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Das Gemälde „Die Anbetung der Hirten“ in St. Blasius Hann. Münden: Ein Geschenk für die Kirche

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Zur akademischen Ausbildung in der Malerei gehörte auch das Kopieren alter Meister. Georg Reichmann schenkte 1818 seine erste große Arbeit der Stadtkirchengemeinde.
Zur akademischen Ausbildung in der Malerei gehörte auch das Kopieren alter Meister. Georg Reichmann schenkte 1818 seine erste große Arbeit der Stadtkirchengemeinde. © Stefan Schäfer

Das Gemälde „Die Anbetung der Hirten“ hat eine lange Reise und Geschichte hinter sich. Jetzt ist es in der St. Blasius Kirche in Hann. Münden zu sehen.

Hann. Münden – Wer als Mündener die Gemäldegalerie Alte Meister im Schloss Wilhelmshöhe besucht, könnte erstaunt vor einem Bild feststellen: „Das Bild kenne ich“. Die Rede ist vom Gemälde „Die Anbetung der Hirten“, entstanden mutmaßlich nach 1628 im belgischen Antwerpen aus der Hand des Malers Jan Cossiers. Landgraf Wilhelm VIII. von Hessen Kassel hatte es um 1750 erworben. Kaiser Napoleon hatte es von 1807 bis 1815 nach Paris „entführt“. Die Kurfürstliche Hessische Gemäldesammlung zu Kassel forderte es erfolgreich zurück.

Werk entfaltet zur Weihnachtszeit Wirkung

Gerade zur Weihnachtszeit entfaltet dieses Werk des Frühbarocks seine ganze Wirkung. Im Blickkontakt mit uns tritt eine Magd im roten Rock, die mit einem Korb voll Eiern und einem schlachtreifen Huhn niederkniend mit ihrem Zeigefinger auf den rechten Bildrand zeigt. In einer grob gezimmerten Kiste liegt unscheinbar das Christuskind. Marias Haupt ist von zartem Licht umkränzt.

Sie drapiert ein weißes Gewand über dem Kind. Cossiers versinnbildlichte das Lukasevangelium: „Nachdem ein Engel den Hirten auf dem Felde die Geburt des Heilands verkündet hatte, gingen sie hin und fanden Maria und Joseph bei dem Kind, das in einer Krippe lag.“

Gemälde ist von Georg Reichmann

Doch das hier abgebildete Gemälde hängt nicht in der Staatlichen Gemäldegalerie. Es befindet sich in der St. Blasii Kirche im nördlichen Seitenschiff.

Angefertigt hat es Georg Reichmann. Georg Reichmann erblickte am 4. Dezember 1793 in Münden das Licht der Welt und war Sohn des Kaufmannes und Gastwirts Christian Friedrich Reichmann und dessen Ehefrau Regine Magdalene, geborene Kellner.

Drei Generationen der Reichmanns wuchsen im Hause Lange Straße 33 auf, das 1899 einem Neubau wich. Georg Reichmann hatte sechs Geschwister, die in politisch unruhigen Zeiten aufwuchsen.

Münden geriet in französische Fremdherrschaft

Ab 1801 geriet Münden und das Kurfürstentum Hannover in zunächst preußische und dann französische Fremdherrschaft. 1813 endete diese Episode mit dem Abzug der Franzosen und des von Jérôme Bonaparte regierten Königreichs Westphalen. Die nun wieder eingesetzte hannoversche Regierung rief nun alle 18- bis 30-Jährigen zu den Waffen, um zahlreiche Landwehrbataillone aufzustellen. Reichmann trat am 1. Januar 1814 dem königlich hannoverschen Landwehrbataillon Münden bei. Er marschierte nach Belgien und Frankreich.

Doch Napoleon gab sich letztlich erst im Juni 1815 auf dem Schlachtfeld von Waterloo geschlagen. Das Mündener Landwehrbataillon musste nicht in die unmittelbaren Kampfhandlungen eingreifen.

Nach dem Rückmarsch wurde am 1. Februar 1816 das Mündener Bataillon und Reichmann in der Heimat feierlich empfangen. Reichmann war zum Leutnant und Quartiermeister aufgestiegen. 1817 ließ er sich aus dem Militärdienst entlassen, um endlich der Malerei nachgehen zu können.

Kopie wurde an St. Blasii-Gemeinde geschenkt

Unter Johann August Nahl studierte er bis 1819 an der Akademie der Künste in Kassel. Hier begegnete er dem gerade aus Paris zurückerhaltenen Gemälde Cossiers und kopierte dieses. Weihnachten 1818 schenkte er der St. Blasii-Gemeinde die von ihm gefertigte Kopie des Gemäldes. Seine produktivste Schaffensperiode erlebte Reichmann in den Jahren von 1830 bis 1840 in Hannover als Porträtist des Adels und als Historienmaler, zu dessen Hauptwerk das Kinderportrait der Auguste Caroline von Cambridge von 1832 gehören dürfte. 1836 heiratete Reichmann in Hannover und wurde anschließend zweifacher Vater.

Aufträge zur malerischen Raumgestaltung des Hannoverschen Leineschlosses und des Friedenssaals im Osnabrücker Rathaus stehen am Ende des künstlerischen Schaffenswerkes.

Am 1. April 1853 starb Reichmann im Alter von 60 Jahren in Hannover. (Stefan Schäfer)

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