Corona-Krise in Hann. Münden

Hausaufgaben, Notbetreuung, Prüfungen: So gehen Schulen im Altkreis mit der Schließung um

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Die BBS Hann. Münden haben eine Online-Plattform für ihre Schüler.

Wegen Corona haben Schulen in Niedersachsen geschlossen. Seither gibt es Diskussionen um Hausaufgaben und Sorgen um Prüfungen. So ist die Situation im Altkreis Münden.

Altkreis Münden – Seit dem 16. März sind die Schulen in Niedersachsen geschlossen. Seitdem gibt es Diskussionen um verpflichtende und benotete Hausaufgaben sowie Sorge um Abschlussprüfungen. Der Unterricht soll nach derzeitigen Plänen der Landesregierung am 20. April wieder beginnen. Wir haben uns umgehört, wie Schulen im Altkreis Münden vor den derzeitigen Osterferien mit der Situation umgegangen sind.

Die Berufsschule Hann. Münden verfüge über eine Online-Lehr- und Kommunikationsplattform, sagt Schulleiter Gerd Reddig. Die Schüler könnten das System nutzen, um Aufgaben zu erhalten und abzuschicken, und die Lehrer könnten Rückmeldung geben. Die Aufgaben seien freiwillig und würden nicht benotet, auch mit Rücksicht auf die unterschiedliche technische Ausstattung der Schüler. „Der Austausch funktioniert“, sagt Reddig. Aber: „Wir könnten viel weiter sein. Jetzt rächt es sich, dass die Digitalisierung an Schulen so lange verschlafen wurde“.

Schüler in dualen Ausbildungen hätten an Schultagen frei und besprächen das Vorgehen für Arbeitstage mit ihren Betrieben. Kaufmännische Betriebe beispielsweise machten Homeoffice. Pflegeschüler seien im Einsatz. IHK-Kammerprüfungen seien verschoben worden, neue Termine stünden noch aus.

Das Grotefend-Gymnasium (GGM) hat bisher noch keine Lernplattform, arbeitet aber zurzeit an einer Lösung für den Fall, dass der Unterricht nach den Osterferien nicht fortgesetzt werden kann, sagt Schulleiter Olaf Böhme. Freiwillige Aufgaben übermittelten die Lehrer derzeit per Mail an ihre Schüler. „Sie versuchen, ein bisschen Normalität in den Alltag zu bringen“, sagt Böhme. Abiturprüfungen stünden in diesem Jahr wegen des Wechsels vom Abitur nach 12 Jahren zum Abitur nach 13 Jahren nicht an. Wenn das Gymnasium wieder öffnet, könnte es eine Kunstausstellung geben, denn Schüler aller Altersklassen sind aufgerufen, sich bis zum 24. April künstlerisch mit dem Corona-Virus auseinandersetzen. Von Darstellungen über die Zeit daheim bis zu gesellschaftlichen Auswirkungen des Virus sind praktische Werke aller Art sowie wissenschaftliche Poster willkommen.

Die Schüler der Oberschule Dransfeld (OBS) haben laut dem kommissarischen Schulleiter Mark Bödefeld keine Aufgaben für die Zeit zu Hause erhalten. Auf der Webseite der Schule erklärt der Schulleiter seine Entscheidung für Schüler und Eltern: Da die Schüler zu Hause nicht gleichermaßen unterstützt werden könnten, sei auf diesem Weg für alle beim Schulneustart ein gleicher Unterrichtsstand gegeben.

„Es ist eine neue und belastende Situation. Es ist abzuwarten, wie es weiter geht“, sagt Bödefeld gegenüber der HNA. Die Lehrer hätten für die Zwischenzeit Arbeitsaufträge von der Schulleitung erhalten, erarbeiteten Lehrkonzepte, Arbeitspläne und alternative Abschlussarbeiten. Bisher sind an der OBS die mündlichen Englischprüfungen Mitte März durch den Schulausfall betroffen gewesen. Sie sollen nachgeholt werden. An der Oberschule werde bisher keine Notbetreuung wahrgenommen, dennoch sei sie täglich verfügbar.

An der Grundschule Landwehrhagen werden laut Rektor Kilian Schröder Aufgaben in Deutsch und Mathe gestellt. Manche wurden in der letzten Unterrichtswoche verteilt, andere Lehrer sendeten wöchentlich über einen Mailverteiler neue Aufgaben an die Eltern.

Zwei Lehrkräfte besprächen die Aufgaben auch am Telefon mit ihren Schülern. Die Aufgaben sind laut Schreiben auf der Internetseite freiwillig und sollen Übungscharakter haben. In Landwehrhagen werden laut Schröder derzeit vier Kinder betreut.

Schulen wegen Corona geschlossen: Kritik an Lehrern und Prüfungen verschoben

Laut der Niedersächsischen Landesschulbehörde fällt der Unterricht an Schulen ersatzlos aus. Für Kinder von Eltern mit Berufen in kritischer Infrastruktur wird eine Notbetreuung geboten. Der Landesschülerrat Niedersachsen hat in einer Mitteilung vom 25. März Kritik an der landesweit unterschiedlichen Erteilung von Hausaufgaben geäußert. Lehrer können ihren Schülern Aufgaben geben, müssen dies aber nicht tun und dürfen diese nicht bewerten. Der Landesschülerrat kritisiert, dass viele Schulen dennoch verpflichtende, benotete Aufgaben erteilen.

Am Freitag, 27. März, hat das Kultursministerium außerdem die Abschlussprüfungen der Sekundarbereiche I und II verschoben. Die Abiturprüfungen beginnen demnach am 11. Mai, die Sek-I-Prüfungen am 20. Mai. Der Unterricht soll für alle Schüler am 20. April beginnen. Sollte es nicht möglich sein, diesen Plan einzuhalten, werden die Abschlussprüfungen laut Kultusminister Grant Hendrik Tonne ersatzlos abgesagt. Die Abschlussnoten würden dann aus den Halbjahren berechnet.

VON KIM HENNEKING

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