Archäologen fanden bei Ausgrabungen in Marktstraße halbrunde Steine, die Säulenfundamente sein könnten

Ausgrabungen in der Marktstraße: Gab es ein Haus mit Arkadengang?

Baugeschichte in Mündens Altstadt: An der Seite des prächtigen Fachwerkhauses aus dem Jahr 1554 an der Marktstraße /Ecke Lange Straße entdeckten die Archäologen Axel Demandt und Frank Wedekind ein Fundament, das älter ist als das Haus. Das lässt vermuten, dass dort früher ein anderes Haus stand.

Hann. Münden. Archäologie ähnelt dem Zusammensetzen eines Puzzles. Axel Demandt, freiberuflich tätiger Altertumswissenschaftler aus Münden, und sein Kollege Frank Wedekind von dem Unternehmen Streichardt und Wedekind Archäologie aus Göttingen sind im Zuge des Ausbaus der Marktstraße im vorderen Bereich auf ein solches Puzzleteil gestoßen.

Halbrunde Steine unter dem Fundament des Fachwerkhauses an der Ecke Lange Straße liegen in gleichem Abstand zueinander. Zwei in gleichem Abstand könnte noch Zufall sein, meint Demandt. Dass es aber fünf nebeneinander sind in gleichem Abstand, deutet für die Forscher darauf hin, dass die Steine Punktfundamente für Säulen gewesen sein könnten.

Wenn ihre Theorie stimmt, was sie noch untersuchen müssen, dann könnte dort im Mittelalter ein Haus mit einem Arkadengang gestanden haben. Eines jedenfalls steht für die Altertumsexperten fest: Das Fundament ist älter als das Haus, das im Jahr 1554 errichtet wurde. Vermutlich habe dort ein anderer Bau gestanden.

Vorbild für ein Haus mit Arkadengang sind Gebäude in der Altstadt von Münster, berichtet Frank Wedekind.

Arkadengang: So wie in Münsters Altstadt könnten auch in Münden am Haus in der Marktstraße Säulen gestanden haben.

Für Hann. Münden wäre dieser Bautyp ungewöhnlich. Wobei Demandt und sein Kollege sich die Frage stellen, wie ein solches Haus mit Arkadengang ausgesehen hat. War es ein Fachwerkhaus oder ein Steinhaus oder ein Gebäude, in dem beide Baumaterialen – Holz und Stein – verarbeitet wurden? Um der Sache weiter auf den Grund zu gehen, ließ Uli Schumann, Inhaber des Fleischerfachgeschäfts und Restaurants „Ritter der Rotwurst“, auch einen Blick in die Kellerräume werfen.

Die Spurensuche vor Ort, die baubegleitende Archäologie, ist für die beiden Wissenschaftler auch deshalb so wichtig, weil so gut wie keine archivalischen Quellen aus dem Mittelalter mehr vorhanden sind. Diese waren während des Zweiten Weltkriegs beim Brand des Staatsarchivs in Hannover vernichtet worden. (kri)

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