Staufenberg

Bewahrerin der Geschichte: Andrea Hornig ist ehrenamtliche Ortsheimatpflegerin in Lutterberg

Andrea Hornig und ihr Vorgänger Karl-Heinz Waldmann stehen im Archivraum des Kulturvereins Lutterberg in der Alten Schule.
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Gedächtnis des Ortes: Andrea Hornig und ihr Vorgänger Karl-Heinz Waldmann im Archivraum des Kulturvereins Lutterberg in der Alten Schule.

Ortsgeschichte ist für viele eine große Unbekannte. Ehrenamtliche machen sich an die Bewahrung und Erforschung. Andrea Hornig ist Ortsheimatpflegerin Lutterberg in der Gemeinde Staufenberg.

Lutterberg – „Einmal Ortsheimatpfleger, immer Ortsheimatpfleger“, sagt Karl-Heinz Waldmann, der das Amt in Lutterberg 23 Jahre lange innehatte. Zusammen mit seiner Nachfolgerin Andrea Hornig steht er in dem kleinen Archiv in der alten Schule.

Den Raum, neben der Gemeindebücherei, könnte man als das Gedächtnis des 850-Seelen-Orts bezeichnen. Es wird vom Kulturverein Lutterberg betrieben.

Schätze im Lutterberger Archiv

Dort hängen Schätze wie die Fahnen und Wimpel von Vereinen, die längst aufgelöst wurden. „Dafür haben wir einen speziellen Schrank anfertigen lassen“, sagt Hornig, die das Amt der Ortsheimpflegerin von Waldmann im Jahr 2011 übernommen hatte. In den Regalen an der Wand reihen sich Aktenordner. In diesen sind Bilder und Dokumente gesammelt, die die Geschichte Lutterbergs abbilden. Bilder, die um die Jahrhundertwende entstanden, Karten, Kampfberichte von den beiden Schlachten um Lutterberg im Siebenjährigen-Krieg (1758 und 1762) und Geburtsregister, die weit zurückreichen.

Momentan sei sie daran, die Grabsteine, die um die Kirche herum platziert sind, mit Schildern zu kennzeichnen. So könne jeder Interessierte die Inschriften, die durch die Jahre und die Witterung schon sehr verwaschen sind, lesen. Viele Ideen für ihre Arbeit würden aus Fragen der Einwohner heraus entstehen.

Bilderausstellung weckte ihr Interesse

„Wir haben einiges an Archivmaterial von den Einwohnern bekommen“, berichtet die 52-Jährige, die in der Krankenhausküche in Kassel arbeitet. Wie sie zu ihrer Geschichtsbegeisterung gekommen ist? „Eher durch Zufall“, sagt sie. Sie habe mal einen Stammbaum ihrer Familie angefertigt, sei damit aber „nur“ bis 1850 zurückgekommen. Durch eine Bilderausstellung von Waldmann sei ihr Interesse geweckt worden.

Sie habe Bilder von ihrem Geburtshaus gefunden, das von ihren Großeltern bereits erbaut wurde. „Damals hatte Karl-Heinz Waldmann das Archiv bei sich zuhause, den jetzigen Raum gab es so noch nicht.“ Sie habe sich in der Fülle an Bildern und Akten verloren, berichtet sie. „Die Zusammenhänge und was die Ereignisse von früher für uns heute bedeuten, finde ich sehr spannend“. Zumal es immer weniger Zeitzeugen gebe, berichten Hornig und Waldmann. Bei alten Bildern sei es manchmal unmöglich, noch herausfinden, wer darauf abgebildet sei. Um das herauszubekommen habe man immer mal wieder Plattdeutsche-Treffen veranstaltet, dort konnten sich die Dorfbewohner treffen, sich auf Platt unterhalten und die Bilder wurden herumgezeigt. Leider sei das etwas „eingeschlafen“.

Zufall hilft der Ortsheimatpflegerin

Viele Funde kommen durch Zufall zur Ortsheimatpflegerin. So zum Beispiel die Metallplatte des Gedenksteins, der an die Kriegstoten des Ersten Weltkrieges erinnern sollte. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Denkmal um die Toten dieses Waffengangs erweitert, die ursprüngliche Metallplatte landete in einem Keller. Dort wurde sie nach Jahren gefunden und dem kleinen Archiv übergeben. Vor der Corona-Krise fand einmal im Monat, immer ab 18 Uhr, eine offene Sprechstunde im Archiv statt. Diese habe man pausieren müssen. (Von Jens Döll)

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