Umweltfreundlich

Christian Mühlhausen baut sich ein Haus aus Stroh 

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Ellen und Christian Mühlhausen verwenden beim Bau ihres Wohnhauses überwiegend natürliche Bau- und Dämmstoffe, die aus der Region stammen.

In Lippoldshausen entsteht zurzeit ein Haus mit einem außergewöhnlichen Baustoff. 

Die meisten Landwirte nutzen Stroh, um es nach der Ernte in den Boden einzuarbeiten oder als Einstreu für das Vieh im Stall zu verwenden. Stroh lässt sich aber auch anders nutzen: Es ist ein hervorragender und zudem ausgesprochen umweltfreundlicher und energieeffizienter Bau- und Dämmstoff.

Anders als in den USA, wo bereits seit mehr als 100 Jahren Strohballenhäuser gebaut werden, ist diese Bauweise in Deutschland noch nicht weit verbreitet, bundesweit gibt es derzeit etwa 450 Gebäude aus Strohballen. Und demnächst kommt ein Weiteres hinzu: Im Hann. Mündener Ortsteil Lippoldshausen entsteht derzeit ein Einfamilienhaus in Holzständerbauweise, bei dem Strohballen als dämmende Ausfachung eingesetzt werden. „Ich war begeistert von der Idee, überwiegend Stroh, Holz und Lehm als Baustoffe zu verwenden“, sagt Bauherr Christian Mühlhausen. 

Mühlhausen hatte Bauweise bei einem Kollegen kennengelernt

Mühlhausen hatte die Strohbauweise bei einem Kollegen kennengelernt, der in Bovenden ein Gartenhaus mit diesem Material errichtet hatte. Der studierte Förster und gelernte Landwirt war auch deshalb sofort fasziniert, weil die natürlichen Rohstoffe, die für solche Gebäude verwendet werden, von den umliegenden Feldern und Wäldern bezogen werden können.

Ellen und Christian Mühlhausen verwenden beim Bau ihres Wohnhauses überwiegend natürliche Bau- und Dämmstoffe, die aus der Region stammen.

Nachdem sich der freiberuflich tätige Journalist bei Experten und in Seminaren über den Strohballenbau informiert und auch seine Ehefrau Ellen Mühlhausen für die Idee gewonnen hatte, stand fest: Das geplante neue Heim für die inzwischen vierköpfige Familie wird ein Strohballenhaus. „Wir wollen zeigen, dass es funktioniert“, sagt Mühlhausen.

Die ersten Strohballenhäuser gibt es seit 130 Jahren

Dass sich aus Stroh beständige und komfortable Gebäude herstellen lassen, zeigen zahlreiche Beispiele in den USA. „Die ersten Strohballenhäuser wurden vor 130 Jahren im Mittleren Westen mangels Baumaterialien wie Steine und Holz nach Erfindung der pferdegezogenen Ballenpresse gebaut“, erzählt Mühlhausen. Viele dieser Gebäude stehen heute noch. „Wir haben für das Haus etwa 50 Kubikmeter Holz und 500 Strohballen verbaut“, erzählt Christian Mühlhausen. Anders als bei manchen anderen Materialien waren bei den Bauarbeiten keine Schutzmasken oder Gummihandschuhe nötig.

Der entscheidende Vorteil sei aber die Klimabilanz: Für die Herstellung von Stroh-Dämmung wird nur wenig Primärenergie benötigt, da es sich bei dem Material um ein Nebenprodukt der Landwirtschaft handelt. Außerdem bindet Stroh in der Wachstumsphase CO2 aus der Atmosphäre. „Gegenüber einem herkömmlichen Massivbau sparen wir so viel CO2 ein, dass man damit mit einem Durchschnittsauto rund 400 000 Kilometer weit fahren könnte“, rechnet Mühlhausen vor. 

Und sollte das Haus später einmal abgerissen werden, wird die Umwelt nicht belastet. Alle verbauten Materialien lassen sich wiederverwenden oder kompostieren. Aber erst einmal aber wollen die Mühlhausens darin wohnen. Behaglichkeit ist garantiert: Die verbauten Materialien enthalten keine Schadstoffe, außerdem sorgt der Lehm für ein angenehmes Raumklima mit optimaler Luftfeuchte.

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