Corona im Landkreis Göttingen

Vieles hängt an den Kunden - Reaktionen auf die Lockerungen

Die Lange Straße in Hann. Münden mit ihren vielen kleinen Geschäften sollte sich ab kommender Woche mit mehr Fußgängern füllen. Ab Montag dürfen viele Läden wieder öffnen.
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Die Lange Straße in Hann. Münden mit ihren vielen kleinen Geschäften sollte sich ab kommender Woche mit mehr Fußgängern füllen. Ab Montag dürfen viele Läden wieder öffnen.

Corona im Landkreis Göttingen: Nach der Pause dürfen schrittweise die Geschäfte der Region wieder öffnen.

  • Das Coronavirus breitet sich in der Region Göttingen weiter aus
  • Nun wurden viele Maßnahmen gelockert
  • Auch Geschäfte dürfen teilweise wieder öffnen 

Hann. Münden - Mit den am Mittwoch (15.04.2020) beschlossenen Änderungen der Bundesregierung wird sich auch in der Region Göttingen ab nächster Woche einiges ändern. Buchläden, Auto- und Fahrradwerkstätten dürfen nach der Corona-Krise wieder öffnen, alle kleineren Läden mit einer Verkaufsfläche unter 800 Quadratmetern können wieder Kunden empfangen. Während Kitas weiter geschlossen bleiben, sollen Schulen schrittweise wieder zur Normalität zurückfinden. 

Corona im Landkreis Göttingen: Kulturveranstaltungen abgesagt

Große Kulturveranstaltungen sind bis Ende August verboten. Doch wie lässt sich diese Rückkehr nach vier Wochen Schließung, Unterbrechung und Ausnahmesituation bewerkstelligen? Bei unserer Umfrage mischen sich in den Antworten Euphorie und Erleichterung mit abwartender Vorsicht. Viele fordern auch klare Regeln, um einen Fahrplan zu haben, wie die Auflagen umzusetzen sind.

Corona im Landkreis Göttingen: Kulturveranstaltungen abgesagt

Andreas Sadowsky, Gilde, Hann. Münden (Landkreis Göttingen)

Dass kleine Einzelhändler wieder öffnen dürfen, freut die Mündener Gilde. Doch bei aller Euphorie blickt sie der Zukunft vorsichtig entgegen. Denn wohin die Entwicklung geht, sei unklar. Bleiben Kunden verhalten oder gibt es einen Ansturm und die Lockerung war doch zu früh? Wenig Klarheit gebe es auch bei Hygienevorschriften. „Einzelhändler haben ja keine Einkaufswagen, die den Abstand vorgeben.“ Zwar hätten Händler bis Montag Zeit, sich vorzubereiten, aber klare Vorgaben fehlen bislang. Weitergehen müsse es irgendwann auch für Gastronomen.

Ralf Müller, Friseurmeister, Hann. Münden (Landkreis Göttingen)

„Ich bin erleichtert, wieder aufzumachen“, freut sich Müller. Ein paar freie Tage seien ganz nett, jetzt wolle er aber wieder loslegen. „Man freut sich auf die Arbeit.“ Dafür erwartet er nun einen verpflichtenden Mundschutz. Sich an das Arbeiten damit zu gewöhnen, sei die größte Herausforderung. Hygienemaßnahmen habe es bereits vor der Schließung gegeben, deshalb hat Müller auch keine Bedenken um den Schutz der Mitarbeiter und Kunden. Es liege an ihnen, ob sie sich trauen und es sich lohnt, wieder aufzumachen. Zu Beginn rechne er aber mit einem Ansturm.

