Abschied in Coronazeiten

Ehepaar Lesser gibt bald Campingplatz am Hohen Hagen ab

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Verwaist: Dort, wo in Dransfeld im Frühjahr sonst das Campingplatzleben schon tobt, herrscht wegen der Corona-Krise absoluter Stillstand. Für Bernd Lesser in seinem letzten Jahr als Betreiber eine ungewohnte und alles andere als schöne Situation. 

Tätigkeit als Berater: Ihr letztes Jahr als Betreiber des Campingplatzes in Dransfeld hatten sich Jutta und Bernd Lesser ganz anders vorgestellt.

 Ihr letztes Jahr als Betreiber des Campingplatzes in Dransfeld hatten sich Jutta und Bernd Lesser ganz anders vorgestellt. Eigentlich sollte der Verkauf bereits unter Dach und Fach und die Lessers nur noch als Berater tätig sein. Doch Corona sorgte für eine Verschiebung des Zeitplans.

„Der Kaufvertrag sollte am 31. März in Kiel vom neuen Eigentümer unterschrieben werden“, sagt Bernd Lesser. Wegen des Kontaktverbots und der damit verbundenen Reisebeschränkungen, die erst einige Tage zuvor in Kraft getreten waren, sei daraus nichts geworden. „Damit müssen wir jetzt also warten, bis die Coronakrise überstanden ist“, sagt Lesser.

Jutta Lesser freut sich auf den nächsten Lebensabschnitt. 

Käufer des Fünf-Sterne-Campingplatzes am Hohen Hagen ist Lesser zufolge „ein namhaftes deutsches Unternehmen“ aus der Campingbranche. „Wir haben lange gesucht und am Ende einen Nachfolger gefunden, der den Platz in unserem Sinne weiterführen wird“, sagt er. Der Plan war, dass zum 1. April ein neuer Geschäftsführer auf dem Campingplatz eingesetzt werden sollte, den die Lessers dann bis Ende des Jahres einarbeiten. Aber natürlich wurde auch daraus nichts.

„Im Moment gibt es sowieso nichts zu tun“, sagt Bernd Lesser. Pünktlich vor den Osterferien, mit denen die Campingsaison traditionell so richtig Fahrt aufnimmt, mussten er und seine Frau den Platz für Besucher von auswärts schließen.

„Seither sind nur einige Dauercamper da, die das ganze Jahr hier wohnen und die ansonsten keine andere Bleibe haben“, so der Betreiber. Sämtliche Buchungen wurden kostenlos storniert und bereits geleistete Anzahlungen – sofern von den Urlaubern gewünscht – erstattet. „Es gab auch Camper, die ihr Geld stehen gelassen haben, weil sie sich darauf freuen, zu einem späteren Zeitpunkt zu uns zu kommen“, sagt Bernd Lesser.

Wegbrechende Einnahmen und schwierige Entscheidungen 

Das habe ihm und seiner Frau in dieser schweren Situation sehr gutgetan. „Allein schon deshalb, weil es uns zeigt, dass wir hier einen tollen Platz haben, gute Arbeit machen und sich die Betreffenden bei uns wohlfühlen“, so Lesser. Besonders für Jutta Lesser ist die jetzige Situation „ein böser Traum“. „Uns sind nicht nur die Einnahmen komplett weggebrochen, man muss auch jeden Tag Entscheidungen treffen, von denen man nicht weiß, ob sie richtig sind“, sagt sie.

Finanziell sei die Saison definitiv gelaufen. „Wenn wir irgendwann in diesem Jahr noch mal öffnen können und vielleicht noch 50 Prozent des normalen Umsatzes machen, könnten wir mit einem blauen Auge davonkommen“, sagt Bernd Lesser. Wirklich damit rechnen tue er aber nicht. „Aktuell arbeite ich gerade mal eine Stunde am Tag, schaue nach dem Rechten und mache Papierkram“, sagt der „Macher“, der sonst von morgens bis abends für seine Gäste da ist. „Allerdings nutzen wir jetzt die Zeit, um Sachen zu machen, zu denen wir sonst nicht kommen.“

So seien bislang eine Straße und eine Dusche gebaut sowie der Spielplatz saniert worden. Wirklich Angst um ihre Existenz haben die Lessers trotz der fehlenden Einnahmen nicht. Glücklicherweise haben wir den Platz so lange, dass wir Rücklagen bilden konnten“, sagt Lesser, der den Campingplatz am Hohen Hagen bereits seit über 30 Jahren betreibt und ihn zu dem machte, was er heute ist.

„Wir freuen uns jetzt darauf, diese schöne, aber auch anstrengende Zeit hinter uns zu lassen und unseren nächsten Lebensabschnitt zu beginnen“, so Lesser – auch, wenn sie sich ihr letztes Jahr auf dem Campingplatz ganz anders vorgestellt hatten.

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