Tipps zur Diebstahlsicherung

E-Bikes bei Dieben begehrt: Aufwärtstrend im Landkreis Göttingen

Fahrradhändler Heiko Fischer steht im Laden „Schelp und Fischer“  in Hann. Münden
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Kein Schloss ist 100 Prozent sicher: Das sagt Fahrradhändler Heiko Fischer aus Hann. Münden. Trotzdem sollten Kunden auf die Qualität achten.

Der Trend bei Fahrraddiebstählen im Bereich der Polizeiinspektion Göttingen ist eindeutig, berichtet Pressesprecherin Jasmin Kaatz: Er zeigt weiter nach oben. „Die abschließenden Zahlen für das Jahr 2020 liegen noch nicht vor.

Bislang deutet sich aber eine Steigerung der Fallzahlen an“, so Kaatz. 2018 wurden im Landkreis Göttingen 1715 Fahrraddiebstähle den Beamten gemeldet und im Jahr 2019 bereits 1872. Besonders auffällig sei, dass vermehrt E-Bikes zum Diebesgut werden. „E-Bikes sind derzeit die Fahrräder, die am häufigsten gestohlen werden. Tendenz steigend“, so die Polizei-Presssprecherin. Etwa 25 Prozent der gestohlenen Räder, seien E-Bikes. Das gehe aus den Zahlen der Ermittler vor.

Allgemein werden E-Bikes in allen Bevölkerungsgruppen immer beliebter, sagt Heiko Fischer, der Geschäftsführer des Hann. Mündener Fahrrad- und Motorgeräte- Fachhandels „Schelp und Fischer“. Galten sie vor wenigen Jahren noch als Modell für ältere Kunden, erfreuen sie sich heute in allen Altersstufen hoher Beleibtheit. So gibts es nicht mehr nur den klassischen Tiefeinsteiger, sondern zum Beispiel auch vollgefederte Mountainbikes mit E-Antrieb. „Für viele Kunden stellt es eine umweltschonende und günstigere Alternative zum Zweitwagen dar“, so Fischer.

Im Schnitt müsse man etwa 3000 bis 3500 Euro ausgeben. Einsteigermodelle gebe es ab etwa 2000 Euro. Aufgrund des hohen Preises und des damit verbundenen Wiederverkaufswertes, seien E-Bikes bei Dieben so beleibt. „Sie sind nicht schwerer zu stehlen als ein normales Fahrrad“, so Fischer. Dem stimmt Jasmin Kaatz zu. Zudem sei der Akku oft Ziel von Diebstahl. „Der Durchschnittswert eines neuen E-Bike Akkus liegt bei circa 500 bis 600 Euro“, so Kaatz.

In diesem Jahr könnte es zu Lieferengpässen bei E-Bikes kommen, warnt Heiko Fischer. Hintergrund sei die weltweite Coronakrise, die sich auf die verzweigten weltweiten Lieferketten auswirke. Den Herstellern würden zum Beispiel Rohstoffe fehlen.

Der Unterschied zwischen E-Bike und Pedelec

Es gibt eine Unterscheidung zwischen dem sogenannten E-Bike und dem Pedelec. Das Pedelec unterstützt den Fahrer mit einem Elektromotor bis maximal 250 Watt während des Tretens und nur bis zu einer Geschwindigkeit von 25 km/h. E-Bikes im engeren Sinn sind am ehesten mit einem Elektromofa zu vergleichen. Bei diesen läuft der Elektroantrieb unabhängig von der Tretleistung. Das Wort E-Bike wird allerdings synonym für viele Arten von Elektrofahrrädern genutzt.

Fahrradhändler Schelp und Fischer empfiehlt mehrere Schlösser

Dreiflüssestadt, Fahrradstadt: In Hann. Münden beginnt der Weserradweg, der über 500 Kilometer durch mehrere Bundesländer, bis nach Bremen verläuft. Die Stadt ist bei Radtouristen beliebt, viele sind mittlerweile mit einem E-Bike unterwegs, um das Weserbergland zu genießen. Allgemein, so der Mündener Fahrradhändler, werden E-Bikes in allen Altersklassen immer beliebter. Ein Problem: Aufgrund ihres durchschnittlich höheren Preises sind sie auch bei Ganoven sehr beleibt.

Die Polizei im Landkreis Göttingen sieht einen Trend dazu, dass es Diebe vor allem auf E-Bikes abgesehen haben. Nun also die Frage: Wie sichert man das liebe und teure E-Bike? „Einen hundertprozentigen Schutz gibt es nicht“, sagt Heiko Fischer, vom Mündener Fahrradhandel „Schelp und Fischer“ an der Veckerhäger Straße. Dies sei die bittere Wahrheit.

Kein Schloss sei mehr unknackbar, da Diebe immer öfter akkubetriebene Winkelschleifer einsetzen würden, so Fischer. Damit könnten Diebe ein Fahrrad binnen Sekunden stehlen. „Natürlich gibt es gute und schlechtere Schlösser“, fügt er hinzu. Der Kunde müsse für ein gutes Schloss etwa 50 Euro aufwärts ausgeben.

Polizei Göttingen empfiehlt Beratung beim Fachhändler

Um die Sicherheit zu erhöhen, empfiehlt er zudem, dass Rad mit mehreren Schlössern zu sichern. „Stellen sie sich drei Fahrräder vor. Das erste mit keinem, das zweite mit zwei und das dritte mit drei Schlössern gesichert. Welches wählt ein Dieb?“. Da es bei den Diebestouren auf den schnellen Zugriff ankomme, schrecken mehrere Schlösser die Langfinger ab, auch die, die in organisierten Banden unterwegs seien.

Die Polizei in Göttingen empfiehlt, sich beim Schlosskauf vom Fachhändler beraten zu lassen. Zudem sollte das Rad immer angeschlossen werden, selbst wenn man es nur kurz aus den Augen lässt, so Polizeipressesprecherin Jasmin Kaatz. Ein weiterer Tipp: Nach Möglichkeit in geschlossenen Räumen abstellen und dort trotzdem anschließen. „Wenn möglich, den Akku bei sich führen. Der Grund dafür: Ohne Akku ist das E-Bike meistens für die Täter uninteressant“, fügt sie hinzu.

Fischer empfiehlt eine Versicherung für das E-Bike. Diese muss separat abgeschlossen werden, es gibt mehre Anbieter. So zum Beispiel Enra, eine Versicherung, und Alteos, ein Unternehmen aus Berlin. Dieses Start-Up bietet neben Versicherungen auch ein GPS-Tracking an. Dabei, so heißt es vom Unternehmen, werde ein GPS-Sender in den Akku verbaut, sodass das Rad bei einem Diebstahl geortet werden kann. „Diese Ortungsfunktion wird häufiger nachgefragt. Wir haben bereits einige verbaut“, so Heiko Fischer. Auch die Polizei spricht sich für solche Tracking-Möglichkeiten aus. Bei Alteos, die mit der Axa-Versicherung zusammenarbeiten, kostet eine E-Bike-Versicherung mit GPS-Tracking knappe 5 Euro im Monat.

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