Corona im Landkreis Göttingen: Rock-Veranstaltung steht auf der Kippe

Marco Hepe, 2. Vorsitzender vom Verein Rock for Tolerance, Hann. Münden (Landkreis Göttingen)

Ob das Rock for Tolerance Open Air in diesem Jahr stattfindet, steht noch auf der Kippe. „Es ist noch nicht klar, was Großveranstaltungen überhaupt sind“, sagt Marco Hepe, 2. Vorsitzender des Vereins. Eine nachvollziehbare Entscheidung sei die neue Corona-Regelung aus seiner Sicht aber schon: „Veranstaltungen sind gefährlich.“ Deshalb habe der Verein auch schon früh auf die Ereignisse reagiert: „Wir haben die Vorbereitungen abgebrochen, bevor wir überhaupt richtig gestartet sind“, so Hepe. „Wir gingen davon aus, dass uns das länger betrifft.“ Der Verein wäre vorbereitet und könnte das Festival stemmen, falls es in diesem Jahr noch stattfinden darf. Geplant war es für Anfang Juli. 

„Wir könnten es durchführen oder nicht. Da sind wir flexibel“, betont Hepe und fügt hinzu: „Wir stehen in engem Austausch mit der Stadtverwaltung.“ Wenn diese allerdings nein sagt, dann habe auch der Verein nichts mehr zu entscheiden. Aktuell geht Hepe davon aus, dass das Festival, bei dem der Eintritt frei ist, nicht stattfindet. „Das ist die günstigere Variante, als wenn Leute nicht kommen, weil sie Angst haben“. „Natürlich wäre es sehr schade. Wir haben ein super Line-Up zusammengestellt“, so Hepe. Eine Absage würde den Verein glücklicherweise finanziell aber nicht umwerfen. Im Gegenteil, sagt der 2. Vorsitzende: „Wir werden mehr Kraft sammeln, um im nächsten Jahr noch eins drauf zu legen. Das ist Jammern auf hohem Niveau.“ Eine Entscheidung will der Verein am Ende des Monats in seiner Vorstandssitzung fällen, die natürlich als Videokonferenz stattfindet.

Corona im Landkreis Göttingen: Vorfreude auf Öffnung

Susanne Heller, Vorsitzende von Pro-City, Göttingen

„Ich freue mich sehr, dass wir jetzt wieder öffnen dürfen und persönlich für unsere Kunden da sein dürfen.“ Aus Sicht von Susanne Heller kann dies aber nur ein erster Schritt zurück zur Normalität im Einzelhandel nach der Corona-Pause sein. „Wir müssen weiterhin verantwortungsbewusst mit den Schutzmaßnahmen im Handel umgehen.“ Einige Geschäfte in der Göttinger Innenstadt werden nach ihrer Einschätzung noch nicht öffnen dürfen, weil sie mehr als 800 Quadratmeter Fläche haben. „Aber der Großteil der Läden wird ab Montag wieder bereitstehen und die Kunden empfangen. Wir freuen uns alle sehr, dass wir wieder persönlich mit unseren Kunden in Kontakt treten dürfen.“ Die mehrwöchige Schließung war laut Heller (57) für viele Händler eine harte Zeit: „Das hatten wir noch nie zuvor.“ Die wirtschaftlichen Folgen sind laut Heller auch davon abhängig, ob die Kunden gleich wieder kommen.

Corona im Landkreis Göttingen: Teilweise Öffnung

Sarah Oppermann, Buchhandlung Winnemuth, Hann. Münden (Landkreis Göttingen)

„Ab Montag öffnen wir vormittags“, sagt Sarah Oppermann. Es dürften dann nur ein bis zwei Kunden in den Laden. Ab Freitag schließe die Buchhandlung dann wieder, um vor der Übergabe am 16. Mai an Julia Erlen noch zu renovieren und Inventur zu machen. Die Schließung bisher sei anstrengend aber dank der Kunden gut händelbar gewesen.

