Das Grauen aus Künstlersicht

Ausstellung über den Holocaust im Dransfelder Rathaus eröffnet

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Begleiteten durch die Ausstellung: Wilhelm Behrendt (von links), Kuratorin Lea Sorina sowie Dolmetscherin Ilse Koppe. 

Es ist eine Ausstellung über den Holocaust, dessen Opfer von Menschenhand gequält und ermordet wurden, oder die im täglichen Angesicht des Todes diese Hölle überlebten und ihr Leben lang mit der unerträglichen Last des Erlebten jeden Tag aufs Neue weiterleben mussten.

Am Sonntagmittag wurde „Der Holocaust in den Augen der Künstler – der Schmerz bleibt haften“, anlässlich des Holocaustgedenktages am 27. Januar im Dransfelder Rathaus eröffnet.

Wilhelm Behrendt von der Projektwerkstatt „Spurensuche“ empfing die zahlreichen Gäste mit einer Rede. „Wenn ich gesagt habe, diese Bilder seien heute eine Herausforderung für uns, dann nicht, um über sie zu reden, sondern um ihnen einzeln gegenüberzutreten, in sie einzusteigen, den Menschen ins Gesicht zu sehen, ihrem Blick nicht auszuweichen, den Schmerz in seiner Realität wahrzunehmen“, so Behrendt. Zur Eröffnung war Kuratorin Lea Sorina gekommen, die selbst diese Künstler für ihren Kampf gegen das Vergessen ausgewählt hatte und diese in Zusammenarbeit mit der „Jüdischen Gemeinde Göttingen“ ausstellt.

Anklagend: Ein Werk von Helga Weissová-Hosková, heute eine der bekanntesten Künstler der Tschechischen Republik.

Sorina selbst ist Zeitzeugin, überlebte anders als hunderttausende Menschen die dreijährige Blockade des damaligen Leningrad. Sie war gekommen, um den Gästen die Lebens- und Leidensgeschichten der ausgestellten Künstler samt ihrer ausgewählten Bilder näher zu bringen. Verstörende Bilder von Menschen die ihre Hände vor das Gesicht geschlagen haben, um das bestialische Leid nicht sehen zu müssen, erbarmungslose Unmenschlichkeit, die diese Zeichnungen in die heutige Zeit transportieren.

Sie tragen Namen wie „Mutter mit ermordeten Kind“ (Mieczysław Kościelniak ) – ein Kleinkind, halb entkleidet auf dem Boden liegend, die Mutter trauend daneben hockend – , „Ins Gas“ (Helga Weissovabá-Hosková) – eine Hochschwangere mit ihrem Kind an der Hand auf ihrem letzten Weg – oder auch die die Zeichnungen aus dem „Skizzenblock von Auschwitz“. Die Skizzen wurden 1947 in einer Flasche im Müll von Auschwitz gefunden, unter Lebensgefahr hatte ein Häftling diese angefertigt. Sorina ging von Banner zu Banner, erzählte aus dem Leben der Künstler und Hintergründe. „Es ist eine bescheidene Ausstellung. Wir hoffen, dass Sie einen Eindruck bekommen haben“, übersetzte Ilse Koppe am Ende Sorinas Vorstellung der Künstler.

Grausame Realität: Mieczyslaw Koscielniak zeichnete im Konzentrationslager Auschwitz.

Service: Ausstellungszeitraum vom 19. Januar bis 2. Februar im Dransfelder Rathaus (Eingang Standesamt). Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 16 bis 18 Uhr, Samstag und Sonntag von 11 bis 13 Uhr.

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