Nach Kältewelle Anfang 2021

Der Eisvogelbestand in der Region Hann. Münden bricht ein

Der Eisvogel ist momentan aus dem Altkreis verschwunden. Jungvögel aus anderen Gegenden können aber neu siedeln. Archiv
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Der Eisvogel ist momentan aus dem Altkreis verschwunden. Jungvögel aus anderen Gegenden können aber neu siedeln. Archiv

Viele kennen ihn aus der Werbung für Licher-Bier. Der Eisvogel. Auch in der Region Hann. Münden ist das Tier heimisch. Allerdings ist er stark bedroht.

Altkreis Münden – Den Eisvögeln im Altkreis Münden hat der Wintereinbruch Anfang Februar den Garaus gemacht. Das berichtet der Göttinger Ornithologe Hans Heinrich Dörrie. Nachdem Tief Tristan für viel Schnee und eisigen Nordostwind gesorgt hat, wurden keine Sichtungen mehr gemeldet. „Die flinken Fischfänger verhungern, wenn Bäche und Teiche zufrieren“, weiß Werner Rohlmann vom Naturschutzbund (Nabu) Samtgemeinde Dransfeld.

Schnee und Frost machen dem Eisvogel zu schaffen

Bei Minusgraden droht der nach dem Fischfang nasse Vogel an Metallgeländern, aber auch an Baumstämmen festzufrieren.

Werner Rohlmann vom Naturschutzbund (Nabu) Samtgemeinde Dransfeld sorgt sich um den Bestand der Eisvögel in der Region.

Dokumentiert sind Fälle, wo der Schnabel des bis zu 40 Gramm schweren Tieres im Gefieder festfror. Sinken die Temperaturen unter minus 15 Grad Celsius stirbt auch der letzte der eigentlich aus den Tropen stammenden Vögel, erklärt Dörrie. So waren in diesem Frühjahr und Sommer die Brutplätze des „fliegenden Edelsteins“ an Auschnippe und Schwülme, an Nieme und Schede, an Werra und Weser verwaist, bedauert Rohlmann. An der Auschnippe hat der Nabu vor einigen Jahren eine Nisthilfe geschaffen. Er verbaute im Uferbereich zwischen zwei Erlen einen ein mal einen Meter großen und einen Meter tiefen Kasten, in den die Naturschützer Sand und Lehm fest hineingestampft hatten. „Bisher haben in den beiden von uns angelegten Höhlen allerdings nur Meisen gebrütet“, sagt Rohlmann. Außerdem quartierte sich ein Siebenschläfer ein.

Dransfeld: Nieme als Biotop für Eisvogel

Entlang der Nieme kauft der Nabu seit vielen Jahren Flächen, die von Landwirten danach nur noch naturnah bewirtschaftet werden dürfen.

So hat sich der Bach zu einem besonders artenreichen Biotop entwickelt. Neben dem Eisvogel ist dort auch der Schwarzstorch zu beobachten. In der Nieme, wie auch in den anderen Bächen der Region gibt es reichlich Kleinfische wie Elritze, Moderlieschen oder Stichling. An den Gewässern des Altkreises finden sich vereinzelt Prallufer mit Abbruchkanten, wo der Eisvogel seine bis zu einem Meter tiefen Nisthöhlen gräbt.

„Wenn die Bedingungen günstig sind, verlässt das Weibchen die Nisthöhle“

Er hackt dabei den Lehm mit seinem vier Zentimeter langen, spitzen Schnabel heraus und schiebt ihn mit den Krallen aus dem Gang.

Jagd mit Fallen

Lange Zeit haben Fischzüchter und Angler den Eisvogel mit Schlagfallen gejagt, berichtet der Göttinger Ornithologe Hans Heinrich Dörrie. Später verkleinerten Uferbefestigungen und das Zuschütten von Tümpeln den Lebensraum der Tiere. Die Wasserverschmutzung nahm ihnen zudem die Nahrungsgrundlage. Die Folge: Bei einer Eisvogel-Suche im Jahr 1978 ließ sich an 200 Fluss- und Bach-Kilometern in Südniedersachsen nur ein einziges Brutpaar beobachten. Eine Wende zum Besseren brachten die 1990er-Jahre, freut sich Dörrie. Das Wasser ist heute aufgrund strengerer Auflagen sauberer. Unterhaltungsverbände geben der Dynamik von Fließgewässern vereinzelt Raum. So haben sich die Eisvogel-Bestände erholt. Vor dem Wintereinbruch im Februar ließen sich die Tiere an jedem fischreichen Gewässer beobachten, sagt der Göttinger. 

Die Höhlenbauer schätzen zudem Böschungen mit Wurzelüberhängen. Die Steilufer bieten einen gewissen Schutz vor Nesträubern wie dem Waschbären oder dem Wiesel. Angesichts der günstigen Ausgangslage sind Rohlmann und Dörrie zuversichtlich, dass sich die Eisvogel-Bestände in den kommenden Jahren rasch wieder erholen. Der Göttinger Ornithologe setzt auf Jungvögel. Sie würden aus dem Westen und Südwesten der Republik, die weniger von der Kälte betroffenen waren, die Lebensräume in Südniedersachsen neu besiedeln. „Wenn die Bedingungen günstig sind, verlässt das Weibchen die Nisthöhle, wenn die Jungen geschlüpft sind“, verrät Rohlmann. Während das Männchen den Nachwuchs groß zieht, paart sich das Weibchen erneut, bezieht eine andere Höhle und legt dort erneut Eier. Schachtelbrut nennt sich das. (Michael Caspar)

Ein weiteres seltenes Tier in der Region ist der Biber. Dieser macht nun den Landwirten Sorgen. Eingeschleppte Fische halten die Angler in Atem.

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