die zehn Kreuzsteine markant südlich vom Dorf gesehen auf dem sogenannten Teichberg.
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Im Schatten zweier Linden stehen die zehn Kreuzsteine markant südlich vom Dorf gesehen auf dem sogenannten Teichberg.

Die Geschichte von besonderen Steinen geht weiter. In Bühren in der Samtgemeinde Dransfeld gibt es so viele Kreuzsteine wie sonst nirgends in Südniedersachsen. Ihre Geschichte ist geheimnisvoll.

In keiner Gemarkung in Südniedersachsen gibt es derart viele Kreuzsteine wie in Bühren. Südlich des Dorfes auf dem Teichberg stehen die Kreuzsteine. Es könnte ein Zusammenhang zum Harster Heerweg gesehen werden, jener mittelalterlichen Straße, die von Münden, über Gimte oberhalb des Eichhofs in den Bramwald und weiter nach Bühren führte. Wann und warum die Kreuzsteine dort errichtet wurden, ist allerdings unklar.

Bereits Chronist Wilhelm Lotze berichtet 1878 von den Steinen: „An diesem Wege vor dem Dorfe stehen und liegen noch neun Stück alte Kreuzsteine, woran sich manche Sage knüpft, man aber in Urkunden und sonst in alten schriftlichen Überlieferungen nicht das Geringste darüber findet.“

Kreuzsteine seit dem Mittelalter in Geschichten erwähnt

Ein Register von 1785 zählt jedoch bereits vier Parzellen unter dem Flurnamen „Unter den Creutzen“ auf. Hinzu kommt eine dörfliche Überlieferung, die besagt, dass bereits die Nonnen des Klosters Hilwartshausen zwischen dem 10. und 16. Jahrhundert an den Kreuzsteinen beteten, wenn sie auf dem Weg nach Gladebeck, heute ein Ortsteil von Hardegsen, dort vorbeikamen. Es ist denkbar, dass die Steine als Sühnedenkmäler errichtet wurden. Begründet liegt die Aufstellung solcher Denkmäler in der Sorge um das Seelenheil unerwartet Verstorbener, die der Tod plötzlich ereilte, beispielsweise durch einen Blitzschlag oder umgestürzten Baum.

Vor allem der Blitzschlag, der oft als göttliches Zeichen gedeutet wurde, gab Anlass dazu, das Seelenheil bedroht zu sehen. Ob solche Todesfälle der tatsächliche Hintergrund der Bührener Steine sind, ist jedoch nur eine Vermutung. Lange waren die Kreuzsteine auf dem Teichberg vergessen. 1887 wurde der Denkmalplatz vermessen und mit Steinen umrandet. Ab 1898 war es dann der 1876 selbst in Bühren geborene Lehrer Karl Jünemann, der sich für die vergessenen Denkmäler einsetzte.

Durch seine Beharrlichkeit schaffte es Jünemann, dass der damalige Landrat des Kreises Münden 1900 die Instandsetzung in Auftrag gab. Das einzige Steinkreuz unter den Kreuzsteinen war in der Zwischenzeit allerdings bereits in zwei Teile zerbrochen. Da dem für die Aufrichtung zuständigen Gemeindediener offenbar entgangen war, dass die beiden Teile eigentlich zusammengehörten, stellte er sie getrennt voneinander auf.

An den Kreuzsteinen wurde für die Toten gebetet, die keine Sterbesakramente mehr erhalten konnten.

Die Steine auf dem Teichberg haben ihre Geschichte

So standen auf dem Teichberg lang nicht neun, sondern zehn Steine. Unter Anleitung des Bührener Kreisbodendenkmalpflegers Fritz Bertram Jünemann erhielt 1954 der Platz dann eine Stützmauer und wurde zudem mit Erde aufgeschüttet. Die Kreuzsteine wurden mit Betonsockeln versehen und wieder neu aufgestellt. Auch das zerbrochene Steinkreuz wurde wieder zusammengefügt. Fortan waren es wieder, wie bereits 1878 von Lotze beschrieben, neun Steine. Das war aber immer noch nicht das Ende. 1956 entdeckte man in einer Treppenstufe die Hälfte eines weiteren Kreuzsteins.

Der Kulturpfad um Bühren bietet viele Aspekte der Landschaftsgeschichte

Als zehnter Stein wurde er der Reihe hinzugefügt, blieb aber ohne Betonsockel. Der Bührener Landwirt Robert Schäfer fand bei Erdarbeiten 1953 den sogenannten Männekenstein, dessen obere Hälfte fehlt, aber neben einem Kreuz auch einen Mann mit Lanze darstellte. Dieser elfte Stein wanderte in das Depot der Kreisarchäologie.

Die Kreuzsteine sind im Rahmen des Rundwanderweges Kulturpfad Bühren gut zu erwandern. Der Pfad bietet außerdem viele Aspekte der Kultur- und Landschaftsgeschichte, mit den Kreuzsteinen als besonderen Höhepunkt.

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