Schau soll nicht im Museum Friedland gezeigt werden

Debatte um Zwangsarbeit-Ausstellung

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Als Wanderausstellung gestartet: „Auf der Spur europäischer Zwangsarbeit. Südniedersachsen 1939 – 1945“ ist inzwischen dauerhaft an den BBS II in Göttingen zu sehen.

Landkreis Göttingen. Eine Ausstellung über Zwangsarbeiter sorgt für Streit in Niedersachsen. Das Innenministerium will sie nicht im Museum Friedland zeigen. Das sorgt für Kritik im Kreistag.

Die Ausstellung „Auf der Spur europäischer Zwangsarbeit. Südniedersachsen 1939 – 1945“ soll nicht ins Museum Friedland, sagt das niedersächsische Innenministerium. Die Gruppe SPD, Grüne und Freie Wähler im Kreistag bedauert das.

Derzeit ist die Ausstellung in den Berufsbildenden Schulen Göttingen, BBS II, zu sehen, berichten die Fraktionsvorsitzenden Reinhard Dierkes (SPD), Martin Worbes (Grüne) und Lothar Dinges (FWLG). Mit einem Umzug ins Museum Friedland „sollte die Ausstellung sinnvoll und schlüssig in ein größeres Konzept eingebunden und vor allem langfristig einem deutlich erweiterten Besucherkreis zugänglich gemacht werden“, heißt es in der Pressemitteilung.

Dazu hatte die Gruppe im Kreistag im März eine Änderung zu einem Antrag der Gruppe Die Linke/Piraten/Partei eingebracht: Jene wollten für die Ausstellung als eigenständiges Projekt mehr Geld, erinnert Dierkes, wohingegen SPD, Grüne und FWLG nach einer Möglichkeit suchten, die Ausstellung vielen Menschen zugänglich zu machen. 

In der BBS II werde sie nicht gut angenommen. Synergieeffekte sehen SPD, Grüne und FWLG hingegen, würde man die Zwangsarbeit-Ausstellung nach Friedland bringen: Beide Ausstellungen hätten durch ihre anerkannt hohe Qualität das Potenzial, „gemeinsam weit über den Landkreis Göttingen hinaus wichtige Impulse zu aktuellen Diskussionen über Flucht und Vertreibung von Kriegsopfern, über Aufnahmebereitschaft und Integration, ergänzend aber auch über die Inhumanität von in ihren Heimatländern gewaltsam der Freiheit beraubten und durch Zwangsarbeit ausgebeuteten Menschen zu liefern”, so Dierkes, Worbes und Dinges in ihrer gemeinsamen Erklärung weiter. Die Kreisverwaltung war beauftragt worden, die Friedland-Option beim Niedersächsischen Innenministerium abzufragen, hatte dies getan und die Antwort den Fraktionen mitgeteilt.

„Daher nehmen wir mit Verwunderung zur Kenntnis, dass die Gruppe Die Linke/Piraten/Partei im Kreistag diese Absage ausdrücklich begrüßt. Was hätte der Zwangsarbeiterausstellung Besseres passieren können, als eine Integration in die Friedländer Ausstellung?”, sind sich die drei Fraktionsvorsitzenden sicher. „Wenig Verständnis bringen wir darüber hinaus gegenüber der Kritik mangelhafter Unterstützung der Zwangsarbeiterausstellung auf. Der Kreistag hat mit den Stimmen von SPD, Grünen und FWLG den Zugang zur Ausstellung in der BBS II mit einem sechsstelligen Betrag überhaupt erst möglich gemacht und trägt die laufenden Raumkosten.“

Die dauerhafte Einbindung in ein Konzept, das der Bedeutung des Themas Zwangsarbeit im Dritten Reich gerecht wird, müsse weiterhin Ziel möglichst aller im Kreistag vertretenen Parteien sein, fordern SPD, Grüne und Freie Wähler. 

Für Gruppen auch in den Ferien zu sehen

Sie soll an die Schicksale erinnern: „Auf der Spur europäischer Zwangsarbeit. Südniedersachsen 1939 – 1945“ ist der Titel der Ausstellung. Mehrere zehntausend Menschen seien im Zweiten Weltkrieg gezwungen worden, in Südniedersachsen Zwangsarbeit zu leisten, heißt es auf der Webseite zur Ausstellung (http://zwangsarbeit-in-niedersachsen.eu). Ihrem Schicksal gehe die Ausstellung aus europäischer Perspektive nach. Als Wanderausstellung gestartet hat sie inzwischen eine feste Bleibe in den Berufsbildenden Schulen BBS II in Göttingen, Godehardtstraße 11. Der Eintritt ist frei, Spenden sind erwünscht. 

Während der Schulzeit hat die Ausstellung mittwochs und freitags von 10 bis 14 Uhr geöffnet, für Gruppen nach Vereinbarung. Außerdem ist sie jeden 1. und 3. Sonntag im Monat von 14 bis 17 Uhr offen. Die nächsten offenen Sonntage sind am: 19. August, 2. September, 16. September, 7. Oktober, 21. Oktober, 4. November, 18. November, 2. Dezember und 16. Dezember. An Feiertagen und in den Ferien ist geschlossen. Sommerpause ist vom 16. Juli bis zum 15. August. Aber auch während dieser Zeit können Gruppen nach Vereinbarung die Ausstellung besuchen: Bitte anmelden per E-Mail unter info@zwangsarbeit-in-niedersachsen.eu oder per Telefon unter 0551/ 29 34 69 01. 

An der Ausstellung mitgearbeitet haben: Geschichtswerkstatt Duderstadt, Geschichtswerkstatt Göttingen, die Stiftung „Polnisch-Deutsche Aussöhnung“, das Istituto di Storia Contemporanea „Pier Amato Peretta“ und das Centro di Ricerca „Schiavi di Hitler“ (beide Italien), Stichting Deportatie Oktober 1944 Noord-en Midden-Limburg (Niederlande), Hochschule Hannover, Fakultät III – Medien, Information und Design, EU-Hochschulbüro Hannover/Hildesheim, Leibniz Universität Hannover, informiert das Faltblatt über das Projekt.

Die Ausstellung im Netz

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