Abschied mit Abstand

Corona-Krise: Ein Bestatter aus Dransfeld gibt Einblicke

Sven Stichtenoth: Der Dransfelder ist Bestatter. Das Geschäft existiert seit 1882, er ist seit 35 Jahren dabei und hat es von seinem Vater übernommen.
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Sven Stichtenoth: Der Dransfelder ist Bestatter. Das Geschäft existiert seit 1882, er ist seit 35 Jahren dabei und hat es von seinem Vater übernommen.

Die Corona-Krise stellt auch Bestatter vor Herausforderungen. Abstand, Masken, Desinfektion und wenige Trauergäste bei Beerdigungen. Ein Bestatter aus Dransfeld hat von der Situation berichtet.

Dransfeld – Wer geboren wird, der stirbt. Das ist der Kreislauf des Lebens. Die Corona-Krise rückt den Menschen ihre eigene Vergänglichkeit noch einmal näher in den Blick. Was verändert sich dabei für die Bestatter?

Einer, der Erfahrung in der Branche hat, ist Sven Stichtenoth aus Dransfeld. Er ist seit 35 Jahren im Geschäft und betreibt ein Beerdigungsinstitut in Dransfeld. „Zuallererst hat sich der Umgang mit den Trauernden geändert“, sagt er. Gespräche vor der Beerdigung könnten nicht mehr in großer Runde stattfinden, Plexiglas trennt die Angehörigen vom Bestatter am großen Tisch, den er extra herbeigeschafft hat. Desinfektionsmittel und Mund-Nasen-Schutz sei nun allgegenwärtig.

Trauercafé entfällt, Abschiednehmen wird schwerer

Eine häufig gestellt Frage ist, so Stichtenoth: „Wie viele dürfen wir bei der Beerdigung sein?“ Dafür steht er mit den Friedhofsträgern in Kontakt, damit eine möglichst große Zahl von Trauernden Abschied nehmen kann. Die Akzeptanz solcher Regelungen sei in dem Jahr, seitdem die Pandemie nun anhält, gestiegen. „Es gibt weniger Diskussionen als zu Anfang“, berichtet er. Es gebe auch Traunerde, die die Begrenzung als „angenehm“ empfinden würden, da so keine große Menge zu der Beisetzung komme. Was ihn schmerzt, ist, dass das Trauercafé wegfallen müsse. „Dabei konnte man sich gemeinsam an den Verstorbenen erinnern.“

Bei den Beisetzungen habe er als Fachmann nun mehr Verantwortung. „Die Friedhofsträger schieben die Verantwortung auf die Bestatter“, berichtet der 48-Jährige. „Wir müssen nun auf Abstand und Masken achten, man fühlt sich schon verpflichtet.“ Für die schnelle Weitergabe der Coronareglungen dankt er der Kreishandwerkerschaft Südniedersachen sowie dem Ordnungsamt Dransfeld.

Hygieneregeln galten auch schon vor Corona

Auch beim Kontakt mit an oder mit Corona Verstorebnen gelten besondere Reglen. Diese seien allerdings nicht neu, so Stichtenoth. Vollschutz für den Bestatter, Tücher für den Toten und ein Plastiküberzug, ein sogenannter Bodybag, seinen die vorgeschriebenen Mittel. Diese habe es auch schon vor Corona gegeben, und zwar für Menschen die an Infektionskrankheiten wie Lassafieber, Tuberkulose oder Ebola gestorben sind. „Nur in dieser Menge ist es neu.“

Die Abschiednahme am offenen Sarg ist so nicht möglich. Großartige Mehrkosten für die Hinterbliebenen würden allerdings nicht entstehen. Ein Gerücht, das weit verbreitet sei, ist, dass die Überreste von Coronatoten verbrannt werden müssen. „Das stimmt nicht“, sagt der Bestatter. „Alle üblichen Bestattungsformen sind auch bei Corona erlaubt“. Dazu Zählen Erd- und Seebestattungen. Szenen von überfüllten Krematorien kann er sich für die Region nicht vorstellen. Man sei bis jetzt glimpflich durch die Krise gekommen.

Vorsorge für Bestattung kommt immer mehr in Mode

Insgesamt hat Sven Stichtenoth, der das Geschäft von seinem Vater übernommen hat, bemerkt, dass sich der Umgang mit dem Tod und auch die Aufgaben der Bestatter über die Jahrzehnte verändert haben. Es habe sich vom reinen „Transporteur“ – einsargen, überführen und beerdigen – hin zu einem Dienstleiter gewandelt. „Wir beraten bei der Grabauswahl, bei der Gestaltung von Traueranzeigen, dem Blumenschmuck und bei Behördenkontakt.“

Das Thema Sterben sei aus der Gesellschaft hinausgedrängt worden. Gleichzeitig legen mehr Menschen vorher fest, wie sie beerdigt werden wollen. „Das nennt sich Bestattungsvorsorge“, berichtet er. So kann die Art der Beisetzung geregelt und auch Geld für ein würdiges Begräbnis angelegt werden. (Jens Döll)

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