Ungewöhnliche Gehölzpflege

Baumpflege mit dem Schiff in Hann. Münden

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Ungewöhnlicher Arbeitsplatz: Dominik Hesse steht mit seiner Motorsäge im Korb eines Krans, der auf einem Schiff montiert ist. Nur so kann die Weide, die auf einer kleinen Fluss-Insel steht, beschnitten werden.

Wenn Dominik Hesse die Motorsäge ansetzt, sitzt jeder Schnitt. Sein Arbeitsort ist ungewöhnlich: Zehn Meter oberhalb der Fulda in Hann. Münden steht er in einem Arbeitskorb. 

Der Motor jault auf, im hohen Bogen fliegen die Holzspäne durch die Luft und landen schließlich in der Fulda. Dominik Hessen stutzt die Baumkrone der alten Weide.

Per Knopfdruck lenkt er den Arbeitskorb mal höher, mal tiefer, mal nach links, mal nach rechts, um in die ideale Position zum Abschneiden der dicken Äste zu kommen. Das Besondere: Der Kran mitsamt seinem Arbeitskorb ist nicht etwa auf einem Lkw montiert, sondern auf einem Schiff, das auf der Fulda schwimmt. 

Unten an Bord sorgen mit Rettungswesten ausgestattet der Vorarbeiter Sebastian Muth sowie die Mitarbeiter Alexander Kolm und Jonas Schormann dafür, dass das abgesägte Holz nicht wegschwimmt, sondern mit einer Art Enterhaken aus dem Wasser gezogen wird.

Das Boot ist eigentlich gar keins – sondern eher eine schwimmende Arbeitsplattform mit aufgebautem Kran, Werkzeugkammer, Lagerplatz für Holz und sogar Stellraum für einen Holzhacker. An seine Arbeitsorte geschoben wird es mithilfe der „Fulda“, einem Schiff mit zwei je 102 kW leistenden Schrauben, gesteuert von Schiffsführer Michael Dettmar.

Seit bald 40 Jahren ist der gelernte Wasserbauer beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt, seit 2004 ist er Schiffsführer und ist täglich per Schiff auf Fulda, Werra oder Weser unterwegs. Er sorgt dafür, dass Mann und Material an die oft nur flussseitig zu erreichenden Baustellen kommen – ob bei der Gehölzpflege, dem Pflastern von Buhnen oder der Instandsetzung von anderen Bauwerken. 

Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Weser (WSA), Außenbezirk Hann. Münden, hat auch in den Wintermonaten alle Hände voll zu tun. Die Gehölzpflege nimmt dabei eher einen kleinen Teil der Arbeit ein, vielmehr bedient sich das WSA dabei seit knapp zehn Jahren meist der Hilfe der Bundesforstverwaltung. Doch in Fällen wie diesen – die alte Weide steht auf einer kleinen Insel in Hann. Münden zwischen Schlagdmauer und Tanzwerder und ist per Fahrzeug nicht zu erreichen – ist die Arbeit von der Wasserseite her die einzige Option.

Der alte Baum, den Hesse gerade mit seiner Motorsäge bearbeitet, hat seine besten Jahre hinter sich: malerisch anzusehen, aber faul. Eine alte Weide, direkt am Wasser stehend, gekennzeichnet von Faulstellen und Totholz. Einige Äste sind abgebrochen und hängen ins Wasser, der Baum ist abgängig – und doch bekommt er noch einmal eine Verjüngungskur. Hesse befreit ihn von den stark kopflastigen Ästen, damit der morsche, teils hohle Stamm weiter bestehen kann und nicht beim nächsten Sturm komplett in der Fulda landet. 

„Der Baum ist ein wichtiger Lebensraum, vor allem für Vögel und Insekten, wir wollen ihn als Habitatbaum erhalten“, beschreibt es Förster Martin Biecker, der für die Bundesforsten für ein Gebiet von Mittelhessen bis Minden zuständig ist – neben den Bundeswasserstraßen auch für Truppenübungsplätze und andere Bundesliegenschaften – und heute die Arbeiten begleitet.

Video: Baumpflege mit dem Schiff in Hann. Münden

Das Gebiet, das vom Außenbezirk Münden des Wasserstraßen- und Schifffahrtamtes Weser betreut wird, erstreckt sich vom Weserstein in Hann. Münden aus gesehen auf der Werra bis zum Wasserkraftwerk Letzter Heller, auf der Fulda bis nach Kassel sowie auf der Weser bis zum Örtchen Weißehütte – in Summe knapp 60 Kilometer Flussabschnitt, wie der Leiter des Außenbezirks, Rolf-Dieter Summa erläutert. Einen wichtigen Teil der Arbeit nimmt dabei auch die Pflege der Schleusen und Wehre ein, die nacheinander alle sechs Jahre trockengelegt und dann gepflegt und instand gesetzt werden. 

Derzeit liegt die Schleuse Wilhelmshausen trocken. Die Gehölzpflege indes habe abgenommen, seit vor knapp zehn Jahren die Bundesforstverwaltung mit ins Boot geholt wurde, die nun einen Großteil der vom Ufer aus zu erledigenden Aufgaben übernimmt. Nur bei Sturmschäden oder schwierigen Bäumen, an nur wasserseitig zu bearbeitenden Stellen wie bei der alten Weide an der Mündener Schlagdmauer, müssen die Mitarbeiter noch mit Kettensägen ausrücken.

