Modellprojekt #staydorfkind

Ausstellung zu Jugendkultur und Diskriminierung an Oberschule Dransfeld

Moritz Keppler in der Oberschule Dransfeld
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Moritz Keppler und seine Kollegen vom Modellprojekt #staydorfkind betreuen die Besucher der Wanderausstellung über Jugendkulturen und Diskriminierung „Der (z)weite Blick“.

An der Schule am Hohen Hagen in Dransfeld ist die Wanderausstellung „Der (z)weite Blick“ des Archivs Jugendkulturen aus Berlin vom 4.10.2021 bis 15.10.2021 zu Gast.

Dransfeld – Bist du schon mal diskriminiert worden oder hast du mal einen anderen Menschen diskriminiert? Diesen Fragen haben sich Schüler der Oberschule Dransfeld beim Besuch der Ausstellung gestellt. Die Ausstellung zeigt den Besuchern auf, wie Extremisten sich die Kultur von Jugendlichen aneignen, um ihre Ideologien zu vermitteln – beispielsweise im Kontakt über beliebte Sportarten, Kunst und Musik.

„Das Thema trifft einen Nerv“, auch ein einer ländlichen Region wie Dransfeld, betont Lea Fischer. Sie und weitere Sozialarbeiter vom Modellprojekt #staydorfkind des Landkreises Göttingen begleiten die Ausstellung pädagogisch. Schüler aller Klassenstufen berichten demnach von Diskriminierung aufgrund von Herkunft, Religion, Aussehen und Sexualität in der Schule und in Sozialen Medien.

Lehrer beobachten Diskriminierung an Schule

„Ich finde es gut und wichtig, dass die Ausstellung hier war“, sagt Schulleiter Mark Bödefeld. Beleidigungen zwischen Schülern beobachteten die Lehrer täglich. Bei manchen diskriminierenden Aussagen sei erkenntlich, dass Schüler durch ihre Familie ideologisch geprägt werden. Jüngere wiederholten die Aussagen ihrer Eltern oft unreflektiert, ältere Schüler drückten sich schon eher aus eigener Überzeugung aus. „Weggucken ist da keine Lösung“, betont Bödefeld.

Fabian Rehkopf, der mit seiner Klasse die Ausstellung besucht hat, bestätigt diese Beobachtungen. „Das gehört zum Schulalltag und wir müssen jeden Tag damit umgehen.“ Meist spreche er konkrete Fälle von Diskriminierung im Klassenverband an.

Schüler werden für Diskriminierung und Radikalisierung sensibilisiert

„Ich höre gerne solche Musik, aber ich achte nicht so auf die Texte“, sagt eine Schülerin mit Blick auf ein Plakat über Rap-, Hardcore- und Metal-Musik. Das Plakat informiert darüber, wie die rechtsradikale Szene bei Jugendlichen beliebten Musikstile nutzt, um ihre Ideologie zu vermitteln. „Ich hatte noch nicht davon gehört, das werde ich mal googeln“, sagt eine andere Schülerin.

Nach dem Besuch der Ausstellung haben viele Schüler Rückmeldungen an einer Wand hinterlassen. Ob sie schon einmal jemanden diskriminiert haben? Das beantworteten die meisten mit Nein. Auf einer Karte gestand eine Siebklässlerin ihr Verhalten ein: „Die Person mobbte andere wegen ihrer Persönlichkeit und ihren Klamotten, also habe ich sie mit ihrem Charakter fertig gemacht.“ Die selbe Person schrieb auf einer anderen Karte, dass auch sie diskriminiert worden sei: „Weil ich pansexuell bin. (...) Inzwischen werde ich akzeptiert und unterstützt.“ Eine andere Person schrieb, dass sie wegen ihres Übergewichts diskriminiert worden sei: „Aber mittlerweile sehe ich über sowas hinweg.“

Auf anderen Karten kommentierten die Schüler, was sie neues gelernt haben. Demnach waren ihnen zuvor Neonazis und der Ku-Klux-Klan unbekannt. Oder sie wurden erstmals auf negatives Verhalten beliebter Youtuber aufmerksam gemacht. Alle Schüler konnten im Anschluss Infomaterial mit Kontakten zu Ansprechpartnern mitnehmen. (Kim Henneking)

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