Das Grauen aus Künstlersicht

Anlässlich der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz: Ausstellung im Kreishaus in Göttingen

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Den Schmerz sichtbar gemacht: 50 Gemälde und Zeichnungen von Künstlern, halten das persönlich Erlebte für die Nachwelt fest.  

Göttingen. Anlässlich des Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers in Auschwitz am 27. Januar erinnert bis zum 12. Februar eine Ausstellung des Kreishauses in Göttingen an den Holocaust.

„Der Holocaust in den Augen der Künstler – Der Schmerz bleibt haften“ lautet der Titel der Ausstellung, für die Zeitzeugin Lea Sorina rund 50 Gemälde und Zeichnungen zusammengetragen hat. Die Werke stammen von Künstlern, die in Konzentrationslagern ums Leben kamen oder den Holocaust überlebten und diesen dann in ihrem persönlichen Erleben im Bild festhielten.

Jedes einzelne von ihnen ist dabei ein eindringlicher Beweis für die Unmenschlichkeit und Barbarei, für das Leiden der Menschen in den Ghettos und Konzentrationslagern. „Es sind auf Papier übermittelte Schmerzensschreie“, sagt Wilhelm Behrendt von der Dransfelder Projektwerkstadt „Spurensuche“, der Lea Sorina genau wie die jüdische Gemeinde Göttingen bei der Planung der Ausstellung unterstützte.

Gleichzeitig würden diese Werke ein Mittel darstellen, sich jeder Form von Gewalt zu widersetzen.

„Sie bekräftigen die Liebe zum Leben, hoffen auf das Überleben und appellieren an unsere Menschlichkeit“, so Behrendt. Dass diese Ausstellung, die jeden Besucher gerade wegen des direkten Bezuges der Künstler zu ihren Werken und ihrem damit verbundenen Leiden unweigerlich in den Bann zieht, in Göttingen zu sehen ist, sei einzig Kuratorin Lea Sorina zu verdanken.

Die gebürtige Russin hatte einst als Achtjährige die Bombardierung Leningrads überlebt.

„Sie hat sich mit dem Schmerz einzelner Menschen auseinandergesetzt, um ihn anderen Menschen nahe zu bringen“, lobt Behrendt. „Und man kann ihr gar nicht genug dafür danken, dass sie nicht aufhört, zu erinnern und immer wieder wachzurütteln.“ Die Ausstellung „Der Holocaust in den Augen der Künstler – Der Schmerz bleibt haften“ ist noch bis Dienstag, 12. Februar, während der Öffnungszeiten des Kreishauses in der Reinhäuser Landstraße 4 in Göttingen im Foyer zu sehen. Der Eintritt zu der Ausstellung ist frei.

Projektwerkstatt Spurensuche in Dransfeld

1988 begann Wilhelm Behrendt, mit Schülergruppen die bis dahin wenig bekannte Historie der Dransfelder Juden zu recherchieren. Der pensionierte Studiendirektor der Georg-Christoph-Lichtenberg-Gesamtschule Göttingen ist Initiator der im Haus Hoher Hagen untergebrachten Projektwerkstatt „Spurensuche“. Mit ihrer Bibliothek und dem Archiv bietet die Geschichtswerkstatt die Möglichkeit, sich vor Ort mit verschiedenen Aspekten jüdischen Lebens in Geschichte und Gegenwart im generationsübergreifenden Dialog zu beschäftigen. „Spurensuche“ organisiert Veranstaltungen zum Thema und bietet eine Möglichkeit zum intensiven Forschen. Bei ihren Projekten können die Schüler nach wie vor von Wilhelm Behrendt unterstützt werden.

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