Nach einer halben Stunde ist Hesse fertig, vom Baum bleibt nur noch der Hauptstamm über. Doch Weiden sind sehr robust und dafür bekannt, dass sie schnell wieder ausschlagen. Im Frühjahr wird die Weide wohl wieder ihr zartes grünes Kleid anlegen – und vermutlich nicht nur Insekten und Vögel, sondern auch vorbei ziehende Paddelfahrer erfreuen.

Ungewöhnlicher Baumschnitt in Hann. Münden

Eine besondere Lage erfordert manchmal besondere Kniffe, wie beispielsweise bei diesem ungewöhnlichen Baumschnitt vom Wasser aus in Hann. Münden.
Eine besondere Lage erfordert manchmal besondere Kniffe, wie beispielsweise bei diesem ungewöhnlichen Baumschnitt vom Wasser aus in Hann. Münden. © Christian Mühlhausen
Eine besondere Lage erfordert manchmal besondere Kniffe, wie beispielsweise bei diesem ungewöhnlichen Baumschnitt vom Wasser aus in Hann. Münden.
Eine besondere Lage erfordert manchmal besondere Kniffe, wie beispielsweise bei diesem ungewöhnlichen Baumschnitt vom Wasser aus in Hann. Münden. © Christian Mühlhausen
Eine besondere Lage erfordert manchmal besondere Kniffe, wie beispielsweise bei diesem ungewöhnlichen Baumschnitt vom Wasser aus in Hann. Münden.
Eine besondere Lage erfordert manchmal besondere Kniffe, wie beispielsweise bei diesem ungewöhnlichen Baumschnitt vom Wasser aus in Hann. Münden. © Christian Mühlhausen
Eine besondere Lage erfordert manchmal besondere Kniffe, wie beispielsweise bei diesem ungewöhnlichen Baumschnitt vom Wasser aus in Hann. Münden.
Eine besondere Lage erfordert manchmal besondere Kniffe, wie beispielsweise bei diesem ungewöhnlichen Baumschnitt vom Wasser aus in Hann. Münden. © Christian Mühlha usen
Eine besondere Lage erfordert manchmal besondere Kniffe, wie beispielsweise bei diesem ungewöhnlichen Baumschnitt vom Wasser aus in Hann. Münden.
Eine besondere Lage erfordert manchmal besondere Kniffe, wie beispielsweise bei diesem ungewöhnlichen Baumschnitt vom Wasser aus in Hann. Münden. © Christian Mühlhausen
Eine besondere Lage erfordert manchmal besondere Kniffe, wie beispielsweise bei diesem ungewöhnlichen Baumschnitt vom Wasser aus in Hann. Münden.
Eine besondere Lage erfordert manchmal besondere Kniffe, wie beispielsweise bei diesem ungewöhnlichen Baumschnitt vom Wasser aus in Hann. Münden. © Christian Mühlhausen
Eine besondere Lage erfordert manchmal besondere Kniffe, wie beispielsweise bei diesem ungewöhnlichen Baumschnitt vom Wasser aus in Hann. Münden.
Eine besondere Lage erfordert manchmal besondere Kniffe, wie beispielsweise bei diesem ungewöhnlichen Baumschnitt vom Wasser aus in Hann. Münden. © Christian Mühlhausen
Eine besondere Lage erfordert manchmal besondere Kniffe, wie beispielsweise bei diesem ungewöhnlichen Baumschnitt vom Wasser aus in Hann. Münden.
Eine besondere Lage erfordert manchmal besondere Kniffe, wie beispielsweise bei diesem ungewöhnlichen Baumschnitt vom Wasser aus in Hann. Münden. © Christian Mühlhausen
Eine besondere Lage erfordert manchmal besondere Kniffe, wie beispielsweise bei diesem ungewöhnlichen Baumschnitt vom Wasser aus in Hann. Münden.
Eine besondere Lage erfordert manchmal besondere Kniffe, wie beispielsweise bei diesem ungewöhnlichen Baumschnitt vom Wasser aus in Hann. Münden. © Christian Mühlhausen
Eine besondere Lage erfordert manchmal besondere Kniffe, wie beispielsweise bei diesem ungewöhnlichen Baumschnitt vom Wasser aus in Hann. Münden.
Eine besondere Lage erfordert manchmal besondere Kniffe, wie beispielsweise bei diesem ungewöhnlichen Baumschnitt vom Wasser aus in Hann. Münden. © Christian Mühlhausen
Eine besondere Lage erfordert manchmal besondere Kniffe, wie beispielsweise bei diesem ungewöhnlichen Baumschnitt vom Wasser aus in Hann. Münden.
Eine besondere Lage erfordert manchmal besondere Kniffe, wie beispielsweise bei diesem ungewöhnlichen Baumschnitt vom Wasser aus in Hann. Münden. © Christian Mühlhausen

Baumpflege ist auch an anderen Orten in Südniedersachsen gerade ein wichtiges Thema. 

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