Brüderlich voneinander lernen

Mündener Projekt „Brothers“ unterstützt Geflüchtete bei der Integration

Freuen sich auf das Projekt: Teamleiter Sultan Zeb Khawaja (vorne) und Ferit Kilic (Karohemd) mit Projektleiterin Julia Pfrötschner (vorne, zweite von rechts).
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Freuen sich auf das Projekt: Teamleiter Sultan Zeb Khawaja (vorne) und Ferit Kilic (Karohemd) mit Projektleiterin Julia Pfrötschner (vorne, zweite von rechts).

Männlichkeit, Ehre und Gleichberechtigung der Geschlechter – mit diesen Themen sollen sich Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund in Hann. Münden zukünftig gemeinsam auseinandersetzen.

Hann. Münden – „Brothers – Gewaltprävention bei (geflüchteten) Jugendlichen“ heißt das neue Projekt unter der Leitung von Julia Pfrötschner, das vom Landkreis Göttingen und dem Europäischen Sozialfonds (ESF) mit 75 000 Euro gefördert wird. Münden dient als Modellstandort für Niedersachsen.

Junge Männer im Alter von 18 bis 25 Jahren mit Migrationshintergrund werden zu sogenannten Brothers, also Brüdern, ausgebildet um ihr Wissen auf Augenhöhe an die Jugendlichen weiterzugeben. Die beiden ersten Teamleiter des Projekts sind Ferit Kilic und Sultan Zeb Khawaja.

Die eigene Rolle in der Gesellschaft finden

Sie setzen sich mit Themen rund um Geschlechterrollen und Gesellschaft auseinander, die im Konflikt der unterschiedlichen Kulturen entstehen: „Wir wollen den Jugendlichen zeigen, dass es lohnenswert ist, sich in die Gesellschaft zu integrieren ohne sich selbst zu verlieren“, erklärt Ferit Kilic. Es gehe darum, gemeinsam mit den Teilnehmern Fragen zu stellen und die eigene Rolle in der Gesellschaft zu finden.

Dabei sei es für die Jungen vollkommen in Ordnung, sich zu fragen, wer sie sind und wo sie stehen. „Wir wollen den Weg dafür ebnen, dass jungen Männer gut in der Gesellschaft klarkommen“, sagt Kilic.

Diskussion von kontroversen Themen

In den Räumen im Haus der Nationen in Münden sollen nun wöchentliche Treffen stattfinden. „Jeder soll seinen Weg finden. Dabei ist es wichtig, dass die Jugendlichen hier eine Anlaufstelle haben, bei der sie frei reden und auch kontroverse Themen diskutieren können“, sagt Teamleiter Sultan Zeb Khawaja.

Wir werden nicht alle Fragen der Jugendlichen beantworten können, aber wir können ihnen Sicherheit geben.

Sultan Zeb Khawaja

Das Projekt startet mit den Sommerferien. Es wird gemeinsame Ausflüge geben, die für alle Teilnehmer kostenlos sind. Für Mittwoch ist beispielsweise ein Besuch im Hochseilgarten geplant, aber auch ein Trommelkurs und eine Fahrt in den Tierpark stehen noch an.

Brothers - Ein Projekt für junge Männer

Projektleitern Julia Pfrötschner erklärt, dass sich Brothers an dem Berliner Projekt „Heroes – gegen Unterdrückung im Namen der Ehre“ orientiert und unterstützt wird. Das Projekt Brothers ist zunächst für 33 Monate, bis Ende September 2022 geplant. Die geschlechterreflektierende Jungenarbeit soll niemanden ausschließen, betont Pfrötschner, jedoch richte sich das Projekt zunächst ausschließlich an junge Männer. Ihnen soll durch „Brothers“ die Integration erleichtert werden, indem sie einen respektvollen Umgang und Geschlechtergleichberechtigung lernen.

Projektinitiatorin Conny Hiller ergänzt: „Es gibt bereits viele Projekte für Frauen, Familien und Kinder. Jungen ab 12 Jahren hängen häufig in der Luft.“ Sie fänden sich zwischen zwei Kulturen wieder und bräuchten Anschluss. Durch Brothers sei dafür nun eine Anlaufstelle gegeben. Die Jungen können auf diesem Weg positive Vorbilder in einer ähnlichen Altersgruppe treffen und von ihnen lernen.

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