Corona im Landkreis Göttingen: Praktikable Regelungen notwendig

GGM-Leiter Böhme und Kita-Leiterin Knieps, Hann. Münden (Landkreis Göttingen)

Grotefend-Gymnasium: Schulleiter Olaf Böhme erwartet vom Kultusministerium „praktikable Regelungen für den Schulalltag“. Damit die ersten Jahrgänge schrittweise wieder unterrichtet werden können, brauche es beispielsweise eine Definition für einen Mindestabstand im Klassenraum, Hygieneregeln und entsprechende Ausstattung der Sanitäranlagen sowie Lösungen für den Schülertransport. In der Zwischenzeit hat das Grotefend-Gymnasium eine Lernplattform für seine Schüler entwickelt, die am kommenden Montag an den Start gehen wird. Schüler können sich ab sofort von zu Hause aus anmelden und sollen so auf Aufgaben und Lehrmaterial zugreifen, die die Lehrer ihnen zur Verfügung stellen.

Kindertagesstätte St. Matthäus: Auch Leiterin Meike Knieps hofft auf klarere Vorgaben für den Betrieb. Bisher haben die Eltern die Betreuung der 50 Kinder gut alleine gestemmt, sagt sie. Aber wenn wie angekündigt die Gruppe der systemrelevanten Berufe erweitert werden soll, rechnet sie mit Notgruppen. Doch es dürften nur vier Kinder und zwei Erzieher in einer Gruppe sein. Dazu komme: „Viele Mitarbeiter sind in der Risikogruppe, die darf ich nicht einsetzen“. Derweil säßen die Eltern auf heißen Kohlen, weil sie wissen wollten, wie es nach der Corona-Pause weiter geht.

Corona im Landkreis Göttingen: Verständnis für hohe Belastungen

Bürgermeister Harald Wegener, Hann. Münden (Landkreis Göttigen)

Harald Wegener zeigt Verständnis für jene, die durch die andauernden Einschränkungen hohen Belastungen ausgesetzt sind, wie beispielsweise Eltern, die von zu Hause arbeiten und gleichzeitig ihre Kinder betreuen müssen. „Man sehnt sich nach der verlässlichen Normalität, und gefordert wird stattdessen Geduld“, sagt Wegener. „Selbst Fachleute nehmen unterschiedliche Sichtweisen ein. Somit ist es nicht leicht, eine richtige und zudem noch gerechte Entscheidung zu treffen. 

Es ist aber gut, dass man sich mit einer Kraftanstrengung bundesweit auf weitestgehend einheitliche Corona-Regelungen geeinigt hat, und ich hoffe, dass die Auswertungen der neuen Fallzahlen in den nächsten Wochen weitere Erleichterungen zulassen.“ Der Fachdienst Sicherheit und Ordnung der Stadtverwaltung werde weiterhin zusammen mit der Polizei auf die Einhaltung der Regelungen achten. Das werde auch mit viel Aufklärung und Information verbunden sein. Die Arbeiten in der Verwaltung gingen derweil mit reduzierter Besetzung durch Urlaub und Überstundenabbau weiter. Es würden Vorbereitungen getroffen, wie man Bürgerkontakte zukünftig besser gestalten kann. Dazu sollen im Bereich der kommunalen Dienste Plexiglasabtrennungen angebracht werden.

Corona im Landkreis Göttingen: Positiver Impuls für den Handel 

Dr. Martin Rudolph, IHK Göttingen

„Positiv ist, dass wir durch die Öffnung der kleinen Geschäfte einen positiven Impuls für den Handel bekommen. Das ist ein erstes gutes Signal“, sagt Rudolph (62). Gut wäre es aus seiner Sicht gewesen, wenn unabhängig von Ladengröße und Sortiment noch mehr Geschäfte von der Öffnung profitieren würden. „Es gibt viele inhabergeführte Einzelhandelsgeschäfte mit mehr als 800 Quadratmetern.“ Für die Wirtschaft insgesamt haben die Industrie- und Handelskammern in Niedersachsen ein Papier vorgelegt, was Empfehlungen für eine geordnete Corona-Exit-Strategie enthält. Entscheidend sei, dass die Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden. Rudolph: „Der Lebensmitteleinzelhandel ist das Vorbild.“

Lesen Sie alle News zum Coronavirus in der Region Göttingen in unserem Ticker.

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