Schanghai

„Masken sind hier Pflicht“: So erlebt ein Hann. Mündener die Corona-Krise in China

Die Skyline von Schanghai vor der Corona-Krise: Blick von der Uferpromenade „The Bund“ am Huangpu-Fluss.
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Die Skyline von Schanghai vor der Corona-Krise: Blick von der Uferpromenade „The Bund“ am Huangpu-Fluss.

Corona: Das Coronavirus hat die Welt fest im Griff. Jan Richmann wohnt in China und kommt aus Hann. Münden. Er berichtet von der Masken-Pflicht und über das Virus.

  • Das Coronavirus breitet sich auf der Welt aus.
  • China war früher betroffen als viele andere Länder.
  • Ein Hann. Mündener ist vor Ort und berichtet von der Situation.

Hann. Münden/Schanghai – Ausgangssperren, Arbeiten aus dem Homeoffice und die Ungewissheit, wie alles weitergehen wird: Das Coronavirus hat die Welt fest im Griff. Während in unserer Region die Maßnahmen zur Eindämmung des Virus erst seit einigen Wochen bestehen, bestanden diese in China, dem Ursprungsland der Erkrankung, deutlich länger.

Wir haben mit Jan Richmann aus Hann. Münden, der im chinesischen Schanghai lebt und arbeitet, gesprochen.

Herr Richmann, wie haben Sie den Beginn der Epidemie in China erlebt?

Ich arbeite hier in Schanghai im Bezirk Jiading bei einem namhaften deutschen Automobilzulieferer mit Hauptsitz in Bayern. Das Virus wurde hier ungefähr zu Beginn des chinesischen Neujahrsfestes, um den 24. Januar bekannt. Unser Unternehmen hat aufgrund des Virus und der zu erwartenden Reisewelle die Firma schon zwei Tage vorher geschlossen. Die Bezirksregierungen haben eine Schließung der Betriebe beschlossen.

Das öffentliche Leben kam praktisch zum Erliegen. Restaurants, Bars und andere Einrichtungen wurden geschlossen. Eine Maskenpflicht gilt für alle. Es gab Eingangskontrollen mit Fiebermessen und einem speziellen Ausweis. Autos aus Hubei wurden nicht in die Stadt gelassen. Die Stadt wurde praktisch abgeriegelt. Zwei Wochen Neujahrsferien, plus eine zusätzliche freie Woche und Homeoffice wurden von der Firma verordnet.

Jan Richmann mit der vorgeschriebenen Maske.

Wie ist die Situation bei Ihrer Arbeitsstelle?

Wir arbeiten noch immer zu 20 Prozent aus dem Homeoffice. Inlandsreisen müssen von der Geschäftsführung genehmigt werden. Die Kantine hat durch Plexiglas getrennte Sitzplätze.

Ein Leben außerhalb der Wohnung war fast nicht möglich. Im Gegensatz zu uns Deutschen hat es aber die Chinesen nicht gestört, zuhause zu bleiben. Der Kampf gegen das Virus wird als vorrangig angesehen. Chinesische Kollegen können immer noch nicht verstehen, warum wir in Deutschland keine Masken tragen.

Corona in China: Hann. Mündener ist vor Ort und berichtet

Wie wirken sich die Schutzmaßnahmen auf Ihr persönliches Leben in China aus?

Ich muss eine Maske tragen, das ist immer noch Pflicht. Ich trage sie aber nur gewissenhaft über der Nase, wenn ich mich in Menschenmassen bewege.

Nach drei Wochen kommt die Decke gefühlt ziemlich nahe, aber hier ist das Internet recht schnell. Das macht die Sache angenehmer. Die Luft war hier draußen in den letzten Wochen super.

Wie funktioniert die Versorgung?

Eingekauft habe ich im Internet. Man bestellt, was man benötigt. Ein Fahrer bringt das auf einem Elektromoped in den Wohnkomplex (Compound). Das funktioniert erstaunlich gut, da in China der Online-Einkauf besser klappt, als in Deutschland. Die Lieferung kommt am selben Tag. Besuch von Freunden oder Bekannten gab es nicht. Ich persönlich habe ein Paar Schuhe nur draußen getragen und diese vor der Tür gelassen.

Mit meiner Jacke habe ich das auch getan und sie auf dem Balkon aufgehängt. Ich hatte immer ein Paar Silikonhandschuhe dabei, um die Türen zu öffnen. Andere Leute sind in Ganzkörperanzügen unterwegs.

Corona in China: Einschränkungen im öffentliche Leben in Schanghai

Halten Sie die Einschränkungen für sinnvoll, um das Virus einzudämmen?

Maskenpflicht hin oder her: Hier in China ist die Bevölkerungsdichte doch ein wenig höher und damit macht es Sinn. Das Temperaturmessen halte ich aber für unsinnig.

Machen Sie sich Sorgen über die aktuelle Situation in Deutschland?

Ich bin in Hann. Münden aufgewachsen, meine Familie lebt noch dort. Ich versuche, ein bis zwei Mal im Jahr rüberzufliegen, aber dieses Jahr wird das natürlich schwierig. Ich habe den Eindruck, dass man die Gefahr in Deutschland lange nicht wahrgenommen hat. Und dabei geht es nicht darum, dass viele nur grippeähnliche Symptome bekommen. Die Erkrankung braucht zwei Wochen, bis sie bei den Infizierten ausbricht, in zwei Wochen kann man viele Menschen anstecken.

Zur Person: Jan Richmann lebt in Schanghai

Jan Richmann (45) stammt aus dem südniedersächsischen Hann. Münden und arbeitet im chinesischen Schanghai als Development Engineer (Entwicklungsingenieur) für einen deutschen Automobilzulieferer. Er ist unverheiratet und hat keine Kinder. Die Familie des 45-Jährigen lebt nach seinen Angaben noch in Hann. Münden.

Von Thomas Schlenz

Weltweit gibt es derzeit rund 80.000 Corona-Tote. Knapp 1,4 Millionen Menschen sind mit dem Virus infiziert.

In Deutschland sind mehr als 100.000 Menschen mit de Coronavirus infiziert.

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